Mordprozess in Dortmund: Angeklagter soll über 21 Jahre sein Alter hat Auswirkung auf Strafmaß

Höxter/Dortmund (WB). Mit einem Mord an Weihnachten 2014 befasst sich seit Sommer 2015 das Landgericht in Dortmund. Angeklagt ist ein junger Asylbewerber, der zum Zeitpunkt der Tat in Höxter untergebracht war.

Von Ingo Schmitz
Die Festnahme des Tatverdächtigen ist in Höxter erfolgt.
Die Festnahme des Tatverdächtigen ist in Höxter erfolgt. Foto: Ingo Schmitz

Ein Wissenschaftler hat das Alter des Angeklagten bestimmt. Das Gutachten sagt aus, dass der Asylbewerber zum Tatzeitpunkt bereits älter als 21 Jahre war. Der Angeklagte selbst hatte angegeben, erst 19 Jahre alt gewesen zu sein.

An Heiligabend 2014 sollen sich das 43-jährige Opfer und der mutmaßliche Täter in Dortmund kennen gelernt haben. Zeugen sagten im Prozess inzwischen aus, dass sie die beiden Männer gemeinsam im Nacht-Bus gesehen hätten. Das berichtete ein Gerichtssprecher auf WESTFALEN-BLATT-Anfrage.

Außerdem wurden in der Wohnung des Mannes, dessen Leiche einen Tag nach der Tat entdeckt wurde, Spuren gefunden, die zum Asylbewerber führten. In Höxter kam es damals zur Festnahme. Der Asylbewerber soll den 43-Jährigen erdrosselt haben, heißt es in der Anklageschrift.

Alter hat Auswirkungen auf Strafmaß

Der Beschuldigte selbst schweigt nach wie vor zu den Vorwürfen, wie der Sprecher des Landgerichts berichtet. Dass sich der Prozess nun schon seit etlichen Monaten hinziehe, habe damit zu tun, dass es unterschiedliche Ansichten zum Alter des Angeklagten gebe. Dieser selbst behaupte, an Weihnachten 2014 erst 19 Jahre alt gewesen zu sein. Sollte diese Angabe stimmen, hätte dies bei einer Verurteilung maßgebliche Auswirkungen auf das Strafmaß. Denn: Der Beschuldigte dürfte dann nicht nach Erwachsenen-Strafrecht verurteilt werden.

Daher hatte das Dortmunder Landgericht einen Sachverständigen eingeschaltet, der das Alter des Angeklagten bestimmen sollte. Es handelt sich bei dem Gutachter um Professor Andreas Schmeling. Er ist ein weltweit anerkannter Experte, der den Angeklagten intensiv untersucht hat. Der Asylbewerber wurde demnach geröntgt und vermessen. Außerdem veranlasste der Experte eine Untersuchung per Computertomograf. Dabei ging es vor allem um die Schlüsselbeine, die in den Fokus genommen wurden. Das Ergebnis des Wissenschaftlers, der nach eigenen Angaben schon 1000 Fälle bestimmt hat, lautet: Der Asylbewerber sei mindestens 21,6 Jahre alt gewesen, als er untersucht wurde. Dies geschah einen Monat nach dem Mord.

Übersetzung von Urkunden des Angeklagten steht aus

Dennoch ist zum jetzigen Zeitpunkt unklar, wie das Gericht das Ergebnis bei der Urteilsfindung berücksichtigen wird, stellte der Sprecher klar. Aktuell geht es im Prozess um Urkunden und ein Fax, die der Angeklagte vorgelegt haben soll. Diese müssten übersetzt und auf ihren Inhalt überprüft werden. Noch bis Juni sind weitere Verhandlungstermine angesetzt worden. Ob es dann zu einem Urteil kommen wird, ist nach jetzigem Verfahrensstand noch offen, heißt es beim Landgericht.