Bruchhausens Brückenproblem: Verkehr durch Feldmark zur Nethe-Brücke Ottbergen? Grünes Licht vom Kreis für Umleitung

Bruchhausen/Ottbergen (WB). Das Schreckgespenst ist weiter quicklebendig: Bruchhausen könnte während des geplanten Brückenneubaus eineinhalb Jahre von der Außenwelt abgeschnitten sein. Damit es dazu nicht kommt, gab es im Ortsausschuss neue vielversprechende Aussagen.

Von Michael Robrecht
Die Gemeinde Ottbergen hat diese Kalksteinbrücke über die Nethe 1710 gebaut. Sie hat eine Holzkonstruktion ersetzt. Die Brücke ist durch Hochwasser 1841 und 1907 beschädigt und saniert worden, letzte Renovierung war 2010.
Die Gemeinde Ottbergen hat diese Kalksteinbrücke über die Nethe 1710 gebaut. Sie hat eine Holzkonstruktion ersetzt. Die Brücke ist durch Hochwasser 1841 und 1907 beschädigt und saniert worden, letzte Renovierung war 2010.

Dr. Kathrin Weiß vom Kreis Höxter, Leiterin der Abteilung Umweltschutz und Abfallwirtschaft, erfreute Zuhörer und Politiker bei der Ausschusssitzung im Dorfgemeinschaftshaus mit diesem Satz: Ja, der Kreis werde die Errichtung einer provisorischen Ausweichstrecke über die Straße Im Springe bis zur alten Ottberger Nethebrücke unterstützen. Eine Ausnahmegenehmigung während der Bauzeit der neuen Nethebrücke in Bruchhausen für eine Umleitung über die Feldwege zur Brücke sei möglich. Eigentlich sei Bauen im FFH-Gebiet verboten, aber hier liege ein für eine Befreiung gefordertes öffentliches Interesse vor, sagte Dr. Weiß.

Auch mit den wasserrechtlichen Belangen kommt der Kreis klar, so die pragmatische Aussage von Weiß, wofür es Applaus in der Sitzung gab. Der Kreis Höxter sei die erste Behörde, die Bruchhausen helfen wolle und eine Per-spektive aufzeige, wie man nicht abgehängt werde, sagte Diethelm Breker (CDU). Lob kam auch vom Ortsausschussvorsitzenden Günter Wittmann, der einen SPD-Initiativantrag an Straßen NRW für eine provisorische Umleitung über die Nethebrücke – den der Ausschuss inhaltlich einstimmig voll übernahm – einbrachte.

Knackpunkt bei aller »Euphorie«: Die Bruchhäuser hängen weiter in der Luft, ob es eine – von Straßen NRW bisher abgelehnte– Behelfsbrücke doch noch geben kann oder ob der Landesbetrieb sich für die Umleitung nach Ottbergen durch die Feldflur auf neu zu befestigenden Feldwegen bis zur Nethebrücke von 1710 erwärmen könnte. Im Ortsausschuss hieß es: Aus dem NRW-Verkehrsministerium gibt es noch keine Entscheidung. Die Fachaufsichtsbeschwerde läuft weiter.

Bürgermeister Alexander Fischer will die Statik der 2010 sanierten Bruchstein-Nethebrücke von Ottbergen prüfen lassen; Eine Belastbarkeit für eineinhalb Jahre sei ein Thema, denn zurzeit sei das Brückenbauwerk nur für landwirtschaftliche Fahrzeuge frei gegeben. Zu hören war auch, dass viele Bewohner der Ottberger Nethestraße, die von der Brücke zur B 64 – an der Kirche vorbei – führt, von geschätzten 2000 Fahrzeugen wenig begeistert sind. Rechtsamtsleiter Stefan Fellmann (Stadt Höxter) stellte klar, dass die Stadt Höxter nicht die Verkehrssicherungspflicht für die mehrere hundert Meter lange Umleitungsstrecke übernehme. Auch stelle sich Straßen NRW die Frage, ob die Kosten einer Notbrücke im Verhältnis zum Brückenneubau zumutbar und vertretbar sei, so Fellmann. Die Stadt will sich laut Bürgermeister für die Erreichbarkeit Bruchhausens einsetzen.

Kritik kam von Diethelm Breker (CDU): Die Stadt Höxter habe schon 2016 von der Ablehnung der Behelfsbrücke durch Straßen NRW gewusst und die Bürger erst im Januar 2017, die Gremien im April 2017, offiziell davon erfahren. Bürgermeister Fischer verwies darauf, dass es sich um ein Bauprojekt des Landes handele, worüber NRW hätte rechtzeitig informieren müssen. Man habe das Straßen NRW gesagt.

Rettungsdienst ist rechtzeitig im Ort

Bruchhausen sei für den Rettungsdienst in den vorgeschriebenen zwölf Minuten erreichbar. Jürgen Ditter, Leiter der Abteilung Bevölkerungsschutz des Kreises Höxter, stellte im Ortsaussschuss auch klar, dass ein Notarzt im Regelfall nur zwei oder drei Minuten nach dem RTW beim Patienten sei. Der Kreis habe etliche Testfahrten unternommen, um zu sehen, wie schnell das erste Rettungsfahrzeug am Schadensort eintreffe. Zwischen neun und elf Minuten habe der Wagen aus Beverungen über Roggenthal und das Drenker Kreuz bis Bruchhausen gebraucht, so Ditter. Gesetzlich vorgeschriebene Zeiten, wie lange man zum nächsten Krankenhaus in Höxter oder Brakel brauche, gebe es nicht. Das hänge aber immer auch vom jeweiligen Fall ab. Unwägbarkeiten, wie einen veränderten Straßenverlauf, gebe es immer, das würde aber berücksichtigt. Im Notfall werde auch ein Hubschrauber in Bruchhausen eingesetzt. In Beverungen stehen zwei Rettungstransportwagen bereit.

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