Heike von Broock stellt Höxteraner Verein »Welcome« in Berlin vor – Flüchtling malt für Angela Merkel Ein Bild für die Kanzlerin

Höxter (WB). Beim Flüchtlingshilfe-Verein »Welcome« in Höxter ist ein Einladungsschreiben aus dem Berliner Bundeskanzleramt im Briefkasten gelandet: Kanzlerin Angela Merkel höchstpersönlich lädt Vorsitzende Heike von Broock zu einer Podiumsdiskussion mit Ehrenamtlichen aus der Flüchtlingshilfe in die Hauptstadt ein.

Von Michael Robrecht
Ein 80 mal 100 Zentimeter großes Gemälde des Künstlers Nashwan Naif Salim möchte Heike von Broock von Angela Merkel höchstpersönlich überreichen. Mit diesem Werk will der Flüchtling der Kanzlerin, die mit diesem Portrait ein Teil des Gemäldes ist, ein kleines Denkmal setzen.
Ein 80 mal 100 Zentimeter großes Gemälde des Künstlers Nashwan Naif Salim möchte Heike von Broock von Angela Merkel höchstpersönlich überreichen. Mit diesem Werk will der Flüchtling der Kanzlerin, die mit diesem Portrait ein Teil des Gemäldes ist, ein kleines Denkmal setzen. Foto: Michael Robrecht

»Das ist eine besondere Ehre für uns als kleinen Verein und eine Wertschätzung unserer Arbeit«, freut sich die Welcome-Chefin auf die Berlin-Reise. Am Freitag, 7. April, von 11.30 bis 15 Uhr wird sie mit weiteren Aktiven von Angela Merkel empfangen.

Neben Willkommensimbiss, Gruppenfoto mit Regierungschefin und Reden gibt es im Kanzleramt eine Podiumsdiskussion mit der Kanzlerin, die sogar live im Internet übertragen wird. Und mitten drin ist Heike von Broock, die von ihrer Arbeit mit hunderten Asylbewerbern in Höxter berichtet.

Bild als Gastgeschenk

Die Höxteranerin, die neben dem Flüchtlingscafé auch viele Aktionen für Flüchtlinge managt, möchte bei ihrem Besuch Angela Merkel ein besonderes Gastgeschenk überreichen: Ein Bild des aus Mossul/Irak vor dem Islamischen Staat geflüchteten Künstlers Nashwan Naif Salim (56). Das Gemälde mit dem Titel »Refugees« zeigt zwei die Freiheit symbolisierende Pferde, Flüchtlinge und unten rechts ein weibliches Wesen, das weltbekannt ist: die Kanzlerin im blauen Blazer.

»Ich habe das Werk weit vor dem Berlin-Termin von Heike von Broock im Sommer 2016 in Höxter gemalt und wollte ein Stück meines Lebens darstellen und zugleich jener Frau ein kleines Denkmal setzen, die durch ihr ›Wir schaffen das‹ und die Grenzöffnung Geflüchteten Hoffnung gemacht hat«, berichtet Maler Nashwan Naif Salim.

Heike von Broock schildert, dass sie den Kanzleramtsmitarbeitern bei einem Vorabgespräch von dem schönen 80 mal 100 Zentimeter großen Nashwan-Gemälde im Flüchtlingscafe berichtet habe; die hätten sofort darum gebeten, das Bild vorab ins Kanzleramt zu schicken, damit es Angela Merkel beim Flüchtlings-Podium überreicht werden könne.

Kanzlerin kommt auch nach Beverungen

Das ist genau im Sinne des Künstlers: »Ich hätte nie gedacht, dass die Kanzlerin mein Bild einmal selbst in Augenschein nehmen könne«, meint Nashwan stolz. Das Bild dürfte inzwischen mit einem vom Künstler verfassten erklärenden Brief an die Kanzlerin an der Spree sein.

Nashwan Naif Salim will auch am 27. April nach Beverungen zur CDU-Kundgebung fahren, um die Bundeskanzlerin vor der Stadthalle persönlich zu sehen.

Verschoben wegen Trump

Heike von Broock mit Künstler Nashwan im Welcome-Cafe. Foto: M. Robrecht

Der Ehrenamtstag im Kanzleramt war eigentlich für den 17. März geplant. Die Verschiebung des Besuchs von Merkel bei US-Präsident Donald Trump hatte dazu geführt, dass die Flüchtlingskonferenz auf den 7. April verschoben wurde. Angela Merkel habe allen Eingeladenen sogar einen persönlich unterzeichneten Entschuldigungsbrief mit neuer Einladung zu kommen lassen. Ihr sei der Austausch mit den in der Flüchtlingshilfe aktiven Bürger sehr wichtig, sie wolle aus erster Hand hören, wie die Versorgung von Flüchtlingen, die Unterstützung bei alltäglichen Dingen und beim Erlernen der deutschen Sprache funktioniere.

Das Programm am Freitag sieht um 11.30 Uhr einen Willkommensimbiss, um 13 Uhr eine Begrüßung durch Kanzleramtsminister Peter Altmaier und dann einen 70-minütige Gesprächsrunde mit Kanzlerin und Experten vor. Die Moderation übernimmt Jaafar Abdul Karim (Deutsche Welle). Um 15 Uhr wird ein Gruppenfoto gemacht, wo sonst nur Staatsgäste stehen.

Höxters sichere Lage

Heike von Broock und ihr Team haben überall im Welcome-Treffpunkt Bilder von Nashwan Naif Sali aufgehängt. Der Iraker, der als Künstler in der IS-Hochburg Mossul verfolgt wurde, schätzt Höxter wegen seiner sicheren Lage. Ob sein Asylantrag durchkomme, das wisse der studierte Grafikdesigner nicht. Er zeigt seine Gemälde allen Welcome-Besuchern. Viele Flüchtlinge schauen zurzeit nach Mossul, wo bei Kämpfen die letzten IS-Kämpfer aus der Stadt vertrieben werden sollen.

Welcome-Vorsitzende von Broock berichtet, dass nach dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise Ende 2015, wo bis zu 100 ehrenamtliche Helfer bei Welcome mitmachten, jetzt nur noch um die 30 Helfer geblieben seien. Viele, darunter auch ehemalige Lehrer, würden Deutschunterricht erteilen. Neue helfende Hände seien aber sehr willkommen, zumal die Zahl der zu betreuenden Geflüchteten nicht abnehme. Auch bei den Spenden bemerke sie viel mehr Zurückhaltung als 2016. Infos über Welcomes gibt es im Internet unter www.welcome-hoexter.de. Die Flüchtlingsveranstaltung mit Heike von Broock im Kanzleramt wird unter www.bundesregierung.de live am Freitag, 7. April, von 13.10 Uhr an übertragen.

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