Nicht angekündigte Bauarbeiten: Aufregung um Aktion der BfH – Strafanzeige droht Ratsherrn klettern über Freibadzaun

Höxter (WB). Warum erneuern Bauhofmitarbeiter einige Tage bevor ein Göttinger Gutachter anreist diverse Freibadleitungen und niemand außerhalb des Stadthauses weiß davon? Die BfH sah »Gefahr im Verzug«. Mitglieder sind mit Leitern über den Zaun auf das Freibadgelände geklettert, um die »verdächtigen Arbeiten« zu dokumentieren.

Von Michael Robrecht
»Illegaler Grenzübertritt« bei einbrechender Dunkelheit: Am späteren Dienstagabend haben Höxters BfH-Ratsherren Hermann Loges und Siegfried König sowie Uli Drüke, Claudia Mickler und Maresa Buch mit Leitern den Freibadzaun überwunden und die ihnen verdächtigen Bauarbeiten am Beckenrand und auf dem Gelände des Bades eifrig dokumentiert.
»Illegaler Grenzübertritt« bei einbrechender Dunkelheit: Am späteren Dienstagabend haben Höxters BfH-Ratsherren Hermann Loges und Siegfried König sowie Uli Drüke, Claudia Mickler und Maresa Buch mit Leitern den Freibadzaun überwunden und die ihnen verdächtigen Bauarbeiten am Beckenrand und auf dem Gelände des Bades eifrig dokumentiert. Foto: Michael Robrecht

Skandal oder Sturm im Wasserglas? Bürgermeister Alexander Fischer zeigt sich empört über die Zaunaktion der BfH. Was war passiert? Die BfH-Ratsherren Hermann Loges und Siegfried König sowie Sympathisanten der »Bürger für Höxter (BfH) befürchteten, der Bauhof würde kurz vor Beginn der Begutachtung »Leitungen manipulieren«, »Beweismittel beseitigen« oder »Rohre frei machen«, damit der Gutachter keine Lecks mehr findet.

Das formulierte Misstrauen der Ratsherren bei einem Pressegespräch am Dienstag um 22.15 Uhr auf dem Radweg vor dem Freibad könnte größer nicht sein. Dass ihr nicht gestattetes Eindringen auf das Freibadareal den Tatbestand des Hausfriedensbruchs erfüllte, nahmen die Politiker mit Blick auf die Brisanz der monatelangen Debatte um den Wasserverlust im Freibad in Kauf.

Viel Merkwürdiges erlebt

In Sachen Freibad und Hallenbad habe man schon so viel Merkwürdiges in Höxter erlebt, dass das Vertrauen in die Stadt fehle und man lieber selbst nachsehen wolle, was kurz vor dem Gutachterbesuch der Bauhof überraschend »repariert«, so die BfH-Politiker.

Der Fahrradparkplatz vor Höxters Freibad verwildert jede Woche mehr. Foto: Michael Robrecht

»Wir waren erst am Montag beim Bürgermeister. Der hat kein Wort über die Arbeiten gesagt. Genau eine solche mangelnde Transparenz bringt uns auf die Palme«, schimpften die Ratsherrn König und Loges. Bei der Sensibilität des Themas und mit Blick auf die Verzögerung des Beginns der Gutachteruntersuchung müsse man erwarten könne, dass die Stadt »einen Laut von sich gibt«.

»Wir sind direkt nach dem Fußballspiel Deutschland-Nordirland zum Freibad gefahren und haben dort die sichtbaren Hinterlassenschaften der Bauhof-Mitarbeiter fotografiert. »Es wird plötzlich im Freibad Wasser in die Weser abgepumpt. Wir haben von dem Brunnenschacht auch Videoaufnahmen mit Ton unterlegt gemacht und auf Facebook veröffentlicht«, schildert Siegfried König. Es seien an fünf Baustellen defekte Rohrleitungen erneuert worden. In den sozialen Netzwerken schlugen die Spekulationen hohe Wellen.

Stadt und BfH hatten keinen Kontakt

Hermann Loges und seine Mitstreiter verstehen nicht, warum man die BfH als Initiator und Urheber der neuen Freibad-Untersuchungen nicht kurz über die Bauhof-Aktivitäten informiert hat. So hätte man alle Missverständnisse vermeiden können, dass die Bauarbeiten zum Teil abgesprochen gewesen seien. Uli Drüke (BfH) hörte erst am Mittwochmorgen vom Gutachter Nikodem Buczynski aus Göttingen auf Nachfrage, dass orangefarbenen KG-Rohre des Überlaufes der Becken auf seine Veranlassung hin zur Vorbereitung der Leckageuntersuchung »repariert« worden seien.

Die Arbeiten an dem Zementrohr vor dem Technikgebäude und die in dem Brunnenschaft sicht- und hörbare Pumpmaßnahme waren dem Mann aber nicht bekannt. Stadt und BfH hatten keinen Kontakt. Wenn der Gutachter jetzt komme, will die BfH dabei sein. Das habe die Stadt fest zugesagt.

Bürgermeister Fischer kritisiert BfH-Ratsherren

Bürgermeister Alexander Fischer (SPD) kritisierte die BfH-Ratsherrn: » Mir ist völlig unverständlich, dass Ratsmitglieder, die jederzeit nach Absprache die Möglichkeit haben, das Freibadgelände zu betreten, sich zu solchen Aktionen hinreißen lassen. Solch ein Vorgehen kann nicht geduldet werden und widerspricht allen demokratischen Umgangsformen. Ob wegen des widerrechtlichen Eindringens von mehreren Personen Strafantrag erstattet wird, lasse ich derzeit prüfen.«

Fischer berichtete zudem von  Vorgesprächen mit der Firma Buczynski Ortungstechnik in Göttingen zur Vorabstimmung der Untersuchung. Dazu seien alle relevanten Dokumente und Unterlagen übergeben worden. Zur Überprüfung der Untersuchung der Beckendichtigkeit seien vorbereitende Arbeiten notwendig gewesen. Fischer: »Es handelt sich um Maßnahmen, die mit der Firma abgestimmt waren – wie die geforderte Schließung der Überlaufleitung. Hierzu war der Einsatz eines Minibaggers zur besseren Freilegung des Baufeldes erforderlich.« Die Leitung sei dann nach Untersuchung durch ein Fernauge nicht verschlossen worden, da weitere Entscheidungen in der Freibadfrage abgewartet werden sollten.

Nach Eingang der Genehmigung der Unteren Wasserbehörde zur Einleitung in die Weser am 21. Juni sei mit der Beckenentleerung sofort begonnen worden. Bürgermeister Fischer sagte zu, dass die Gutachteruntersuchung von allen Bürgern auf dem Freibadgelände beobachtet werden könne. Transparenz sei versprochen worden, er stehe dazu.

Freibad Höxter könnte Denkmal werden

Die Denkmalpfleger des Landschaftsverbandes in Münster haben mit der Prüfung einer Eintragung des 1936 gebauten Freibades Höxter in die Denkmalliste begonnen. Ein Ortstermin hat stattgefunden.  Auslöser war ein WESTFALEN-BLATT-Bericht vom 19. April, in dem über den bedeutenden Freibad-Architekten Otto Immendorff berichtet wurde. Die Stadt schließt eine Eintragung des Freibades inzwischen nicht mehr aus.

Lesen Sie mehr am Donnerstag, 23. Juni, im WESTFALEN-BLATT, Ausgabe Höxter.

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