Winfried Langner (79) nach drei Monaten mit »Robert« vom Nordkap zurück Trecker-Willi plant Argentinien-Tour

Lauenförde (WB). »Deutz-Willi« ist wohlbehalten zurück in Lauenförde. Nach drei Monaten, 7600 Kilometern Fahrt und um viele  Erfahrungen reicher, ist der 79-Jährige mit Traktor »Robert« am Samstag von 100 Mitbürgern vor seinem Haus in der Hasenstraße empfangen worden.

Von Michael Robrecht
Winfried Langner alias »Trecker-Willi« freut sich, gesund und munter zurück in Lauenförde zu sein. Bürgermeister Werner Tyrasa trinkt mit ihm ein erstes kühles Allersheimer Bier.   Fotos: Michael Robrecht
Winfried Langner alias »Trecker-Willi« freut sich, gesund und munter zurück in Lauenförde zu sein. Bürgermeister Werner Tyrasa trinkt mit ihm ein erstes kühles Allersheimer Bier. Fotos: Michael Robrecht Foto: Michael Robrecht

Winfried Langner ist sprachlos. Und das will was heißen bei dem sonst so quirligen  Senior. Der halbe Ort ist  auf den Beinen, um seinen reiselustigen »Willi« nach seiner spektakulären Nordkap-Tourmit großem Hallo zu begrüßen. Der Spielmannszug Würgassen spielt auf, Frauen nehmen ihn in den Arm und Ortsbürgermeister Werner Tyrasa und MdL Uwe Schünemann herzen den Weltenbummler, der  in kurzer Hose mit Baseballkappe »vom Bock« steigt. Langner, besser bekannt als »Trecker-Willi«, steht an seinem 15-PS-Traktor, ein Deutz vom Typ D15, Baujahr 1961, Höchstgeschwindigkeit 18 km/h und lächelt in die Kameras. Pressefotografen wollen ein Foto von ihm mit seinem grünen Trecker. Freunde und  Nachbarn zücken die Smartphonekameras und wollen den Moment als Erinnerung oder für Facebook festhalten.

»Nächstes Jahr habe ich Einladungen nach Bayern. Und 2017 kehre ich Lauenförde für ein Jahr den Rücken und fahre nach Argentinien«, ist Langner voller neuer Pläne. Seine Tochter Sabine Langner-Uslu aus Höxter schaut etwas skeptisch, wenn sie dem fast 80-Jährigen zuhört. Aber sie hat schon vor zwei Jahren nach der Mallorca-Tour, die »Deutz-Willi« zum ersten Mal bundesweit bekannt gemacht hat, erlebt, dass ihr Vater umsetzt, was er  ankündigt.

Botschafter von Lauenförde

»Trecker-Willi« hebt immer wieder die Daumen, gibt Interviews, winkt, nimmt Menschen in den Arm, die sich mit ihm fotografieren lassen – voll der Medienprofi. Werner Tyrasa nennt den bekanntesten  Bürger einen »guten Botschafter von Lauenförde«, der den Ort in zwölf Wochen europaweit bekannt gemacht habe. David Karre, Vorsitzender des Oldtimerclubs Silberborn, zeigt Winfried Langner eine norwegische Zeitung, in der  die Nordkapfahrt des Traktorfahrers aus dem Weserbergland in großer Aufmachung mehrseitig dokumentiert wird. Auch in Deutschland machte er in vielen  Medien Schlagzeilen. NDR-Fernsehen und -Radio sind auch da, begleiteten ihn sogar an den nördlichsten Punkt Europas. Willi und Traktor »Robert« sind heute fast so bekannt wie »Schäfer Heinrich«, so oft kommen sie in TV-Beiträgen und Zeitungsreportagen vor.

»Mir geht es gut. Es gab kaum Pannen. Einmal musste ich die Reifen des Wohnwagens wechseln und ein Pass war durch Schnee gesperrt,  aber sonst habe ich viel Tolles erlebt, wurde oft eingeladen – und ein Kapitän einer Fähre hat mir sogar eine Überfahrt spendiert«, so seine Bilanz. Er sei eben ein »verrückter Vogel« und mache in seinem Ruhestand, woran er Spaß habe. Auf die Tour zu den Gauchos nach Südamerika freut er sich schon riesig: »Ich habe im Krankenhaus in Brakel einen Fußballer kennengelernt. Der ist aus Argentinien, hat mich von dem Land begeistert und mich  eingeladen«, schildert er mit bester Laune. In Rotterdam werde Traktor »Robert« mit Anhänger »Schnecke« in einen Container verladen, »und sechs Wochen später tuckere  ich dann quer durch die Heimat von Papst Franziskus«, ist »Willi« voller Tatendrang.

Die  Besucher des Rückkehrerempfang am  Bürgerhaus sind beeindruckt vom rüstigen Rentner: »Respekt. In dem Alter solche Touren ohne Probleme zu schaffen, das ist klasse«, loben Paul und Peter Götz aus Höxter. Und auch der Landtagsabgeordnete Uwe Schünemann ist von »Trecker-Willi« begeistert: »Das ist eine echte Leistung«, lobt er.

Der Lauenförder erinnert sich besonders gerne an die vielen Begegnungen mit Nordland-Radfahrern, Campern und den Norwegern: So viele nette und aufgeschlossene Menschen treffe man nicht überall. Immer wieder sei er auf ein oder mehrere Bierchen eingeladen  worden. Viele hätten seine Geschichte hören wollen. Emotional berührt habe ihn jener Tag, als er in Dänemark das deutsche Grenzschild auf der Rücktour passiert habe: »Roooobert! Durchhalten! Bis in die Heimat ist es nicht  mehr weit«, habe er gedacht und dem 54 Jahre alten Trecker gut zugeredet. Der Traktor sei den Heimweg dann fast allein gefahren...

Viele neue Pläne

Am Wochenende wollte Winfried Langner erst einmal ausspannen. Dann werde er den Berg Holz vor seinem Haus hacken und zu seiner Tochter nach Höxter bringen, denn bald werde es Herbst. Immer wieder muss »Willi« viele Fragen der Lauenförder beantworten. Bierbude, Würstchenwagen und ein offener Saal im Bürgerhaus sind vorbereitet: Er habe schon damit gerechnet, dass es an diesem Samstag Trubel bei der Rückkehr geben werde. Schön sei es, so warmherzig begrüßt zu werden. Mehrere Stunden dauerte die Wiedersehensparty. Dann geht Langner ins Haus und sortiert erst einmal seine Post, berichtet Tochter Sabine Langner-Uslu. Am kommenden Sonntag  soll  Traktor »Robert« Star eines Oldtimer-Treffens in Marienmünster-Kollerbeck werden.

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