Christoph Schünemann (53) tritt als Bürgermeisterkandidat in Brakel an
„Ich will die Richtung vorgeben“

Brakel (WB). Christoph Schünemann (53) bewirbt sich für die Liste Zukunft in Brakel als Bürgermeister. Er sei hoch motiviert und erhalte viel Zuspruch. „Dass ich Bezug auf Willi Brandt genommen habe, spricht viele an“, betont der Brakeler.

Dienstag, 01.09.2020, 22:00 Uhr
Christoph Schünemann vor der Rolandssäule: Der 53-Jährige tritt für die Liste Zukunft bei der Bürgermeisterwahl an – er möchte Chef im Rathaus (im Hintergrund) werden.

Willi Brandt hatte in seiner Regierungserklärung 1969 „Mehr Demokratie wagen“ ausgerufen. Schünemann möchte wieder zum Politik-Stil der „alten Generation“ zurückkehren, wie er betont, und „in der Sache streiten, aber anschließend gemeinsam auf ein Bier mit allen gehen können“.

Er möchte Menschen für Brakel begeistern

„Ich bin jemand, der lieber führt, als unkritisch folgt“, erklärt Schünemann: „Anders als mein Mitbewerber, möchte ich nicht nur Teamplayer sein: Ich will die Richtung vorgeben.” Dass er nicht über eine Ausbildung oder Karriere in der öffentlichen Verwaltung verfüge, sehe er als Vorteil. „Wir holen dann einen Spezialisten von außerhalb nach Brakel und machen ihn zum Beigeordneten“, erklärt er seine Gedankenspiele. Anders als andere Bürgermeisterkandidaten, sähe er das nicht als Bedrohung oder gar Beschneidung seiner Freiheit, sondern als „Garant für den Erfolg“. Er könne sich so auf das konzentrieren, was er am besten könne: „Ich will Menschen für Brakel begeistern.“

Dies sei notwendig, damit sein neues Brakeler Finanzkonzept greifen könne. Er wolle die „großen Gewerbesteuer-Zahler“ nach Brakel holen und sei davon überzeugt, dass dies auch gelingen werde. Steuersparen sei „in“. Auch die bereits in Brakel angesiedelten Betriebe würden so entlastet. Auf die Frage, ob dies nicht unsolidarisch sei, antwortet er ohne zu zögern mit „Nein“. Die Stadt Brakel sei die wirkliche Mitte des Kreises Höxter und habe immer zurückgesteckt. Seiner Meinung nach hätte Brakel aufgrund seiner Lage Standort diverser überörtlicher Einrichtungen wie Kreisverwaltung, Kreispolizeibehörde und Zentralkrankenhaus für den Kreis sein müssen. Auch habe Brakel bisher auf echten Wettbewerb bei der Ansiedlung von attraktiven Geschäften verzichtet. Brakel hätte sich viel zu oft untergeordnet. „Es fing bei der Müllzentralisierung an, wo Brakel den günstigsten Kurs bei der Abfuhr zugunsten der anderen Städte ohne Not drangegeben hat, und hört bei der aktuellen Internetlösung auf“, so Schünemann.

Neue finanzielle Freiheit

Die „zentrale Lösung“ sei seiner Überzeugung nach auch Schuld an dem aktuellen „Qualitäts-Desaster“ im Bereich der Internetverbindung in den meisten Dörfern. Er würde als Bürgermeister zur Not einen eigenen Brakeler Weg für Glasfaser an „jeder Milchkanne“ gehen. Geld sei ja zukünftig dank des neuen Finanzkonzeptes genug da, behauptet er.

Die so gewonnene „neue finanzielle Freiheit“ will Schünemann unter anderem für kostenlose Kita-Plätze, eine Reduktion der Friedhofsgebühren und eine Festschreibung der Wasser- und Abwassergebühren auf dem heutigen Niveau nutzen. Offensiv sollen zukünftig leer stehende und abgängige Häuser auf den Dörfern aufgekauft, abgerissen und zu günstigen Konditionen als Bauland verkauft werden. „Niemand lebt gerne neben einer Ruine. So nimmt die Wohnqualität für die Nachbarn zu und es wird die Umwelt im Vergleich zu neuen Baugebieten geschont.“

Eine Herzensangelegenheit, führt Schünemann weiter aus, sei für ihn, dass die Dorfgemeinschaften Verfügungsbudgets zur eigenverantwortlichen Verwendung erhalten. Damit möchte er die kommunale Selbstverwaltung stärken und den hohen ehrenamtlichen Einsatz in den Dörfern honorieren. „Wenn mein neues Finanzkonzept greift, reden wir sicherlich von einem Betrag in Höhe des Mehrfachen der aktuellen Vereinsfördermittel.“

Einzelhandel retten

Den Einzelhandel in Brakel will Schünemann durch Ansiedlung attraktiver Geschäfte speziell auch auf der „grünen Wiese“ retten: „Wenn sich attraktive Geschäfte rund um das ehemalige Nethecenter ansiedeln, landet auch mehr Umsatz in der Innenstadt. Fahren die Leute erst einmal nach Paderborn, wird schnell auch das da gekauft, was es in Brakel durchaus schon heute gibt“, erläutert er. Als erstes müsse daher das Einzelhandelskonzept weichen – da dieses nur der Verhinderung von Ansiedlungen dienen würde.

Schünemanns Finanzkonzept sieht neben einer Reduktion der Gewerbesteuer auf einen Hebesatz von 250 Prozent auch die Initiierung einer Bürgerstiftung und die Einführung einer Annentagslotterie vor.

Christoph Schünemann, ledig und gelernter Bankkaufmann, hat nach elf Jahren im gelernten Beruf 25 Jahre den Betrieb seiner Familie an der Warburger Straße in Brakel geführt. Nach eigenem Bekunden liebt er die Natur, gutes Essen, schöne Autos und vor allen Dingen „mein Brakel“. Er bezeichnet sich selbst als Lokalpatriot. Sein größtes Vorbild ist Franz-Josef Strauß, dessen Aussage „Everybodys darling is everybodys Depp” er als Warnung für sich sehe und lebe danach.

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