Neubau Nethebrücke in Höxter: Bürger kündigen weitere Maßnahmen an Bruchhäuser drohen mit Klage

Höxter (WB). Die Bürgerinitiative Nethebrücke lässt nicht locker, im Gegenteil, sie verfolgt ein klares Ziel: Legt der Landesbetrieb Straßen NRW bei einem gemeinsamen Treffen Anfang Mai keine neuen Pläne bezüglich einer Behelfsbrücke für Autofahrer und des Hochwasserschutzes auf den Tisch, wollen sie gemeinsam vor Gericht ziehen.

Von Isabell Waschkies
Die Nethebrücke im Herzen Bruchhausens soll für 1,7 Millionen Euro abgerissen und neu gebaut werden.
Die Nethebrücke im Herzen Bruchhausens soll für 1,7 Millionen Euro abgerissen und neu gebaut werden. Foto: Timo Gemmeke

Der Zusammenhalt unter den Bruchhäusern ist auch an diesem Abend wieder deutlich spürbar  (das letzte Treffen fand am 3. April statt) . »Das ziehen wir durch«, ruft ein Bürger aus der Menge der knapp 180 Anwesenden. Denn für Gerichts- und Anwaltskosten von vermutlich 4000 Euro wollen sie gemeinsam aufkommen. Mit einer Klage gegen Straßen NRW möchten sie den Brückenbau verzögern, um mehr Zeit zu gewinnen. »Wir werden jede Lücke zum Angreifen nutzen«, sagt Burkhard Schmitz, Kopf der Bürgerinitiative. Weil sie nicht als Gruppe klagen können, muss sich dafür ein Bruchhäuser bereit erklären.

Die Höhe der Brücke bereitet Sorgen

 Ende März protestierten etwa 500 Bruchhäuser gegen das Projekt Neubau der Nethebrücke. Die marode Nethebrücke soll abgerissen und für 1,7 Millionen Euro innerhalb von anderthalb Jahren neu gebaut werden (wir berichteten mehrfach). Als Übergangslösung ist nach jetzigem Stand eine in knapp 300 Meter Entfernung gelegene Brücke für Fußgänger geplant. Für Autofahrer in Richtung Ottbergen würde das einen Umweg über Drenke und Amelunxen von knapp 15 Kilometern bedeuten – und das wollen sich die Bruchhäuser nicht gefallen lassen. Auch die Höhe der neuen Brücke, die rund anderthalb Meter über der alten liegt, macht ihnen Sorgen. Einige Bürger haben Angst vor gefluteten Kellern und Seenlandschaften auf den Wiesen. Zu diesem Thema gibt es in der kommenden Woche ein Gespräch mit Straßen NRW.

Initiative erhält Akteneinsicht

»Es ist bedauerlich, dass wir uns für unseren Wunsch einer Behelfsbrücke so sehr rechtfertigen müssen«, sagt Schmitz. Vor knapp drei Wochen erhielten er und andere Beteiligte sowohl beim Kreis als auch bei der Stadt Höxter Akteneinsicht zu diesem Bauprojekt. Bekannt sei es bereits seit 2015. »Dort steht ebenfalls, dass auf die zahlreichen Tiere Rücksicht genommen werden muss. Aber auf den Menschen offensichtlich nicht«, kritisiert auch Günter Heinemann von der Bürgerinitiative. Brütet beispielsweise der Eisvogel, so müssten die Bauarbeiten laut Heinemann für diese Zeit eingestellt werden.

Versorgung durch Rettungsdienst fraglich

Auch die möglicherweise eingeschränkte Versorgung durch den Rettungsdienst beschäftigt die Bürger. Einspringen soll in der Zeit die Rettungswache Beverungen. »In einem Notfall schaffen sie es nicht, innerhalb von 15 Minuten vor Ort zu sein«, sagt Günter Heinemann, »das ist das Todesurteil für diejenigen, die dringend Hilfe benötigen.« Der Notarzt aus Brakel oder Höxter werde ebenfalls durch die Sperrung der Brücke für Autofahrer eingeschränkt. »Dieser Punkt ist angreifbar und macht uns Hoffnung«, sagt Heinemann. Trotzdem macht auch Burkhard Schmitz erneut deutlich, dass die Bürger auch Kompromisse eingehen müssten.

Kritik an Bürgermeister Fischer

Kritisiert wurde an diesem Abend auch Bürgermeister Alexander Fischer (SPD). Ein Termin der Bürgerinitiative mit dem Bürgermeister, der Unteren Wasserbehörde und dem Bundestagsabgeordneten Christian Haase (CDU) in der vergangenen Woche sei kurzzeitig gekippt worden. Fischer habe Schmitz zufolge wegen Urlaub abgesagt. »Einen Tag vor dem geplanten Termin hat er sich mit Ministerpräsidentin Kraft und einen Tag danach auf einem Spielplatz fotografieren lassen. Das mag jeder für sich beurteilen«, sagt Schmitz.

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