280-Einwohner-Dorf Rheder begeht Bestehen im kleinen Rahmen - lange Geschichte
Rheder feiert wie eine große Familie

Rheder (WB). Der Himmel erstrahlt in einem satten Blau, die Sonne trotzt den frühherbstlichen Temperaturen und es ist leises Vogelgezwitscher zu hören. Schaut man nach links, entdeckt man noch einige Sonnenblumen, deren Blüte sich langsam dem Ende neigt, schaut man nach rechts, sieht man eine grüne Weide und hört die Schreie eines Esels. Davor liegt das malerische Weidenpalais und dahinter erstreckt sich der Wald.

Sonntag, 06.09.2020, 19:24 Uhr aktualisiert: 06.09.2020, 19:40 Uhr
Bürgermeister Hermann Temme (Mitte) überreicht ein Luftbild von Rheder. Darüber freuen sich Monsignore Franz-Josef Hövelborn (von links), Ulrich Disse, Johannes Bröker, Landrat Friedhelm Spieker, Pfarrer Willi Koch und Carsten Arentz. Foto: Ellen Waldeyer

900 Jahre Rheder - Dorf, Schloss, Brauerei

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  • 900 Jahre Rheder - Dorf, Schloss, Brauerei
Foto: Ellen Waldeyer, Frank Spiegel, Michael Robrecht, Schlossbrauerei Rheder
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In dieser Naturkulisse durften die Rhederer am Sonntagmorgen die heilige Messe anlässlich ihres 900-jährigen Dorfjubiläums feiern. Aufgrund der Corona-Pandemie konnten die Feierlichkeiten nicht größer ausfallen, doch die Menschen scheinen fröhlich zu sein, einander wiederzusehen und zusammenzukommen – auch, wenn dies selbstverständlich auf Abstand geschieht.

Es hat sich eine lange Schlange neben der Parkscheune gebildet, denn bevor sich die Gläubigen einen Platz suchen dürfen, müssen sie sich registrieren, um eine mögliche Corona-Infektion nachverfolgen zu können. Nicht nur Menschen aus Rheder selbst zieht es an diesem sonnigen Morgen ins Grüne, um zu beten, sondern auch zahlreiche Gäste aus den umliegenden Ortschaften feiern mit den Einwohnern gemeinsam. Die große Feier anlässlich des Jubiläums ist auf das kommende Jahr verschoben worden.

Neun Eichen

„Es sind zwar schreckliche Zeiten, in denen wir aktuell leben“, bekundet Pfarrer Willi Koch zu Beginn der Messe, „aber dennoch dürfen wir Gott für all das danken, was er uns und auch unseren Vorfahren in den vielen Jahren geschenkt hat.“

Rheder wurde 1120 erstmalig urkundlich erwähnt und darf somit auf eine lange Geschichte zurückblicken (wir berichteten am Samstag). Die Historie, die geprägt ist von Glauben, Tradition, und dem Handwerk des Bierbrauens, stellt der Ortsheimatpfleger am Schluss der Messe ausführlich vor. „Rheder war und ist einfach ein liebens- und lebenswertes Dorf“, sagt Johannes Bröker und blickt in die Gemeinde, die ihm nickend zustimmt. Auch Bürgermeister Hermann Temme bezeichnet Rheder als eines der schönsten Dörfer im Kreis Höxter, in dem aus vielen „Ichs“ ein „Wir“ werde. „Im Laufe der Jahre hat sich vieles verändert, doch die Gemeinschaft hier im Dorf bleibt und macht das Leben liebenswert“, so der Bürgermeister.

Beliebtes Dorf

Dass die Dorfgemeinschaft und das Vereinsleben in Rheder gut funktionieren, zeigen die Fürbitten, die einzelne Mitglieder von Vereinen und Gruppen in der Messe vortragen. Jeder der neun Vertreter bringt darüber hinaus ein kleines Bäumchen vor den Altar, das die Vereine, aber auch ein jedes Jahrhundert von Rheders Historie repräsentieren soll. Die Eichen, die Monsignore Franz-Josef Hövelborn besorgt hat, sollen im Oktober gepflanzt werden, damit sie optimal wachsen können.

Rheder wird von seinen Bewohnern geschätzt. Das spürt man, wenn man mit ihnen ins Gespräch kommt. Sie alle schätzen den Gemeinschaftssinn und das Vereinsleben. Auch die jungen Menschen haben einen engen Zusammenhalt im Dorf.

Markus Storck ist in Rheder aufgewachsen und schätzt den Wohlfühlcharakter, den das Dorf habe. Seine Frau Janine ist vor einem Jahr aus Brakel zugezogen und kann das nur bestätigen. Die beiden sehen hier ein Dorf, in dem sie sich eine stabile Zukunft mit Sohn Gabriel aufbauen können.

Wie schwer es sein kann, Rheder zu verlassen, weiß Marita Hillebrand, die von 1961 bis 1981 im kleinen Nethedorf gewohnt hat. Sie hat damals leider keinen Bauplatz erwerben können, weswegen sie ihr Familienleben notgedrungen nach Siddessen verlegen musste. Ihre Tochter habe dort allerdings nie wohnen wollen, sondern sei beispielsweise immer zum Reiten in die alte Heimat zurückgekehrt. Heute lebt Marita Hillebrand mit ihrem Lebensgefährten in Bredenborn, fühlt sich Rheder aber noch immer eng verbunden.

Eigene Brauerei

Nach der Messe sorgen die Musiker, die auch schon den Gottesdienst mitgestaltet haben, in Tracht und mit bayerischer Schunkelmusik für Stimmung und ein wenig Abwechslung. In Corona-Zeiten wird aber natürlich nicht miteinander geschunkelt, sondern nur gemeinsam geklatscht und die Musik von jedem einzeln genossen. Außerdem treffen sich Einige im Anschluss im Café der Parkscheune. Dort lassen sich die Ersten schon ein kühles Pils schmecken. Was wäre das Jubiläum eines Dorfes mit eigener Brauerei auch ohne ein Bier am Festtag?

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