KHWE entwickelt digitale Lernmodule – Kooperation mit dem DRK
Schüler lernen in virtuellen Welten

Höxter/Brakel (WB). Wenn Christin Jochheim durch den Gang von der Rezeption zur Sitzgruppe geht, die Einzel- und Doppelzimmer dort betritt und wieder verlässt, muss sie sich keinen Zentimeter fortbewegen. Das Geheimnis: virtuelle Realität.

Donnerstag, 06.08.2020, 21:00 Uhr aktualisiert: 07.08.2020, 15:42 Uhr
Ute Pägel (rechts) ist von der neuen Technik ebenso begeistert wie die Auszubildende Christin Jochheim. Im Monitor hinten ist eine Sitzgruppe im Krankenhausflur zu sehen, die Christin Jochheim ebenfalls in der Spezialbrille sieht Foto: Frank Spiegel

Die 21-jährige Warburgerin trägt eine Spezialbrille, mit der sie sich in den Zimmern und im Flur umsehen kann. In den Händen hält sie einen Controller, mit dessen Hilfe sie sich in den Räumen fortbewegen, Schalter umlegen, Schubladen öffnen und vieles mehr bewirken kann.

Ausbildung neu denken

Mit dem laut KHWE deutschlandweit neuen Projekt „VR in der Pflege“ soll virtuelle Realität Einzug in die Klassenzimmer des Bildungszentrums Weser-Egge in Brakel halten. Dabei sollen sowohl die Lehrkräfte als auch die Auszubildenden des Bildungszentrums Weser-Egge in Brakel Lerninhalte für den virtuellen Schauplatz selbst gestalten und produzieren. Mit der weiteren technischen Entwicklung könnten sich neue Möglichkeiten wie beispielsweise Blutdruck und Fieber messen sowie die Wundversorgung ergeben.

Ziel ist es, die Ausbildung der Pflegeschüler mit neuen Tools und Medien zu bereichern und vor allem attraktiver zu gestalten. „Wir wollen Ausbildung neu denken und unsere Lehrkräfte und Auszubildende dazu befähigen, mit virtuellen Lernumgebungen die Aus- und Weiterbildung effektiver zu gestalten“, beschreibt KHWE-Geschäftsführer Christian Jostes die Idee des Projekts.

Virtuelle Realität erlaubt die Ausbildung in der Pflege auch unter extremen Bedingungen und in Krisenzeiten: Die Auszubildenden können unabhängig von Ort und Zeit mit mobilen VR-Headsets auf jegliche virtuelle Inhalte zugreifen. Damit kann jederzeit Abstand eingehalten werden, auch wäre in besonderen Krisensituationen kein Präsenzunterricht notwendig.

Sicherheit gewinnen

„Gerade in der Corona-Zeit ist noch mal deutlich geworden, wie wichtig es ist, beim Thema Digitalisierung voran zu gehen. Es ist unser Anspruch, dabei an der Spitze zu stehen“, sagt Ute Pägel, Leiterin des Bildungszentrums Egge-Weser.

Auch könnten leistungsschwächere Schüler die Brillen mit nach Hause nehmen, dort üben und so Sicherheit gewinnen.

Die Arbeiten für das Projekt laufen seit mehreren Wochen auf Hochtouren. So wurden zwei Pflegezimmer und die Rezeption der Station acht des St.-Ansgar-Krankenhauses bereits mit modernen 3-D-Scannern erfasst und für eine 360-Grad-Ansicht digitalisiert.

Betreut wird das Projekt gemeinsam mit dem DRK Kreisverband Herford Stadt und einem KHWE-Team bestehend aus der Geschäftsführung, Lehrkräften des Bildungszentrums sowie der Unternehmenskommunikation.

Wie Thomas Pilz vom DRK erläuterte, soll das System noch weiter verfeinert werden. In etwa einem halben Jahr sollen die Kontroller, die derzeit noch in den Händen gehalten werden müssen durch Armbänder ersetzt werden. „Dann lassen sich in den virtuellen Zimmern noch realistischer Dinge anfassen“, berichtet er.

Auf die Idee des Lernens in virtuellen Räumen sei er durch die Ausbildung von Rettungssanitätern beim DRK in Herford Stadt gekommen. „Für die Ausbildung im Rettungswagen musste dieser immer außer Dienst gestellt werden“, blickt er zurück. Mit Hilfe von 360-Grad-Kameras hat er den Wagen digitalisiert, in dem sich die Nachwuchs-Retter frei bewegen, alle Klappen öffnen und alle Geräte bedienen können. Durch die Bekanntschaft des Herforder DRK-Mitgliedes Markus Oh mit Christian Jostes entstand der Kontakt. Schnell war die Idee umgesetzt, eine Station zu digitalisieren und für die Ausbildung in der Pflege zu nutzen.

Das hat sich inzwischen schon über den Kreis Höxter hinaus herumgesprochen. Christian Jostes: „Es gibt bereits erste Anfragen von Berufsfachschulen, die aktuell ohne eigene Pflege-Übungsräume lehren müssen und demnach besonders an Lernen mit Virtual Reality interessiert sind.“

Erste Anfragen

Auch Christin Jochheim ist begeistert. „Vor allem Auszubildende, die die Abläufe in einem Krankenhaus noch nicht kennen, können so einen Einblick bekommen“, sagt die junge Frau, die im dritten Ausbildungsjahr ist.

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