Zehnter Jahrestag der Explosion: Bürgermeister hat bisher keine Gedenkveranstaltung geplant Bürger haben Unglück nicht vergessen

Höxter (WB). Die verheerende Explosionskatastrophe von 2005 jährt sich am 19. September zum zehnten Mal. Bisher war anlässlich des Zehnjährigen keine Gedenkveranstaltung geplant. Bürgermeister Alexander Fischer verwies darauf, dass die Gedenkfeiern vor ein paar Jahren ausgelaufen seien und man  das Thema nicht erneut aufgreifen wolle.

Von Michael Robrecht
Wie nach einer Bombardierung sieht es am Vormittag des 19. September 2005 zwischen Rathaus und Kilianikirche aus. Drei Menschen sterben, fast 60 werden verletzt bei der Hausexplosion. Im Umkreis von hunderten Metern gibt es Trümmer und Glasbruch.
Wie nach einer Bombardierung sieht es am Vormittag des 19. September 2005 zwischen Rathaus und Kilianikirche aus. Drei Menschen sterben, fast 60 werden verletzt bei der Hausexplosion. Im Umkreis von hunderten Metern gibt es Trümmer und Glasbruch. Foto: Harald Iding

In Höxter gibt es jedoch eine wachsende Anzahl Bürger, die sehr wohl der Meinung sind, dass die Explosion mit drei Toten, fast 60 Verletzten, 75 beschädigten oder teilzerstörten Gebäuden (darunter die Kilianikirche), 400 Tonnen Schutt  und Glasbruch und einem hohen  Millionenschaden ein einschneidendes Ereignis der jüngeren Höxteraner Stadtgeschichte sei und man besonders an einem runden Gedenktag erneut daran erinnern müsse. Bei den jahrelang regelmäßig im  Rathaus stattfindenden Gedenkstunden gab es eine ökumenische Andacht, danach noch einen Redebeitrag oder eine besondere Gedenkaktion. Für das immer noch unbebaute Unglücksgrundstück am Rathaus 11 gibt es bis heute keine Kaufinteressenten, obwohl die Stadt es seit Jahren anbietet. Ein Rentner hatte sich 2005 in dem Haus mit 90 Benzinkanistern in die Luft gesprengt.

Umfrage in den Fraktionen

Das WESTFALEN-BLATT hat einige  Ratsfraktionen befragt, ob auch sie auf eine Gedenkfeier zum Zehnjährigen verzichten wollen. Ergebnis: Die Politik wünscht eine Gedenkstunde, die  umgehend  organisiert werden müsse. Viele zeigten sich irritiert, dass nichts geplant  werden sollte.

CDU-Fraktionsvorsitzender Stefan Berens: »Die Explosion war 2005 ein einschneidendes Ereignis für Höxter. Da sollte es ein Gedenken geben. Vielleicht könnte der Stadtheimatpfleger das mit in die Hand nehmen. Gerade mit Blick auf unsere zurzeit fragile Welt ist es  wichtig, über das Zusammenleben der Menschen grundsätzlich nachzudenken. Es muss ja die Verwaltung nicht alles selber machen, aber anregen sollte sie so etwas schon. Wir werden das auch in der Fraktion am Montag noch besprechen.«
Werner Böhler (SPD-Fraktionschef): »Ich bin für eine Gedenkfeier. Das war doch für ein Höxter ein einschneidendes Ereignis mit drei Toten und vielen Verletzten, das bei vielen noch sehr präsent ist. Man muss auch an den großen Zusammenhalt erinnern, den die Explosionskatastrophe in der Bevölkerung damals ausgelöst hat. Das war schon beeindruckend, was eine so kleine Stadt in jenen Wochen alles geleistet hat.«

Hermann Loges (BfH): »Die Hausexplosion 2005 war das größte Unglück in Höxter seit der Gasexplosion 1967 und deshalb wäre eine Gedenkfeier  wünschenswert. So ein Ereignis darf man nicht unbeachtet verstreichen lassen. So etwas muss auch von der Stadtverwaltung frühzeitig kommuniziert werden, aber das reiht sich ja hier alles ein in Pleiten, Pech und Pannen in diesem Jahr.«
Ludger Roters (Fraktionssprecher Grüne): »Ich bin für eine Gedenkstunde. Bei den Menschen in Höxter gibt es zur Explosion auch nach zehn Jahren noch eine große Betroffenheit. Das hatte eine Dimension. Deshalb sollte der Anlass am 19. September für eine Veranstaltung genutzt werden.«

Bürgermeister denkt nach

Bürgermeister Alexander Fischer, der am Freitag bei der kommunalen Flüchtlingskonferenz in Düsseldorf war, ließ über Josef Hasenbein folgende neue Haltung mitteilen: Weil die Gedenkfeierreihe ausgelaufen sei, sei er gegen eine Gedenkstunde  zum Zehnjährigen.  Das Interesse an den Gedenkstunden sei   rückläufig gewesen. Sollte es jetzt aber ein erhöhtes öffentliches Interesse in Höxter an einer Feierstunde geben, dann wolle er neu entscheiden; er sei offen für Art und Ort einer Gedenkstunde und wolle   jetzt über eine andere Haltung zum 19. September nachdenken, so Hasenbein zur Position der Stadtspitze.

Für Stadtheimatpfleger Wilfried Henze ist es selbstverständlich, dass zum Zehnjährigen der Explosionskatastrophe, bei dem sein Haus mit Antiquariat  in die Luft gesprengt wurde, eine Gedenkveranstaltung stattfindet. »Dieses Ereignis hat viel Leid gebracht. Das darf nicht vergessen werden. Es muss auch an die Leistung derer erinnert werden, die die Leidtragenden waren und die alles wieder aufgebaut haben. Dieses Stück Erinnerungskultur sollte man  erhalten«, sagte Henze am Freitag. Viele Narben seien  geblieben. Daran müsse erinnert werden. Henze  hat dem Bürgermeister auch einen Brief dazu geschrieben.

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