Auf dem Acker von Imker Hensel wird die Silphie angebaut
„Indianerpflanze“ ideal für Insekten

Brakel-Bellersen (WB). „Ich habe bereits vor 30 Jahren erkannt, dass die Insekten immer weniger werden, so auch die Bienen. Daher habe ich einen gut eineinhalb Hektar großen Acker gekauft und dort reichlich Blühpflanzen gepflanzt“, sagt Imker Oswald Hensel aus Bellersen. Am Rande von Bellersen liegt seine Imkerei, und es wird immer schwieriger, seine Bienen mit Nahrung zu versorgen. „Dieses Jahr sind wir mit einem Teil unserer Bienenvölker nach Süddeutschland gefahren, dort gibt es noch reichlich blühende Landschaften“, erklärt sein Sohn Lukas Hensel. „Knapp fünf Wochen waren die Bienen dort unterwegs, dann haben wir sie wieder zurückgeholt“, sagt Oswald Hensel, „dadurch haben wir ganz gute Honigerträge.“

Mittwoch, 02.09.2020, 22:00 Uhr
Mit schwerem Gerät wird der Silphieacker gemäht. Rund 45 Tonnen Frischmasse werden pro Hektar für die Biogasanlage im Abtei Marienmünster gewonnen. Die Pollen der Blüten sind für Biene und Co. eine ideale Nahrung. Foto: Florian Potthast

Pflanze aus Nordamerika

Doch Blühwiesen müssen teilweise jedes Jahr neu eingesät werden. In einer Imkerfachzeitschrift hat Hensel über die durchwachsene Silphiepflanze aus Nordamerika gelesen. Und die hat ihn interessiert. Besonders Bienen-Liebhaber und Imker schwören auf Silphie, weil es sich bei ihr neben einer Energiepflanze auch um eine ganz besondere Bienenweide und -Futterpflanze handelt.

„Die ‚Indianerpflanze‘ ist absolut pflegeleicht, sie blüht von Juli bis September und wird dann abgemäht. Bis zu 30 Jahre kann die Silphie auf dem Acker stehen, jedes Jahr blüht sie erneut. Jetzt wird die Wiese zum ersten Mal gemäht“, sagt Imker Hensel. Das hat den Biogasbetreiber Dipl. Agr. Ing. Florian Potthast von der Biogasanlage Abtei Marienmünster auf den Plan gerufen, der von der Idee begeistert war und den Acker von Oswald Hensel pachtete. Dort wächst und gedeiht die Silphie jetzt seit drei Jahren und ist ein Paradies für Bienen, Hummel und weitere Insekten. „Die durchwachsene Silphie bringt zwar 10 bis 30 Prozent weniger Ertrag als Mais in der Biogasherstellung, dafür spart der Landwirt während der bis zu 30 Erntejahren jegliche Bodenbearbeitung, Saatgut- und Spritzaufwand“, erklärt Potthast. Der Ertrag liegt bei 45 Tonnen Frischmasse je Hektar. Zudem verträgt die Silphie im Gegensatz zu Mais extrem trockene Böden und übersteht lange Winterperioden. Denn in den kelchförmigen Blättern lagert sich Tau und Regen an, der die Pflanze versorgt und auch die Bienen, die zur Produktion von Honig Wasser benötigen.

Bis zu drei Meter hoch

Zusätzlich wird der Boden optimal vor Regen und Wind geschützt. „Ein Abrutschen eines schrägen Ackers ist kaum möglich, da die bis zu drei Meter hohen Silphies beinahe genauso lange Wurzeln besitzen, die den Ackerboden stabilisieren“, sagt Oswald Hensel.

Die Bienen können sich dank den Silphieackers gut mit Pollen versorgen, die lebensnotwendige Eiweißgrundlage für die Brut.

„Der Mangel an Blüten macht unseren Bienen und den anderen Blütenbesuchern immer mehr Schwierigkeiten. Wegränder, Böschungen und Gräben werden oft von der Blüte gemulcht, so dass Nährstoffe sich anreichern und nur Gras und Brennnessel übrig bleiben. Hecken und Waldränder müssen kurz gehalten werden, damit die Landwirte volle Ausgleichszahlungen der Landwirtschaftskammer erhalten, weil die Flächen per Satellit nachgemessen werden“, sagt Imkereichef Lukas Hensel.

Bienen benötigen Winterruhe

Und ergänzt: „Auch wenn jetzt auf den Äckern Senf und blau blühende Phacelia eingesät wird, hilft das den Bienen nicht weiter. Wenn die Pflanzen in sechs Wochen blühen, sollten unsere Bienen Winterruhe halten. Die Winterbienen überleben den langen Winter nicht, wenn sie sich von Oktober bis Dezember abarbeiten. Bei uns waren die Winterverluste umso schlimmer, je dichter die sogenannten Greeningflächen entfernt waren.“

„Nach der Lindenblüte Anfang Juli finden die Bienen nicht mehr so viel Nektar, wie sie zum Leben benötigen. Jeder Blüte ist dann wichtig, um im Frühjahr wieder starke, leistungsfähige Bienenvölker zu haben“, weiß Oswald Hensel aus langjähriger Erfahrung. Mit der durchwachsenen Silphie steht eine widerstandsfähige Pflanze auf seinem Acker, die zum einen seine Bienen und weitere Insekten nährt und zu anderen die Biogasherstellung fördert. Eine klassische Win-Win-Situation praktisch, aus der der Imker und der Biogashersteller Nutzen zieht.

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