Erzbistum schlägt vor, die Prozessionen in den Herbst auf den 14. September (Fest Kreuzerhöhung) zu verschieben
Erstmals seit dem Krieg keine Kreuztracht

Gehrden/Pömbsen (WB). Die Corona-Pandemie sorgt dafür, dass die Gehrdener Kreuztracht am Karfreitag abgesagt werden muss. Auch in Pömbsen gibt es keine Karfreitags-Prozession – in beiden Orten wohl erstmals seit Menschengedenken und seit dem Zweiten Weltkrieg.

Donnerstag, 09.04.2020, 19:39 Uhr aktualisiert: 09.04.2020, 19:45 Uhr
Kreuztracht in Gehrden 2019: Dieses Jahr fällt die Prozession auf den Katharinenberg aus. Foto: Michael Robrecht

Karfreitag: Erinnerung an Kreuztracht in Gehrden 2019

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In Gehrden ist eine Alternative gefunden worden. Das Karfreitagskreuz liegt in der Kirche vor dem Altar. Interessierte können weiterhin ihre Fürbitten darauf ablegen. Der Kreuzweg kann dann privat gebetet werden – auch am Katharinenberg. Kreuzweggebete sind zu finden im Gotteslob (Nummer 683/884 sowie Nummer 903). Um 9.55 Uhr gibt es auch eine Kreuzweg-Telefonkonferenz. Die Einwahl erfolgt unter Telefon 06151/275265550 (PIN-Code 4310).

Das Erzbistum schlägt vor, die Prozession in den Herbst zu verschieben. Der 14. September ist das Fest Kreuzerhöhung. Es wird überlegt, an diesem Abend ein Festhochamt zu feiern. Am 17. September soll das für April geplante Konzert mit „Ars Choralis Coeln“ in Gehrden stattfinden.

Die Gehrdener Kreuztracht ist in der Passionsfrömmigkeit des Mittelalters verwurzelt und geht auf ein Erstärken des Glaubenslebens nach den Wirren der Reformation in Deutschland zurück. Ein als Jesus verkleideter Büßer, begleitet von einem ebenfalls verkleideten Simon von Cyrene, zog mit den Gläubigen den Katharinenberg hinauf.

Am Karfreitag gedenkt die Kirche des Todes Jesu und erwartet die Feier der Auferstehung. Zum Karfreitagsgeschehen im Erzbistum Paderborn gehören seit dem 17. Jahrhundert die so genannten großen Kreuztrachten. Anonym, in entsprechender Verkleidung oder Maskierung, tragen Jesus-Darsteller schwere Holzkreuze auf den Schultern. Auf diese Weise gedenken zahlreiche Gläubige der Passion Jesu Christi und seines Wegs durch Jerusalem, bevor er auf dem Berg Golgota gekreuzigt wurde. Folgende Orte in Westfalen kennen die Tradition der Kreuztracht: Bad Driburg-Pömbsen, Brakel-Gehrden, Delbrück, Menden, Sundern-Stockum, Wiedenbrück, Coesfeld, Hörstel-Bevergern.

Auf die Passionsfrömmigkeit in Gehrden können die seit 1142 bezeugte Benediktinerabtei und ein Schmerzenskruzifixus aus der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts hinweisen. Das Kruzifixus beherbergte in der Brust eine Partikel des Heiligen Kreuzes und wird bis auf den heutigen Tag zur Kreuzverehrung am Karfreitag den Gläubigen gezeigt. Anschließend wird die Kreuzpartikel, die sich heute in einem gesondertem Reliquiar befindet, von den Gläubigen verehrt. Zuvor wird jedoch in der Pfarrkirche die Leidensgeschichte gelesen, bevor sich die Kreuzträger mit dem schweren Holzkreuz auf den Weg machen. Alle Gläubigen sind eingeladen, am Todestag des Herrn Jesus Christus seinen Leidensweg nachzugehen und der Leiden des Menschengeschlechtes zu gedenken, die er in unendlicher Solidarität auf sich genommen hat.

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