Bökendorfer Vereine unterhalten die Bewohner des St.-Josef-Seniorenhauses „Wir halten zusammen“

Bökendorf (WB). „Es war wie ein Schock für uns und vor allem für unsere Senioren, als sie erfuhren, dass vom 14. März an für vorerst unbestimmte Zeit die Türen geschlossen werden müssen“, sagt Ursula Meiwes. Sie ist Pflegedienstleiterin des St.-Josef-Seniorenhaus in Bökendorf: „Denn kein Bewohner konnte mehr auf die Straße hinaus oder Besuch empfangen.“

Von Reinhold Budde
Christof Lücking, Vorsitzender des Heimatvereins, Pflegefachkraft Christina Lintemeier mit einem Präsentkorb und Sandra Ortmann mit Tochter Emelie stehen vor dem Zaun des Seniorenhauses, der mit Bilder und Selbstgebasteltem versehen ist.
Christof Lücking, Vorsitzender des Heimatvereins, Pflegefachkraft Christina Lintemeier mit einem Präsentkorb und Sandra Ortmann mit Tochter Emelie stehen vor dem Zaun des Seniorenhauses, der mit Bilder und Selbstgebasteltem versehen ist. Foto: Reinhold Budde

Als der Heimatverein Bökendorf davon hörte, habe außer Frage gestanden, dass die Mitglieder reagieren müssen, berichtet Sandra Ortmann. „Denn die Senioren gehören zu unserer Gemeinschaft in Bökendorf wie jeder andere Bewohner auch. Etliche Einwohner gehen mit den Senioren spazieren, unterhalten sich mit ihnen im Seniorenhaus oder trinken mit ihnen Kaffee. Und jetzt sollen wir sie alleine lassen? Das geht nicht, denn wir halten zusammen“, sagt Sandra Ortmann.

Alle Vereine kümmern sich

Volle Unterstützung fand sie beim Vorsitzenden des Heimatvereins, Christof Lücking, der von der Idee begeistert war. „Alle Vereine haben sich bisher recht viel um die Senioren gekümmert, egal ob Musik-, Sport- oder Heimatverein, um nur einige zu nennen. Und wir haben nachgedacht, wie wir den Senioren trotz Kontaktverbot eine Freude machen können“, führt Ortmann aus.

Jede Woche übergibt der Heimatverein nun einen Brief an das Seniorenhaus für die Bewohner. In der ersten Wochen gab es dazu 50 Tulpen für die 43 Bewohner und die Pflegefachkräfte. In den Briefen stehen Rätsel mit Fragen wie „Welcher Knopf wird im Fahrstuhl am meisten gedrückt?“ Natürlich Knopf E wie Erdgeschoss. Ein anderes Mal müssen Märchen erraten werden und es gibt auch Neuigkeiten zu verkünden aus dem Dorf – nur gute Nachrichten, wie Sandra Ortmann betont. Jeden Freitag kommt ein Brief, der von den Senioren mit Begeisterung erwartet wird. Denn sie wissen, dass die Leute an sie denken, und haben Freude beim gemeinsamen Rätseln und Hören der neuesten Nachrichten im Ort.

Musik darf nicht fehlen

Und die Musik darf auch nicht fehlen. Dafür ist der Musikverein Bökendorf zuständig, der ganz spontan mit ein, zwei oder mehr Mitgliedern ein Ständchen vor dem Seniorenhaus hält.

„Und auch mit Süßigkeiten werden die Bewohner zwischendurch versorgt. Mal sind es Glückskäfer aus Schokolade, zu Ostern gibt es Pralinen in aufwendig verpackten Kisten, die freundlicherweise von der Eventagentur Fee aus Höxter gesponsert werden. Sebastian Queren von Funtastic Media aus Brakel hat gelbe, selbstklebende Aufkleber für die Pflegefachkräfte gesponsert, auf denen steht: „Ich schütze alle.“

Pünktlich zu Ostern ging der vierte Brief – ausnahmsweise am Gründonnerstag – zu den Bewohnern des Seniorenhauses. In der Einleitung steht: „Frohe Ostern und von ganzem Herzen ganz viel Gesundheit wünscht Euch, den Bewohnern und dem Team, der Heimatverein Bökendorf mit Christof Lücking, Sandra Ortmann, Christian Sander und Falk Brenke. Die vierte Woche ist um, der vierte Brief da! Toll ist, dass jetzt schon vier Wochen vergangen sind, ohne dass Ihr krank geworden seid oder etwas passiert ist. Unser großer Dank gilt dem Pflegeteam ...“

Alte Tradition lebt weiter

Freuen dürfen sich die Senioren dieses Jahr auch wieder auf eine alte Tradition, das Kläpern der Messdiener. Eigentlich wären sie wieder von Karfreitag morgens bis Ostersamstag abends gemeinsam durch das Dorf gezogen, um um 6, 12 und 18 Uhr zu kläpern. Das ist aufgrund der Corona-Beschränkungen in diesem Jahr nicht möglich. Deshalb steht jeder Messdiener im Ort vor seiner eigenen Tür und kläpert und singt für sich, aber trotzdem gemeinsam. Und da das Dorf klein ist, hoffen die Messdiener, dass auch die Senioren die einzelnen Teilnehmer hören können und wissen, dass Ostern ist.

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