In Brasilien trägt Stadt den Namen der berühmten Corveyer Linden Nicht nur in Corvey: Dreizehnlinden auch im Urwald

Höxter/Lüchtringen (WB). Wenn hunderte Gläubige am Sonntag im Verlauf der St.Vitus-Prozession in Corvey vor dem Kreuz von »Dreizehnlinden« zum Gebet innehalten, dann machen sie an einem Ort Halt, der seit 140 Jahren durch Friedrich-Wilhelm Webers Epos im deutschen Sprachraum aber auch in Südamerika ein Begriff ist.

Von Michael Robrecht
Rudolf Frigge mit Buch über das Brasilien-Dreizehnlinden.
Rudolf Frigge mit Buch über das Brasilien-Dreizehnlinden. Foto: Celine Niemann

Nur wenige wissen, dass es in Brasilien seit fast 85 Jahren eine Stadt Dreizehnlinden gibt, die bewusst nach der berühmten Baumgruppe mit Kreuz an der Weser benannt ist. Der Lüchtringer Rudolf Frigge (83) hat sich mit der weltweiten Verbreitung des Begriffs »Dreizehnlinden und Corvey« seit Jahren beschäftigt. Die südbrasilianische Gemeinde (auf Portugiesisch Treze Tílias) sei einst von Österreichern im Bundesstaat Santa Catarina gegründet worden. Die »Tiroler im Urwald« hätten sich bei der Einwanderung auf den Namen der Weser-Linden bei Corvey bezogen, die dem Weber-Bestseller ihren Namen gab.

Der Gründer von Dreizehnlinden war 1933 der aus der Wildschönau in Tirol stammende Andreas Thaler. Als ehemaliger Landwirtschaftsminister Österreichs (1925–1933) setzte er Auswanderungspläne um, da er wegen steigender Arbeitslosigkeit, eines Preissturzes für landwirtschaftliche Produkte, Tiroler Bauern eine gesicherte Existenz in Übersee ermöglichen wollte. 30 000 Tiroler wanderten damals nach Südamerika aus. Schon 1931 stellte er den Aufbau einer genossenschaftlich organisierten Siedlung katholischer Landwirte- und Handwerkerfamilien in einem Staat vor, in dem die Bewahrung traditioneller Werte und der Sprache nicht durch Assimilationsdruck gefährdet sei. Auswanderer Thaler hat deshalb den Namen Dreizehnlinden bewusst ausgesucht.

In Porto Alegre hatte er in einer Buchhandlung Webers weltbekanntes Werk wiederentdeckt, das er aus Jugendzeiten und der Schule kannte. Nach der Lektüre stand für ihn fest: Dreizehnlinden passt. Ihn faszinierte die Pionierleistung der Benediktinermönche, die im lange feindlichen Sachsen an der Weser als Siedler ein Kloster und Dörfer aufbauten, ähnlich der Tiroler in Brasilien, die sich auch als Pioniere des Christentums sahen. »Für die Siedler von Dreizehnlinden und ihren christlichen Ansatz gab es keinen besseren Namen«, sagte Rudolf Frigge. Und wenn man sich die Kirche von Dreizehnlinden mit der Doppelturmfassade genauer anschaut, dann sind gewisse bauliche Anklänge an das alte Corvey durchaus festzustellen. Die Wohnhäuser wurden im Tiroler Bergbauernstil gehalten.

Dreizehnlinden weltweit

Dreizehnlinden in Tirol : In Oberau/Tirol gibt es eine Dreizehnlinden-Allee, ein Dreizehnlinden-Kreuz und eine Dreizehnlinden-Stube im Bergbauern-Museum.

Dreizehn-Linden-Wappen: Das Wappen des ehemaligen Amtes Höxter-Land enthält 13 Lindenblätter in Anspielung auf das Epos von Weber.

Dreizehnlinden-Klinik: Die Vital-Kliniken GmbH – Klinik Dreizehnlinden – liegt in Bad Driburg. Der Klinikname ist bundesweit bekannt.

Museen : Das Friedrich-Wilhelm-Weber-Museum in Alhausen und die Weber-Gedenkstätte im Weber-Haus in Nieheim haben viele Bezüge zu Dreizehnlinden.

Baumgruppe mit Kreuz: Abt Caspar von Boeselager hat 1750 das Corveyer Prozessionskreuz gestiftet. Das barocke Kreuz besteht wie der Altartisch aus rotem Wesersandstein. Auffallend ist, dass Jesus’ rechtes Auge geschlossen und das linke geöffnet ist. Bildhauer war Johannes Pollmann aus Marsberg. Nach dem Epos des aus dem Kreis stammenden Dichters Friedrich Wilhelm Weber soll sich an Dreizehnlinden bei Corvey ein Mord zugetragen haben.

Hotel: In Corvey gegenüber des Brückenportals befindet sich das ehemalige Gasthaus, Hotel, Casino und Weinhandelshaus Dreizehnlinden, das seit vielen Jahren leer steht.

Alte Linden: Die drei verbliebenen betagten Linden sind die letzten jener Dreizehnlinden aus Webers Werk. Die Bäume liegen am Ende einer Platanenallee hinter dem Kloster. Die Bäume erhalten durch Eisenringe stabilen Halt. Bei der Vitus-Prozession steht hier ein Altar.

Fotostrecke

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.