Georg Rox zurück in Brakel – Jazz, Beethoven und Hölderlin in der Abtei Marienmünster
„Tiger Rag“ infiziert Jazz-Pianisten

Brakel/Marienmünster (WB). In Brakel hat er seine Liebe zum Jazz entdeckt. Auf dem Flügel im Haus seiner Eltern im roten Backsteinhaus am Thy hat Georg Rox seine ersten musikalischen Gehversuche gemacht. Jetzt ist der inzwischen 63-Jährige zurückgekehrt in die Nethestadt.

Freitag, 04.09.2020, 04:38 Uhr aktualisiert: 04.09.2020, 04:40 Uhr

Gefragter Mann

Aus den ersten Gehversuchen ist ein Beruf geworden, eine Leidenschaft. Georg Rox ist ein gefragter Jazzpianist, auch über Europa hinaus, und hat zudem mehrere Lehraufträge – unter anderem für Jazztheorie, Gehörbildung, Improvisationslehre an der Hochschule für Künste in Bremen seit 2003. An der Hochschule für Musik Detmold war er von 1996 bis 2001 Lehrbeauftragter für Improvisation, Jazz, Schulpraktisches und Klavierspiel. Seit 2013 unterrichtet er im Fach Jazzpiano.

„Meine Eltern hatten eine Platte von Louis Armstrong, ‚Tiger Rag‘. Das war das Virus, mit dem ich mich mit vier Jahren infiziert habe. Ich habe immer wieder diese Platte gehört, meine Eltern wurden verrückt“, erinnert sich der Brakeler noch sehr genau. Im Kindergarten sei seinen Eltern dann dringend empfohlen worden: „Der Junge muss Klavierunterricht haben.“

Nachdem er zunächst bei einer Musiklehrerin namens Frohning Unterricht hatte, nahm ihn später Karl-Heinz Bloemeke, Musiklehrer an der Brede, unter seine Fittiche. „Ich habe damals Blues gehört ohne Ende. Und jeden Mittag, wenn ich nach Hause kam, habe ich mir eine Blues-Platte aufgelegt und die Füße ins Fenster gelegt“, erinnert er sich. Seine Mutter habe ihm damals zum Glück die Platten geschenkt, unter anderem den Klassiker „Pictures At An Exhibition“. Karl-Heinz Bloemeke habe ihm in der Zeit wertvolle Tipps zum Thema Improvisation gegeben.

Dennoch habe er zunächst gar nicht Musik studieren wollen. Rox: „Ich war kein klassischer Musiker, der mit 17 seine Sonaten runterraselt. Das konnte ich auch. Ich hatte aber mehr Lust auf das andere. Jazz wurde damals noch nicht unterrichtet an Hochschulen.“ Karl-Heinz Bloemeke habe ihm dann empfohlen, zunächst Schulmusik zu studieren – und das tat sein Zögling 1976 in Detmold dann auch.

Detmolds Jazz-Szene

Dafür sei er nach Detmold gezogen. „Mit 19 will man weg und nicht jeden Tag pendeln“, erklärt er. Zudem hätten seine Eltern seine Jazz-Leidenschaft zwar unterstützt. Gleichwohl hätten sie auch gesagt: „Spiel mal was Richtiges.“

Also ging es nach Detmold. „Und dann war da die Jazz-Szene dort unter anderem mit Fritz Krisse und Jo Krause, der eine Wahnsinnskarriere in Spanien gemacht hat“, blickt er auf alten Zeiten zurück.

Wer damals keine Karriere als Solo-Pianist habe machen wollen, habe das Schulmusik-Studium gewählt. „Im klassischen Studiengang musste man die ganzen Liszt-Sonaten spielen und keinen Blues. Damals hieß es, der Blues würde den Anschlag versauen. Das hat sich geändert. Heute gibt es die Ausbildungen parallel“, erläutert der Brakeler, der sich als junger Mann immer auf die Jazz-Sendung am Dienstagabend im Radio des hessischen Rundfunk gefreut hat.

Tolle Luft und Menschen

Er hat in Detmold gewohnt, zwischendurch auch mal in Bielefeld. Und jetzt ist er glücklich, wieder in Brakel zu sein. „Plötzlich habe ich gemerkt, was ist das hier für eine tolle Luft, was sind das hier für tolle Menschen“, sagt er, der zwischen der Arbeit auch gern mal ein Intermezzo mit einem Bier in der Meierei einlegt.

Über das Internet hält er Kontakte aufrecht und probt – sei es mit Musikern in Lippstadt im Kreis Soest oder in Los Angeles in den USA. „Ob ich in Berlin lebe oder in Brakel – das macht für mich keinen Unterschied mehr“, sagt Georg Rox. In der Nethestadt lebe es sich einfach wunderbar.

„Verloren ins weite Blau“

„Verloren ins weite Blau“ ist der Titel der nächsten Veranstaltung, bei der der Brakeler zu erleben sein wird. Hier geht es im Konzertsaal der Abtei Marienmünster am Samstag, 12. September, von 19.30 Uhr an um Jazz und Klassik im Hölderlin-Kontext. Georg Rox wird über die Hölderlingedichte musikalisch improvisieren mit dem Georg Rox-Trio, zu dem neben dem Pianisten Ingo Senst am Kontrabass und Christian Schoenefeldt am Schlagzeug gehören. Neben Hölderlin steht mit Beethoven ein weiterer Jubilar im Mittelpunkt des Abends. „Das ist ein Crossover-Experiment, wo ein traditionelles klassisches Ensemble – ein Klavierquartett – auf der einen Seite des Konzertsaals spielt und Georg Rox mit seinem Jazz auf der anderen Seite“, berichtet Hans-Hermann Jansen. Beethoven habe nur ein einziges Klavierquartett – hier spielt ein Klavier zusammen mit Violine, Bratsche und Cello – geschrieben, was die Veranstaltung in der Abtei noch einmal zu einer besonderen mache. „Es macht mir Spaß, wenn ich solche neuen Herausforderungen bekomme“, freut sich auch Georg Rox selbst auf die Veranstaltung. Er hat für sich das Thema des Abends in „Lost In Blue“ übersetzt und begonnen, ein Grundgerüst zu komponieren. Gleichwohl wird vor allem auch improvisiert. „Da hat der Jazz in der Komposition einfach die besseren Möglichkeiten“, meint Hans-Hermann Jansen.

„Der Segen des Jazz ist, dass man nicht lange konstruieren muss. Es gibt ein Grundgerüst, und man kreiert dann den Augenblick aus sich heraus“, beschreibt Georg Rox: „Die Improvisation ist das Geschenk des Jazz.“

Den Augenblick kreieren

Das Wesen des Jazz sei es, den Augenblick zu kreieren. „Während Beethoven eine Utopie gebiert“, stellt er heraus. Entsprechend gestalte sich auch die Musik. „Es muss alles genau interpretiert werden, die Musiker müssen sich an den Notentext halten“, skizziert Georg Rox den Spannungsbogen, den das Publikum am Samstag, 12. September, erwarten kann. „Ich nehme einen Augenblick aus der Beethoven-Komposition und mache ihn zu einem Jazz-Augenblick“, verspricht er.

Der Eintritt zu dem Konzert ist frei. Es wird um Spenden gebeten.

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