Angebliche Vergewaltigung: 22-Jähriger freigesprochen Das Opfer, das keines war

Höxter (upf). Schmächtige Statur, ängstlicher Blick: Der 22-jährige Höxteraner auf der Anklagebank wirkt nicht unbedingt wie ein Sexgangster. Ist er auch nicht: Das Landgericht Paderborn hat ihn freigesprochen – wegen erwiesener Unschuld.

Symbolfoto: Der 22-jährige Mann war nach der Tat vorübergehend festgenommen worden.
Symbolfoto: Der 22-jährige Mann war nach der Tat vorübergehend festgenommen worden. Foto: Ingo Schmitz

Dem jungen, geistig leicht behinderten Mann war vorgeworfen worden, in der Tiefgarage am Stadthaus eine 41-jährige Frau vergewaltigt haben. Das bestritt der 22-Jährige vor Gericht. Er habe dort mit Bekannten Bier getrunken, schließlich seien er und die Frau alleine zurück geblieben. Ja, es habe Geschlechtsverkehr gegeben. Er habe aber die 41-Jährige weder festgehalten noch sonst mit Gewalt bedrängt. »Ich wollte das eigentlich gar nicht«, sagte er. »Ich hatte Angst vor ihr«, sagte der 22-Jährige dem Vorsitzenden Richter Bernd Emminghaus.

Angeblicher Täter war Frau körperlich unterlegen

Die Aussage des mutmaßlichen Opfers aber ließ dann die angebliche Vergewaltigung in ganz neuem Licht erscheinen. Zunächst blieb die 41-jährige alleinerziehende Mutter bei ihrer Darstellung, der 22-Jährige habe Gewalt angewendet. Möglicherweise, betonte die Frau, habe er ihre Ablehnung nicht verstanden, weil er behindert sei und alkoholisiert war.

Verteidiger Franz Stemmer verwies darauf, dass der Angeklagte der Frau körperlich unterlegen sei. Sie selbst hatte den jungen Mann als »Gartenzwerg« bezeichnet. Der Verteidiger machte deutlich, dass es seinem Mandanten unmöglich gewesen sei, sich an der Frau gegen ihren Willen zu vergehen. Die 41-Jährige räumte schließlich ein, dass der Sex einvernehmlich erfolgt sei.

Verfahren wegen falscher Verdächtigung und Freiheitsberaubung

Das Urteil lautete auf Freispruch. Für die 41-Jährige aber hat die Sache ein Nachspiel. »Wirklichen Opfern machen Sie die Glaubwürdigkeit kaputt«, warf Staatsanwältin Nicole Feischen der Frau vor, gegen die sie nun ein Verfahren wegen falscher Verdächtigung und Freiheitsberaubung einleiten wird. Der 22-Jährige war wegen ihrer Anzeige für eine Nacht festgenommen und verhört worden. Das Gericht sprach ihm eine Entschädigung zu, während die 41-Jährige die Kosten ihrer Nebenklage selbst tragen muss. Sie hatte 15 000 Euro Schmerzensgeld haben wollen.

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