Alt-Bürgermeister Prof. Heinrich Rosenbaum gestorben – CDU-Landtagsabgeordneter und Ratsfraktionschef Immer im Einsatz für Höxter

Höxter (WB). Höxters früherer Bürgermeister Prof. Dr. Heinrich Rosenbaum ist im Alter von 85 Jahren gestorben. Rosenbaum hat über viele Jahrzehnte die Kommunalpolitik in Höxter mit geprägt.

Von Michael Robrecht
Bürgermeister Dr. Heinrich Rosenbaum mit den Pankgrafen am Rathaus
Bürgermeister Dr. Heinrich Rosenbaum mit den Pankgrafen am Rathaus Foto: WB-Archiv

Vor- und Querdenker, Ideengeber, Motor, streitbarer Parteipolitiker, Landtagsabgeordneter, Fraktionsvorsitzender, CDU-Kreisvorsitzender, Chef der Hochschule in Höxter: Prof. Rosenbaum galt als politisches Urgestein der Kreisstadt. Der Verstorbene hatte sich in den vergangenen Jahren komplett aus Politik und öffentlichem Leben zurückgezogen. Er starb am vergangenen Samstag und soll im engsten Familienkreis beigesetzt werden.

Wenn er um politische Konzepte und für städtische Vorhaben kämpfte, dann scheute Rosenbaum nie die Öffentlichkeit. Wenn es jedoch um seine eigene Person ging, dann war er stets bescheiden, zurückhaltend und stellte sich nicht in den Vordergrund. Der Höxteraner war auf Kreis-, Bezirks- und Landeseben in Politik und Behörden ein Begriff für die Hartnäckigkeit und Eckigkeit der Höxteraner. Was Rosenbaum nicht wollte, das wollte er nicht; und was er für richtig empfand, dafür stritt er über Jahrzehnte mit Nachdruck.

Nach dem Abschluss des Gymnasiums (KWG) mit dem Abitur 1951, absolvierte Heinrich Rosenbaum eine Banklehre und legte 1953 die Kaufmannsgehilfenprüfung ab. Er begann ein Studium der Wirtschaftswissenschaften an der Universität Göttingen und wurde 1957 Diplom-Volkswirt. Anschließend wurde er 1960 zum Dr. rer. pol. promoviert. Bis 1966 war Rosenbaum als Wissenschaftlicher Mitarbeiter der Agrarsozialen Gesellschaft Göttingen tätig. Der Professor begann dann als Dozent an der Gesamthochschule Paderborn eine Lehrtätigkeit, war in den 1980er und 90er Jahren auch Sprecher der Hochschulabteilung Höxter (damals noch in Kooperation mit der Uni/GH Paderborn).

Heinrich Rosenbaum engagierte sich seit 1951 als Mitglied der CDU, von 1965 bis 1973 als Vorsitzender des CDU-Kreisverbandes Höxter und seit 1973 als Mitglied des Kreisvorstandes. Als Kreistagsmitglied in Höxter fungierte er 1969 und 1970. Von 1970 an war er Ratsherr der Stadt Höxter – und bis 1979 Bürgermeister.

Heinrich Rosenbaum ist vielen zudem als mit Top-Ergebnissen direkt gewählter NRW-Landtagsabgeordneter vom 25. Juli 1966 bis zum 25. Juli 1970 und vom 28. Mai 1975 bis zum 28. Mai 1980 für den Wahlkreis 136 Höxter bekannt. Rosenbaum – er lebte zuletzt mit seiner Frau Maria in seinem Haus an der Wilhelmshöhe – blieb der vorgesehene Sprung in den Bundestag 1980 (Strauß- gegen-Schmidt-Wahl) verwehrt, weil er die CDU-interne Vorwahl gegen Meinolf Michels verlor. »Der Doktor« arbeitete daraufhin mit seiner Nachfolgerin, Bürgermeisterin Dorothee Baumgarten, mehrere Wahlperioden als maßgeblicher und einflussreicher CDU-Fraktionsvorsitzender an vielen Höxter-Themen.

Er packte umstrittene Vorhaben aktiv an und brachte sie nach vorn. Kommunale Neugliederung Anfang der 70er Jahre mit Integration der Dörfer, die großflächige Stadtkernsanierung mit Dutzenden Gebäudeabrissen und der Marktstraßen-Neubebauung, die Errichtung des neuen Schulzentrums, die Entwicklung des Mittelzentrums Höxter als Einkaufsstadt und Wirtschaft-, Behörden und Bundeswehrstandort sowie eine solide Finanzpolitik hießen seine »Baustellen«, die oft auch Reibepunkte waren. Er sah sich immer als Entwickler und Gestalter, nie als Notar, der Verwaltungsvorschläge einfach nur abnickte.

In Höxters Stadtverwaltung hatte man Respekt vor dem streitbaren Herrn Professor, besonders wenn die Dinge nicht rund liefen und er hartnäckig nachbohrte, im Rat Positionen verteidigte und den Ämtern Beine machte. Solch eine Persönlichkeit würde heute manchmal im Stadthaus fehlen, hört man. Provinzmentalität lehnte Rosenbaum ab; er suchte immer nach Alleinstellungsmerkmalen für sein Höxter. Seine politischen Gegner arbeiteten sich über viele Jahre an ihm ab und rieben sich an dem stets politisch denkenden Menschen, dem die christliche Grundhaltung immer wichtig war. In vielen (aber nicht in allen) Punkten behielt er Übersicht und Recht.

Prof. Rosenbaum Foto: WB-Archiv

An der Hochschule gelang es nach Aufgabe der für Höxter so lange wichtigen Bauingenieurs- und Architekturstudiengänge den Technischen Umweltschutz zu etablieren. Eine Jahrzehntentscheidung. Viele Höxteraner sehen ihn noch mit seinem Fahrrad samstags zum Markt fahren oder sonntags in der St.-Peter-und Paul-Kirche. Rosenbaum war nach langer Zeit einer der ersten katholischen Bürgermeister der über Jahrhunderte in vielen Bereichen protestantisch geprägten Kreisstadt.

Der amtierende Bürgermeister Alexander Fischer (SPD) erklärte: »Ein großer Kommunalpolitiker ist von uns gegangen. Dr. Rosenbaum hat sich in besonderer Weise für die Menschen in unserer Stadt aber auch für die Entwicklung in Höxter eingesetzt. Meine Gedanken sind bei seiner Frau und seiner Familie.«

Der heutige CDU-Ratsfraktionsvorsitzende Stefan Berens erinnerte daran, dass mit dem Namen Prof. Rosenbaum viele Projekte in Höxter verbunden seien. Er habe deutlich sichtbare Spuren hinterlassen. Die CDU werde ihm ein ehrendes Andenken bewahren.

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