Bad Driburger Geschwisterpaar in Höxter angeklagt - Hehlerin muss ins Gefängnis Diebesgut von Flüchtlingen in Polen verkauft

Höxter / Bad Driburg (WB). Wegen gewerbsmäßiger Hehlerei in 29 Fällen ist jetzt ein Bad Driburger Geschwisterpaar vor dem Höxteraner Amtsgericht verurteilt worden. Aufgrund »eindeutiger krimineller Energien« der Schwester, so Richterin Christina Brüning, erhielt sie eine Freiheitsstrafe von zweieinhalb Jahren. Ihr Bruder kam mit einer zweijährigen Bewährungsstrafe davon.

Von Timo Gemmeke

Observation und Telefonüberwachung brachten den Ermittlern die entscheidenden Hinweise. Wer am Hörer nach »Scholli« und »Klingeln« fragt, sollte selten ins Visier der Polizei geraten, die sonst nur Slangwörter für Drogen, Waffen und Terror herausfiltert. In dieser Sicherheit wähnten sich auch die Bad Driburger Geschwister während eines ihrer Deals mit Hehlern aus Süddeutschland. Geklaute Kosmetik- und Drogeriewaren im Wert von einigen tausend Euro kauften die beiden vor den Augen und Ohren der zuständigen Polizeibeamten, um sie auf polnischen Märkten weiterzugeben. Was sie nach eigenen Angaben jedoch nicht wussten: Das Diebesgut stammte von Asylbewerbern aus Georgien.

Laut Staatsanwalt Frederick Meet hätten sich seit Beginn der Flüchtlingsbewegung mehrere solcher Banden gebildet, um in ganz Deutschland gestohlene Waren auf den Schwarzmarkt zu bringen: »Es gibt mittlerweile Gruppen, die sich auf das Klauen von Babybrei oder Instantkaffee spezialisiert haben. Dafür finden sie sogar häufig Abnehmer.«

Ähnlich skurrile Ware im Wert von rund 50 000 Euro häufte sich im Haus der Angeklagten, wie ein Polizeibeamter berichtete. »Jedes Zimmer war voll mit Kartons, Tüten und Einkaufsbeuteln. Wir haben bei der Hausdurchsuchung nicht nur Parfums gefunden, sondern auch Mengen an Zahnbürstenaufsätzen und Haftcremes.«

Den Kofferraum gefüllt mit ein paar dutzend Kartons, zog es die Angeklagten im März vergangenen Jahres nach Polen. »Da war ich damals immer und habe kleine Dekoartikel verkauft, die ich selbst gebastelt habe«, schilderte die 42-Jährige Frau auf der Anklagebank. Als danach ihre zweite Selbstständigkeit mit einem Lebensmittelladen scheiterte, sei sie im Jahr 2011 in Geldnot geraten. »Erst waren es ein paar tausend, dann immer mehr.« Während eines Besuches in Polen, habe man sie dann auf das lukrative Geschäft mit »wirklich günstigen Markenprodukten« angesprochen.

Dass die zwei Geschwister jedoch keinen dauerhaften Discount-Anbieter vor sich hatten, sondern Vertreter krimineller Diebesbanden, hätten sie nicht gewusst. Erst zum Schlussplädoyer melden sich beide: »Wir wussten nicht, dass wir damit etwas Verbotenes tun. Mit so einem Schaden hätten wir nicht gerechnet.« Wie groß der wirtschaftliche Schaden letztlich sein mag, konnten selbst Richterin Brüning und Staatsanwalt Meet nur mutmaßen. Durch die Einbeziehung krimineller Asylbewerber hätten beide Angeklagte jedoch einen kriminellen Kreislauf befeuert – Diebe auf der einen, Hehler auf der anderen Seite.

Da ihr Bruder lediglich als »Respektsperson« im Diebesmilieu dienen sollte, kam der 35-Jährige mit einer Bewährungsstrafe davon. Aufgrund »eindeutiger krimineller Energien« verurteilte das Amtsgericht die Frau zu zwei Jahren und sechs Monaten Haft.

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