Angehende Landschaftsarchitekten setzen bei Kontaktaufnahme mit Bürgern auf provokante Thesen Lebensart: »Student versus Einwohner«

Höxter (WB). Wie stellt sich ein Student das Leben der Menschen vor, die in seiner Uni-Stadt leben? Und was halten die Bürger selbst von den jungen Leuten? Angehende Landschaftsarchitekten haben jetzt in Höxter einen ganz ungewöhnlichen Weg der Kontaktaufnahme gesucht.

Von Harald Iding
Die Studenten Daniel (von links), Luis, Chris und Fabian  von der Hochschule Ostwestfalen-Lippe sind in Höxter auf die Straße gegangen, um mit ihren provokanten Thesen die Bürger zum Dialog zu bewegen.
Die Studenten Daniel (von links), Luis, Chris und Fabian von der Hochschule Ostwestfalen-Lippe sind in Höxter auf die Straße gegangen, um mit ihren provokanten Thesen die Bürger zum Dialog zu bewegen. Foto: Harald Iding

Es ist Marktzeit in der Kreisstadt Höxter. Die Menschen trinken eine Tasse Kaffee, plaudern, treffen Bekannte und kaufen ein. Mittendrin stehen plötzlich vier junge Männer, alle im Alter von etwa 22 Jahren. Zwei von ihnen tragen große, selbst entworfene Schilder vor ihrem Körper - mit recht provokanten Thesen. »Machen Sie hier eigentlich Werbung für irgendwas«, fragt eine Passantin von weitem freundlich. Einer der Studenten lächelt gleich zurück und sagt: »Ja, in gewisser Weise. Wir suchen das Gespräch mit Ihnen, den Bürgern - aber auf unsere Art.«

»Muttis ganzer Stolz«

Was er damit gemeint hat wird deutlich, je näher man den Schildern und den Textblöcken kommt. Dort ist auf der einen Seite von dem »Homo sapiens Studentiensis« und auf der anderen Seite von dem »Homo sapiens Höxteraniensis« im Vergleich zu lesen. Die Thesen machen neugierig und irgendwie Lust zum Lesen. Schnell kommt man mit den jungen Herren ins Gespräch. So heißt es auf der Seite der Studentin/des Studenten in der Rubrik »Wissenswertes« zum Beispiel: Studentinnen/Studenten erwachen niemals vor 10 Uhr aus ihrem Schlaf. Sie neigen zum Vegetarismus/Veganismus. In der letzten Woche vor den Prüfungen erblicken Studenten/Studentinnen prinzipiell nie das Tageslicht. Der Student/die Studentin ist arbeitslos und Muttis ganzer Stolz.

Dem gegenüber wird der typische Höxteraner Bürger unter anderem wie folgt beschrieben: Der »Homo sapiens Höxteraniensis« sucht sich seine Fortpflanzungspartner innerhalb seiner Gemeinde. Allem Anschein nach ist seine Attraktivität im Laufe der Evolution verloren gegangen.

»Pflanzenfresser«

Im Gegensatz zum Studenten (Pflanzenfresser) sei der »Homo sapiens« (lateinische Bezeichnung für Mensch) von der Weser eher ein »Fleischfresser« beziehungsweise »Allesfresser«. Als »natürlicher Feind« wird er selbst genannt.

Und es kommt noch schlimmer: Während der Student/die Studentin beim Sozialverhalten als »in jeder Hinsicht übermäßig engagiert« eingestuft wird, erhält der Höxteraner Bürger pauschal die Note Ungenügend, sprich »Ungesellig«.

»Das stimmt doch gar nicht«, reagiert ein Mitte Fünfziger »Homo sapiens« aus Höxter und hebt überrascht die Augenbrauen. Das seien doch nur alles Vorurteile.

Gemeinsame Veranstaltungen

Richtig. Und genau hier setzt die Aktion der Studenten im 4. Semester an. Daniel, Luis, Chris und Fabian von der Hochschule Ostwestfalen-Lippe finden nämlich, dass man sich eigentlich überhaupt gar nicht richtig kennt und sie mit dieser Schilder-Provokation eigentlich darauf aufmerksam machen wollten, eine gemeinsame Plattform der Kommunikation zu finden.  »Wir sind die, die dort oben auf dem Berg zur Uni gehen. Und hier unten in der Stadt, da leben die anderen. Das ist eben nicht so im Alltag. Wir wünschen uns vielmehr einen größeren Austausch und zum Beispiel Angebote im sozialen Bereich. Gemeinsame sportliche Veranstaltungen und auch Musikevents wären richtig gut – und ein Anfang zum Kennenlernen!«

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.