Brakeler Familie Fachin ist nach Sizilien ausgewandert
Weihnachtspalme ersetzt den Baum

Brakel/Marina di Ragusa -

Die Reimanns, die Büchners und einige andere sind als Auswanderer Dank der Fernsehsendung „Goodbye Deutschland! Die Auswanderer“ bekannt geworden. Eine weitere Familie hat sich aufgemacht, diesen Weg ebenfalls zu gehen: die Fachins.

Samstag, 09.01.2021, 04:09 Uhr
Den traditionellen Tannenbaum gab es nicht. Da haben Stefanie und Christian Fachin zusammen mit Sohn Lucas kurzerhand eine Palme geschmückt. Foto: privat

Eine Facebook-Seite gleichen Namens gibt es schon, und im Sommer wird über das Ehepaar Stefanie (40) und Christian Fachin (45) sowie deren Sohn Luca (10) in der Sendung auf Vox berichtet. Noch vor Weihnachten sind die drei nach Sizilien gezogen.

Vorausgegangen war Monate zuvor eine Sitzung des Familienrates. „Jeder von uns dreien hat eine Stimme bekommen zur Frage auswandern oder nicht. Wäre das Ergebnis nicht einstimmig gewesen, wäre nichts aus dem Projekt geworden“, blickt Christian Fachin zurück. „Die Idee dazu hatten wir auch zusammen“, ergänzt Stefanie Fachin.

Entstanden ist diese nach einem zweiwöchigen Urlaub über Weihnachten im Jahr 2019. „Wir konnten am zweiten Weihnachtstag im Meer schwimmen – so warm war es“, erinnert sich Christian Fachin: „Das war für uns kaum vorstellbar. In Sizilien kann man die Regentage im Dezember an einer Hand abzählen.“ Daraufhin hat sich Stefanie Fachin im Internet auf die Suche nach einer passenden Immobilie gemacht. 28 Häuser hat sich die Familie während eines zweieinhalbmonatigen Aufenthaltes im vergangenen Sommer angesehen.

 

Die Vegetation in Sizilien unterscheidet sich deutlich von der in Ostwestfalen.

Die Vegetation in Sizilien unterscheidet sich deutlich von der in Ostwestfalen. Foto: privat

Für das Haus, für das sie sich entschieden haben, haben sie einen so genannten Kaufabsichtsvertrag geschlossen. Jetzt warten die Fachins auf den Notartermin.

Das Haus liegt in Marina di Ragusa beinahe an der südlichsten Spitze Siziliens.

„Wir finden das Wetter hier traumhaft. Essen und Trinken sind super, weil es mediterrane Küche ist“, nennt Christian Fachin Vorteile des Lebens in Sizilien.

Das Leben sei gesünder dort. Er und seine Frau hätten ohne auf etwas verzichten zu müssen mehrere Kilogramm Gewicht verloren.

„Und die Tomaten hier, die schmecken hier wirklich nach Tomaten und nicht nach irgendetwas anderem.“ Hinzu komme die sizilianische Gelassenheit. „Das ist noch einmal eine Steigerung der italienischen“, erklärt der Brakeler.

 

Der zehnjährige Lucas hat in der neuen Heimat schon Freunde gefunden.

Der zehnjährige Lucas hat in der neuen Heimat schon Freunde gefunden. Foto: privat

Sie seien mehr als herzlich aufgenommen worden in der neuen Heimat. „Und das, obwohl man uns noch gar nicht kennt“, freut er sich.

Erst im Sommer hat die Familie angefangen italienisch zu lernen. Christian Fachin war zwar bis zu seinem 18. Lebensjahr Italiener, da der väterliche Teil der Familie in Tirol lebte. Zuhause wurde aber nur deutsch gesprochen. Als das italienische Militär ihn zum Wehrdienst einziehen wollte, strebte er die deutsche Staatsbürgerschaft an. „Ich sprach kein Wort italienisch. Was hätte ich da beim Militär tun sollen?“, fragt er, der inzwischen – von den dreien – am besten die Sprache beherrscht.

Gleich danach kommt Sohn Lucas. Für den Zehnjährigen hatten Christian und Stefanie Fachin im Oktober das Au-Pair-Mädchen Sophia aus Italien mit nach Brakel gebracht. Das hat mit dem Junior italienisch gesprochen und dieser die Sprache so schnell gelernt.

Jetzt geht Lucas in Italien in die Schule – und hat davor keine Angst. „In Deutschland wird der Unterrichtsstoff schneller vermittelt als hier. Alles, was ich jetzt hier lerne, habe ich in Deutschland schon einmal durchgenommen – hier aber auf italienisch“, plaudert er aus dem Nähkästchen. Seine Eltern lassen ihn zudem die vierte Klasse noch einmal wiederholen – zur Sicherheit.

„Er soll einfach die Zeit haben, sich hier zu akklimatisieren“, erklärt Christian Fachin. Ihm und seiner Frau ist es wichtig, dass es Lucas dabei auch gut geht und er sich nicht unter Druck gesetzt fühlt.

Au-Pair-Mädchen Sophia lehrt italienisch.

Au-Pair-Mädchen Sophia lehrt italienisch. Foto: privat

Dass er seine Freunde in Brakel zurücklassen musste für das neue Leben in Italien ist für Lucas kein Problem. „Man bleibt ja trotzdem Freunde, und Freunde lassen sich nicht im Stich“, sagt er. Wenn er mal wieder in Deutschland ist, will er sie anrufen und sich mit ihnen treffen. Lucas: „Man sieht sich dann halt nicht so oft.“ Auch habe er schon einen italienischen Freund gefunden, und Au-Pair-Mädchen Sophia sei auch eine gute Freundin.

Stefanie Fachin – sie hat in Brakel ein Nagelstudio betrieben – will sich in Sizilien um die Vermietung der zwei Ferienwohnungen kümmern, die die Familie anbietet. Dazu gehört auch die Organisation von Ausflügen, bei denen die Gäste das Land und die Menschen kennenlernen können. „Die sollen nicht klassisch touristisch geprägt sein, sondern auch Einblicke ermöglichen, die man sonst nicht bekommt“, ergänzt Christian Fachin. Das werde er aber nur an den Wochenenden machen können. „Denn ich arbeite weiter bei unserer Firma ‚Fachin und Friedrich‘“, sagt er: „Gerade in unserer Branche kann man von überall aus arbeiten.“ Er will sich außerdem mit dem Maklergeschäft beschäftigen. „Nach den 28 Immobilien, die wir besichtigt haben, traue ich mir das zu“, ist der Auswanderer zuversichtlich – zumal er vor einem Jahr im Kreis Höxter sich für die Maklerlizenz qualifiziert hat.

Das Haus, in dem die Familie in Brakel gelebt hat, wollen sie künftig ebenfalls vermieten. Im März kehrt Christian Fachin noch einmal für einige Wochen nach Brakel zurück, um im Unternehmen einige Vor-Ort-Projekte umzusetzen und um den neu angelegten Pool für den Sommer fit zu machen und Technik zu installieren, die ihm die Betreuung des Hauses auch von seiner neuen Heimat aus ermöglicht.

Weihnachten hat die Familie übrigens ohne Tannenbaum verbringen müssen. „Wir haben keinen bekommen, da es selten echte Tannen auf Sizilien gibt und haben statt dessen eine Palme geschmückt“, verrät Stefanie Fachin.

 

Dieses Haus wird bald Familie Fachin gehören. Schon jetzt leben sie dort und sind begeistert..

Dieses Haus wird bald Familie Fachin gehören. Schon jetzt leben sie dort und sind begeistert.. Foto: privat

 

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