Gutachter der Staatsanwaltschaft sieht verspätete Verlegung »Malik hätte gerettet werden können«

Höxter (WB). Der kleine Malik ist nur zwei Jahre alt geworden. Laut einem medizinischen Gutachten könnte er noch leben, wenn er rechtzeitig vom St.-Ansgar-Krankenhaus in eine Spezialklinik verlegt worden wäre. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen Verantwortliche des St. Ansgar wegen fahrlässiger Tötung laufen weiter.

Von Ingo Schmitz
Die Fotos von Malik bleiben als Erinnerung: Yildiray Soyak und seine Frau trauern.
Die Fotos von Malik bleiben als Erinnerung: Yildiray Soyak und seine Frau trauern. Foto: Ingo Schmitz

Fast zwei Jahre hat es gedauert, bis jetzt endlich das Gutachten zu diesem tragischen Fall vorliegt. Der Anwalt von Maliks Eltern, Dr. Reinhard Bodenburg, stellt fest: »Der von der Staatsanwaltschaft beauftragte Gutachter ist in seinem Ergebnis relativ eindeutig. Er schreibt: ›Das Leben des Kindes hätte bei rechtzeitiger Verlegung in das Klinikum Kassel mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit gerettet werden können – vorausgesetzt, das Kind wäre zwischen 9 und 14 Uhr in Kassel eingetroffen und wäre (...) operiert worden‹.«

Tatsächlich wurde Malik aber erst um 15.30 Uhr verlegt. Da sei es bereits zu spät gewesen. Durch die verspätete Verlegung, so der Gutachter, habe sich der Gesundheitszustand von Malik derart verschlechtert, dass es bei Ankunft in Kassel keine Rettung mehr gab.
Maliks Vater, Yildiray Soyak, sieht damit seine Kritik an den Ärzten bestätigt. Er kritisiert aber auch, dass die Ermittlungen sich schon so lange hinziehen. »Es sind jetzt schon fast zwei Jahre her. Bald kann sich keiner mehr erinnern, wie es war. Außerdem sind einige der verantwortlichen Ärzte immer noch in ihren Funktionen tätig«, sagt der Unternehmer aus Lauenförde. Er wirft den Verantwortlichen vor, bei der Organisation der Verlegung von Malik eklatante Fehler gemacht zu haben. Auch der Gutachter trifft dazu eine Aussage: Ihm sei »völlig unverständlich«, warum die Ärzte angesichts der Diagnose bei der Verlegung nicht »extrem Druck« gemacht hätten.

Malik Soyak war mit Erbrechen, Kopfschmerzen und Schwindel am 15. Oktober 2013 von seinen Eltern in das St. Ansgar gebracht worden. Erst am folgenden Morgen wurde er im Tomograph eingehend untersucht. Dabei wurde um 8.50 Uhr festgestellt, dass eine Einklemmung des Gehirns vorlag. Einzige Rettung: eine Druckentlastung per Operation in einer Spezialklinik. Warum die angeordnete Verlegung bis zum Nachmittag gedauert hat, ist dem Gutachter rätselhaft. Die Vorgänge im Ansgar bezeichnet er als »Wirrwarr«.

Für die Staatsanwaltschaft Paderborn sind die Ermittlungen nicht abgeschlossen. »Es gibt viel aufzuklären. Das wird unter Umständen noch ein paar Monate dauern. Es geht dabei um die Frage der Verantwortlichkeit. Wenn ein Fehlverhalten vorliegen sollte, dann muss geklärt werden, von wem. Hier geht Gründlichkeit vor Schnelligkeit«, sagte ein Sprecher.

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