Kirche, Musik und Handel am ausgefallenen Annentags-Wochenende
Heilige Mutter Anna wird weiter verehrt

Brakel (WB). Die Stimmung war am vergangenen Wochenende gedrückt und ein wenig traurig, doch trotzdem konnten sich einige Bürger aus Brakel und Umgebung freuen. Mit dem Wegfall des Annentags 2020 zerschlug sich ein ereignisreiches Wochenende mit vielen Feiern, Shoppen und Karussell fahren. Zudem blickten die Katholiken mit Sorge auf dieses erste Wochenende im August, an dem seit mehr als 500 Jahren die Heilige Mutter Anna verehrt wird, und diese am Annentags-Sonntag immer durch die Straßen von Brakel getragen wird. Dieser spezielle Sonntag ohne Festgottesdienst an der Annenkapelle, ohne Prozession und ohne die Heilige Mutter Anna? Für viele undenkbar.

Sonntag, 02.08.2020, 22:00 Uhr aktualisiert: 03.08.2020, 08:32 Uhr
Beinahe sieht es nach einem „normalen“ Annentags-Wochenende aus: Die Annaträger tragen die Heilige Mutter Anna während der Vorabendmesse am Samstag über den Kirchplatz. Die Stadtkapelle (links im Bild) spielt dazu. Foto: Carla Drewes/Stadt Brakel

Doch es sollte anders kommen. Zum einen sind die Annenbasen, also ehemalige Bürger der Stadt, trotzdem nach Brakel gekommen und haben ihre Familien und Freunde besucht. Denn Annentag ist Gesetz, auch für weit entfernt Wohnende. Und die haben in kleinen Kreisen privat gefeiert, statt auf der großen Kirmes. Autos mit Hamburger, Cuxhavener oder Heidelberger Kennzeichen, um nur einige Städte zu nennen, standen vor den Häusern.

Mandeln und Popcorn

Der Handel hat auch reagiert und sieben Geschäfte öffneten am vergangenen Freitagabend bis 21 und am Samstag bis 18 Uhr ihre Geschäfte. Vor allem der Freitag lief geschäftlich gut, darüber sind sich die Ladeninhaber einig. Wer typische Kirmesleckereien wie Mandeln, Popcorn oder das Annentags-Lebkuchenherz vermisste, konnte sich diese im Annentag-Shop besorgen. Die Stadt Brakel sorgte dafür, dass auch der traditionelle Bierfass-Anstich mitverfolgt werden konnte. Zwar nur virtuell online – aber jeder konnte sehen, wie Bürgermeister Hermann Temme gekonnt mit drei Hammerschlägen das Fass anstach.

Und auch Pfarrer Willi Koch hatte weit im Vorfeld darüber gesprochen, dass der kirchliche Annentag, also der Ursprung, nicht aufgrund der Corona-Pandemie komplett ausfallen könne. So wurden die sieben Novenen vor Annentag aus der Annenkapelle ohne Publikum per Live-Stream ausgestrahlt. Und das Wetter spielte Koch in die Karten, so dass der Pfarrer mehrere Wochen vor dem ersten August-Wochenende bereits die Gottesdienste am Sonntag auf dem Kirchplatz abhalten konnte und die Besucher mit viel Abstand zueinander auch singen durften.

Annentag in Brakel

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Foto: Reinhold Budde
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Anna auf dem Kirchplatz

Die Vorabendmesse am vergangenen Samstag war für viele Besucher ein kleines Annentags-Festhochamt. Elf Mitglieder der Stadtkapelle sorgten auf dem Kirchplatz für die Musik unterstützt von Organist Werner Bornefeld-Ettmann. Und als die Heilige Mutter Anna von den Annaträgern aus der Kirche geholt wurde und über den Weg des Kirchplatzes getragen wurde, um dann inmitten der Besucher abgestellt zu werden, waren etliche Katholiken sichtlich ergriffen. Diese kleine Prozession wurde musikalisch von der Stadtkapelle begleitet, inklusive Annentusch. Und zum Schluss sprach Bürgermeister Hermann Temme noch zu den Bürgern.

Das Festhochamt am Sonntag vor der Annenkapelle musste Corona-bedingt in der Kapelle und ohne Besucher gefeiert werden. Während sonst Hunderte Pfarrer Kochs Worten und denen seiner internationalen Gästen vor der Kapelle lauschen, stand der Pfarrer dieses Jahr alleine Altar, umgeben von zwei Kameraleuten und sprach seine Predigt. Draußen vor der offenen Kapellentür warteten Stefan Kleibring, Lucas Kretzer und Werner Bornefeld-Ettmann von der Stadtkapelle auf ihren musikalischen Einsatz.

Ohne Besucher

„Es ist schon ein ganz merkwürdiges Gefühl, in die Kamera zu schauen und ohne Publikum eine Messe abzuhalten. Ich stehe hier heute zum 30. Mal hinter dem Altar, und so etwas ist mir noch nie passiert. Aber ich weiß, dass ich online trotzdem ganz viele Gläubige erreiche, und das beruhigt mich“, sagte Pfarrer Willi Koch kurz vor Beginn der Messe.

Und was sagt die Stadtkapelle Brakel zu ihren ersten Einsätzen seit Monaten? „Wir sind so happy, endlich wieder spielen zu dürfen, auch vor Publikum. Zwar nur in kleiner Formation, aber die wechselt. Wir konnten keine Schützenfeste und andere Feste besuchen, das war eine harte Zeit für uns, denn alle Festivitäten waren ja abgesagt“, sagten Lucas Kretzer und Stefan Kleibrink gestern morgen dieser Zeitung. Und gestern Nachmittag haben sie zusammen mit dem Fanfarenzug Brakel vor dem St. Antonius-Seniorenhaus und vor Brakeler Kneipen gespielt. Sehr zur Freude der Zuhörer zogen sie spielend durch die Straßen und kleinen Gassen. Der Applaus war ihnen sicher.

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