Edmund Johlen erhält den seltenen Eisernen Meisterbrief
Vor 65 Jahren die Prüfung abgelegt

Hampenhausen (WB). Der Eiserne Meisterbrief ist eine Auszeichnung, die nur die Wenigsten erhalten. Vor 65 Jahren bestand Edmund Johlen aus Hampenhausen seinen Meister in Fürstenberg und war damals der erste landwirtschaftliche Meister im Altkreis Warburg. Auch heute darf sich der 95-Jährige über eine Premiere freuen, denn noch nie hat ein landwirtschaftlicher Meister den Eisernen Meisterbrief seit dem Zweiten Weltkrieg in Nordrhein-Westfalen entgegennehmen können.

Freitag, 05.06.2020, 05:00 Uhr
Das hat es bisher noch nie in NRW nach dem Zweiten Weltkrieg gegeben: einen landwirtschaftlichen Eisernen Meisterbrief. Über diese Auszeichnung freuen sich Kreislandwirt Heinrich Gabriel (von links), Ehefrau Wilma Johlen, Geschäftsführer Stefan Berens, Edmund Johlen, der ehemaliger Leiter der Kreisstelle, Dr. Josef Lammers sowie Geschäftsführer der Kreisstelle Höxter-Lippe-Paderborn, Dr. Friedhelm Poeschel, gemeinsam. Foto: Ellen Waldeyer

Seltene Auszeichnung

„In dieser außergewöhnlichen Zeit freue ich mich, diese seltene Auszeichnung überreichen zu dürfen“, sagte Kreislandwirt Heinrich Gabriel bei seiner Laudatio. Anders als bei der Übergabe des Diamantenen Meisterbriefs vor fünf Jahren sind bedingt durch die Corona-Krise nur der engste Familienkreis sowie einige wenige Ehrengäste zusammengekommen, um dieses bedeutsame Ereignis zu feiern.

„Sie können stolz auf Ihr Leben zurückblicken“, sagte Heinrich Gabriel zu Edmund Johlen und erzählt von dessen beruflichen sowie persönlichen Werdegang.

Die Familie Johlen hat schon seit etlichen Jahren landwirtschaftliche Betriebe in Hampenhausen geführt und ist mit dem 40-Einwohner-Dorf fest verwurzelt. 1777 führte die erste Generation der Familie einen Hof, der damals noch in der Dorfmitte lag. Edmund Johlen wurde 1924 als Landwirtssohn geboren und legte seine eigene landwirtschaftliche Gehilfenprüfung 1941 mit 17 Jahren ab.

1955 die Prüfung gemacht

Nur ein Jahr später wurde er zur Wehrmacht und in den Kriegsdienst einberufen, aus dem er erst kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs im Mai nach langem Fußmarsch aus dem Harz zurückkehrte. Die damalige Aufbruchsstimmung nach dem Krieg nutzte er, um sich fortzubilden und am 27. Mai 1955 die landwirtschaftliche Meisterprüfung in Fürstenberg beim Graf von Westphalen anzutreten.

1961 übernahm Edmund Johlen den Elternhof und heiratete seine Frau Wilma. Der Ehe folgten vier Töchter. Der Hampenhauser führte den Hof gut, allerdings wollte er den Betrieb weiter vergrößern, was im Dorfkern nicht möglich war. Deshalb entschied er sich für die Aussiedlung des Hofes auf das freie Feld. Der Johlen-Hof galt seiner Zeit mit 36 Hektar, zahlreichen Tieren und immer wieder neuen Lehrlingen als überdimensional groß, und auch weitere Neuerungen sowie Ausbauten standen noch auf dem Plan. 1989 übernahm die jüngste Tochter Sigrid den Hof und heute hält die zehnte Generation der Familie den Betrieb in der Erfolgsspur. Das neueste Projekt der Familie ist die „Hummelwiese“ (wir berichteten), wofür sich die Kinder und Enkelkinder von Edmund Johlen stark machen.

Im Bereich der Landwirtschaft sind 65 Jahre eine Zeit starker Veränderungen. Wenn man jungen Landwirten oder auch anderen Kindern und Jugendlichen heute erzählt, wie noch 1955 gearbeitet wurde, würden diese mit dem Kopf schütteln. Zu der damaligen Zeit konnte man von den zahlreichen technischen Maschinen, die heute zum Alltag jedes Landwirts gehören, nur träumen. Traktoren mögen einem zwar schon sehr alt vorkommen und gehören heute zu jedem Hof dazu, doch dass sich die Landwirte diese technischen Hilfsmittel anschafften, war Trend der 50-er Jahre. Mähdrescher kamen sogar erst in den 60-er Jahren auf – und zu der Zeit hatte noch längst nicht jeder Betrieb ein solches Gerät.

Mit den Händen gearbeitet

Edmund Johlen hat noch miterlebt, wie damals ohne Traktor und Mähdrescher gearbeitet wurde. „Meistens haben wir Vieh vor die Werkzeuge gespannt“, erzählt er in der kleinen Runde zur Feier seines Eisernen Meisterbriefs. „Aber auch mit den eigenen Händen wurde tatkräftig gearbeitet und zugepackt. Ich habe beispielsweise noch gelernt, wie man den Dünger richtig schmeißen muss und welchen Fuß man dabei zuerst nach vorn setzt“, sagt der 95-Jährige in Erinnerungen schwelgend.

Maschinen ersetzen Tiere

Damals seien die Landwirte fest überzeugt gewesen, dass besonders die starken Pferde niemals von der Arbeit auf Hof und Feld verschwinden würden, erinnern sich auch die Gäste Dr. Friedhelm Poeschel und Dr. Josef Lammers. Man habe die Maschinen und Neuerungen belächelt und ihnen keine Zukunft gegeben. Dass das Gegenteil eingetroffen ist, wissen wir heute. Umso interessanter ist es für einen Landwirt wie Edmund Johlen, die vielen Veränderungen am eigenen Leib miterlebt zu haben und heute davon erzählen zu können.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7436452?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198395%2F2851041%2F
Explosion in Beirut: Mindestens 50 Tote und 2700 Verletzte
Rauch steigt nach einer Explosion über den Trümmern eines zerstörten Gebäudes auf.
Nachrichten-Ticker