Delegierte aus dem Kreis rufen Partei zur Einigkeit auf – Sachpolitik soll zunächst im Vordergrund stehen
„Merz ist nicht rübergekommen“

Kreis Höxter -

Merz, Röttgen oder Laschet? Die Mitglieder des CDU-Kreisverbandes hatten sich im Vorfeld klar für Friedrich Merz als neuen Parteichef ausgesprochen. Am Ende schaffte es am Samstag aber NRW-Ministerpräsident Armin Laschet, sich in einer Stichwahl gegen Merz durchzusetzen. Wie haben die fünf Delegierten aus dem Kreis Höxter den ersten digitalen CDU-Bundesparteitag erlebt? Wie geht es nun weiter? Und wer kann eigentlich Kanzler – Söder oder Laschet?

Montag, 18.01.2021, 06:00 Uhr aktualisiert: 18.01.2021, 07:40 Uhr
Sieger und Verlierer: Armin Laschet (rechts) hat sich im Rennen um den Parteivorsitz gegen Friedrich Merz durchgesetzt. Foto: Michael Kappeler/dpa

Matthias Goeken

„Laschets Rede war die beste, Merz hat es bei seinem Auftritt, wie schon bei der letzten Wahl zum CDU-Vorsitz in Hamburg, nicht geschafft, die PS auf die Straße zu bringen“, kommentiert der CDU-Landtagsabgeordnete Matthias Goeken das Ergebnis. Er stehe nun voll und ganz hinter Armin Laschet, so Goeken. Als Ministerpräsident leiste dieser hervorragende Arbeit und habe dabei geholfen, gemeinsam mit ihm auch für den ländlichen Raum viel zu erreichen. Armin Laschet müsse nun die unterschiedlichen Strömungen, immerhin hatten sich bei der Stichwahl etwa 47 Prozent für Merz ausgesprochen, zusammen bringen. „Und das traue ich Armin Laschet auch zu, genauso wie die Kanzlerschaft“, so Matthias Goeken.

Wie es in der NRW-CDU weiter geht, hängt nach Einschätzung Matthias Goekens von der Kanzlerfrage ab. Sollte Armin Laschet Kanzlerkandidat und auch Bundeskanzler werden, braucht es für NRW einen neuen Landesvorsitzenden und einen neuen Ministerpräsidenten. Ob beide Posten zunächst durch einen Übergangskandidaten besetzt werden sollen, wird derzeit diskutiert. Matthias Goeken hat hierzu eine klare Meinung: „Der Landesvorstand sollte auf die Zukunft setzten.“ Allerdings käme für das Amt des Ministerpräsidenten aufgrund der Landesverfassung nur einer der 72 Landtagsabgeordneten in Frage. Goeken hofft auf eine „kluge Entscheidung“ des Landesvorstands. „Ich weiß nur, ich bin‘s nicht“, sagt der Bad Driburger mit einem Augenzwinkern. Markus Söder oder Laschet als Kanzlerkandidat? Auch dazu hat Matthias Goeken eine klare Meinung: „Die CDU gibt es in 15 Bundesländern, die CSU nur in einem – wir werden da zu einer sinnvollen Entscheidung kommen.“

Christian Haase

Etwas anders sieht die Kanzlerfrage der CDU-Bundestagsabgeordnete für den Kreis Höxter, Christian Haase. „Ich traue auch Markus Söder die Kanzlerkandidatur zu.“ Armin Laschet habe seinen Anspruch auf das Kanzleramt zwar klar gemacht, letztendlich müsse aber der Kandidat werden, der die Richtung von CDU/CSU am glaubwürdigsten vermitteln könne. „Egal wie das Wahlergebnis ist, wir stehen hinter dem gewählten Kandidaten – so funktioniert nun einmal die Demokratie“, sagt Haase zur Mehrheitsentscheidung für Armin Laschet als Parteivorsitzenden. Nun müsse man sich wieder mit dem politischen Gegner beschäftigen und vor allem die Probleme im Land angehen, fordert Haase. Natürlich seien manche vom Wahlausgang enttäuscht, eine Spaltung der Partei sieht der Bundestagsabgeordnete aber nicht.

Für NRW sieht Haase die Zukunft an der CDU-Spitze noch offen. „Sollte Armin Laschet als Kanzlerkandidat ins Rennen gehen, dann sollte er auch ein Bundestagsmandat anstreben“, meint der Beverunger. Dann müssten auch die Ämter des Landesvorsitzenden und vor allem des Ministerpräsidenten neu vergeben werden. Ideal wäre es, aus Sicht Haases, wenn dann ein Ministerpräsident aus den Reihen der Landtagsabgeordneten gefunden würde. Christian Haase: „Mit einem amtierenden Ministerpräsidenten in die Wahl zu gehen hilft, weil die Menschen schon sehen konnten, ob er das Amt beherrscht.“ Sollte der beste Kandidat außerhalb der Landtagsfraktion gefunden werden, sieht Haase den jetzigen Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales in NRW, Karl-Josef Laumann, als guten Übergangskandidaten.

Hubertus Fehring

Hubertus Fehring, Vorsitzender der Senioren-Union im Kreis Höxter, hatte sich schon im Vorfeld des Parteitages für Friedrich Merz als Vorsitzenden ausgesprochen. Dessen Parteitagsrede sei „sehr sachlich“ gewesen. „Laschet hat es geschafft, auch das Herz der Delegierten zu erreichen“, sagt Fehring. Merz sei „emotional nicht so rübergekommen“. Enttäuscht ist der Brakeler über Merz, weil er sich nicht hat ins CDU-Präsidium wählen lassen. „Die Personalie Merz ist damit jetzt erledigt. Das hat er sich selbst kaputtgemacht“, so der frühere Landtagsabgeordnete. Das Rennen um die Kanzlerkandidatur sieht Fehring offen „mit einem kleinen Vorteil in Richtung Laschet“.

Werner Dürdoth

Auch Werner Dürdoth ist Merz-Anhänger. „Ich bin aber Demokrat genug, um hinter dem Wahlergebnis von Samstag zu stehen“, sagt der Borgentreicher, der seit November stellvertretender Landrat ist. Die Wahl sei sehr fair abgelaufen, der Parteitag gut organisiert gewesen. Geärgert habe er sich über Jens Spahn. Der Gesundheitsminister hatte eine Fragerunde genutzt, um Wahlwerbung für Armin Laschet zu machen. „Das war nicht fair, aber Spahn ist am Ende ja auch dafür abgestraft worden“. In der Kanzlerkandidatenfrage wollte sich Dürdoth nicht festlegen.

Michael Stickeln

Ähnlich äußert sich Landrat Michael Stickeln, der als fünfter Delegierter aus dem Kreis an dem Parteitag teilnahm. „Bei Spahn hätte man einschreiten müssen.“ Der Werbeblock habe Laschet am Ende möglicherweise eher geschadet als genutzt. Als ebenfalls „völlig unangemessen“ bezeichnet er Merz‘ Angebot, den Posten des Wirtschaftsminister sofort zu übernehmen. „Das ist eine Abqualifizierung des Amtsinhabers.“ Peter Altmaier mache eine gute Arbeit, ohne dabei viel Aufhebens um seine Person zu machen.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7770958?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198395%2F2851041%2F
Entwurf für Beratungen sieht Öffnungsschritte in Stufen vor
Szene in einer Mannheimer Einkaufsstraße.
Nachrichten-Ticker