Höxteraner Verein lockert Vorgaben und spricht vermehrt junge Leute an Gärtnern liegt im Trend

Höxter (WB). Mit Regellockerungen sagt der Höxteraner Kleingartenverein Papenwinkel Nachwuchssorgen den Kampf an. Mit Erfolg: Seitdem es keine festen Vorgaben mehr zur Größe des Gemüsebeetes und der Rasenfläche gibt, steigt die Mitgliederzahl und auch junge Familien werden zu Gärtnern.

Von Marian Berkemeier und Friederike Hielscher
Der Trend zur Kleingärtnerei ist in den vergangenen zwei Jahren gewachsen. Im Garten von Werner Repke fühlt man sich wie in einem Paradies. Blumen, asiatische Skulpturen und persönliche Schmuckstücke machen aus der Anlage etwas ganz Besonderes. Die Höxteraner Kleingärtner haben ihre Vereinsregeln gelockert, um auch für jüngeres Publikum attraktiv zu werden.
Der Trend zur Kleingärtnerei ist in den vergangenen zwei Jahren gewachsen. Im Garten von Werner Repke fühlt man sich wie in einem Paradies. Blumen, asiatische Skulpturen und persönliche Schmuckstücke machen aus der Anlage etwas ganz Besonderes. Die Höxteraner Kleingärtner haben ihre Vereinsregeln gelockert, um auch für jüngeres Publikum attraktiv zu werden. Foto: Friederike Hielscher

»Das hier ist Entspannung total«, sagt Werner Repke, seit 20 Jahren Kleingarten-Pächter und ehemaliges Vorstandsmitglied. Das sehen mittlerweile auch viele junge Leute so. Der Trend zur Kleingärtnerei sei in den vergangenen zwei Jahren gestiegen. »Viele junge Leute oder Leute mit Kindern pachten eine Parzelle, auch als Party- oder Grill-Garten«, sagt Repke.

»Von 179 Anlagen sind 90 Prozent belegt«

»Von 179 Anlagen sind 90 Prozent belegt«, bestätigt der Vorsitzende Christoph Thelen. Ein Grund für diese positive Entwicklung sei, dass strenge Auflagen und Regelungen gelockert worden seien. »So kann man heute entspannter und freier über seinen Garten entscheiden«, sagt Rentner Repke, der selbst am liebsten Blumen züchtet und Gemüse anbaut. »Jeder kann selber über die Einteilung entscheiden«, erklärt das ehemalige Vorstandsmitglied.

Trotz der Regellockerungen werde weiterhin Wert auf die angemessene Pflege der Anlagen gelegt. Verpflichtung für alle sei ein Dienst an der Gemeinschaft: Entweder durch 15 Pflichtstunden im Jahr auf den Gemeinschaftsflächen oder durch die Übernahme eines verlassenen Pflegegartens. Repke: »Selber bin ich eigentlich jeden Tag für mehrere Stunden hier.«

Vom Rechtsanwalt bis zum Bauarbeiter

Ein Wettbewerbsgedanke bestünde allerdings nicht zwischen den Pächtern. Im Gegenteil: Es entstehen Freundschaften über Zäune hinweg. So helfen Martin Ginzel, Gerd Engbert und Werner Repke ihrem Kleingartenfreund Stefan Schaperdoth beim Anlegen eines Kiesweges. »Zusammen haben wir auch schon eine neue Hütte hier gebaut. Es war viel Arbeit, aber es hat sich gelohnt«, meint Schaperdoth.

Ob es noch den typischen spießigen Kleingärtner gibt? »Hier ist alles bunt gemischt, vom Rechtsanwalt bis zum Bauarbeiter.« Senioren und junge Familien pflegen hier Zaun an Zaun ihre Gärten.

Doch einige Grundstücke stünden auch leer. Verlassene Gartenhütten und wuchernde Pflanzen zeigen, dass hier seit längerer Zeit niemand mehr einen Spaten in die Hand genommen hat. Trotz des positiven Trends zur Kleingärtnerei gibt es auch Probleme. »Zehn Prozent der vorhandenen Parzellen stehen frei«, sagt der Vereinsvorsitzende Christoph Thelen.

Ein Garten als Freizeitort

Dass die Leerstandsquote weiter sinkt, hoffen die Höxteraner Kleingärtner um den Vereinsvorsitzenden. Durch die Veränderungen – die Pacht könne jetzt zum Beispiel statt jährlich auch monatlich gezahlt werden – und den Trend zum eigenen Gemüseanbau seien bereits mehr junge Leute und Familien mit Kindern angezogen worden.

»Diese möchten den Garten vornehmlich als Freizeitort nutzen. Gleichzeitig steigt aber auch der Wunsch nach Natur«, erklärt Rentner Werner Repke. Biogemüse aus dem Garten: Gerade in den vergangenen Jahren sei die Nachfrage nach ungespritzten Lebensmitteln gestiegen.

»Die Menschen wollen umweltbewusst leben«, meint der Kleingärtner. »Kauf dir mal ein Radieschen im Laden und probiere dann eins aus dem Garten. Du schmeckst den Unterschied«, pflichtet ihm ein Gartenfreund bei. Gleichzeitig bietet der eigene Garten den Betreibern einen Ausgleich zum stressigen Alltag. Werner Repke: »Das Beste am Kleingärtnern ist die Gemeinschaft.«

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