14 Hektar werden in Brakel aufgeforstet – Politik und Verwaltung vor Ort
Im „Bürgerwald“ keimt Hoffnung

Brakel (WB). Die Wälder im Kreis Höxter haben in den vergangenen Jahren durch Stürme, Dürre und Borkenkäfer massiv gelitten – doch jetzt keimt unter anderem in Brakel Hoffnung: Im Modexer Wald wird im großen Stil aufgeforstet. Vertreter des Stadtrates und der Verwaltung haben sich am Samstag bei einer ausgiebigen Wanderung mit Förster Harald Gläser selbst ein Bild von der Lage gemacht.

Montag, 09.03.2020, 05:30 Uhr aktualisiert: 09.03.2020, 05:50 Uhr
Vertreter von Politik und Verwaltung haben die Aufforstungsflächen in Brakel am Samstag begutachtet. Foto: Dennis Pape

Auf einer Freifläche im Modexer Wald wächst seit Samstag eine kleine „Bürgermeisterbuche“ und steht symbolisch für die Zukunft des Forstes im Stadtgebiet Brakel – die hat Hermann Temme nämlich bei der Wanderung selbst pflanzen können. Auch die weiteren Teilnehmer konnten hautnah erfahren, was es bedeutet, der „Lunge der Welt“ wieder neues Leben einzuhauchen.

1540 Hektar Stadtwald

„Wir haben 1540 Hektar Stadtwald – und damit das zweitgrößte Gebiet im Kreis Höxter nach der Stadt Warburg“, erläuterte Temme, der die Wichtigkeit des Waldes unterstrich: „Er hat nicht nur eine ökonomische Funktion, auch der Identifikationsfaktor für unsere Bürger ist immens wichtig. Wir haben hier ein Naherholungsgebiet praktisch direkt vor der Haustür. Leider hat dieses in den vergangenen Jahren durch Sturm, Dürre und Borkenkäfer stark gelitten“, so das Stadtoberhaupt.

Dass sich alle Fraktionen des Rates an der Begehung beteiligt hatten, zeige auch die Wichtigkeit des Themas. „Wir freuen uns, dass wir mit Harald Gläser seit diesem Jahr einen sehr erfahrenen Förster für den Brakeler Stadtwald haben, der neue und innovative Ideen einbringt und eine klare Philosophie von einem klimaresistenten Forst hat.“ Und dass es auch um Identifikation gehe, zeige eine weitere Idee des Försters: Der Stadtwald soll in Zukunft den Namen „Bürgerwald“ tragen und ein eigenes Logo erhalten – darüber stimmt der Rat in seiner Sitzung am 2. April ab.

14 verschiedene Baumarten

Mehr als 180 Hektar Freifläche gebe es laut Harald Gläser angesichts der verschiedenen Problemfaktoren derzeit. „Das ist eine große Aufgabe für die Zukunft“, sagt der Förster. Die neu gepflanzten Bäume stünden im besten Fall für die nächsten 140 Jahre, damit gehe „eine große Verantwortung gegenüber unserer Kinder und Enkel“ einher. Apropos Zukunft: Die sei in der Natur nicht so leicht vorauszusehen. „Niemand kann zu 100 Prozent sagen, welche Auswirkungen der Klimawandel für unsere heimischen Wälder noch haben wird. Deshalb ist es wichtig, auf verschiedene Baumarten zu setzen, um das Risiko zu streuen“, erläuterte der Experte.

Dementsprechend setze man bei der aktuellen Aufforstung von insgesamt 14 Hektar Fläche auf 14 verschiedene Baumarten – dazu gehören unter anderem die Eiche, Buche, Douglasie, Mammutbaum oder entlang der Wege auch Elsbeere und Roteiche. Verschiedene Arten würden teilweise auf unterschiedlichen Flächen platziert, die jeweiligen Begebenheiten müssten beachtet werden. In diesem Haushaltsjahr sei ein Kostenvolumen von 100.000 Euro für Aufforstungen eingeplant. Optional solle aufgestockt werden.

Konzept mit Jägern

Angepflanzt werden in Brakel kleine drei- bis vierjährige Exemplare aus der Baumschule. „Es gibt auch die Möglichkeit, ältere und damit bereits größere Bäume zu pflanzen, jedoch haben wir hier Damm- und Sikawild, das auch auf einer Höhe von 1,20 Meter noch verbeißen kann. Außerdem könnte angesichts des Windes auf unseren Flächen die Statik der jungen Bäume in Mitleidenschaft gezogen werden – kleinere Bäume haben später stärkere Wurzeln“, betonte Gläser. Generell seien die Pflanzenpreise um bis zu 30 Prozent gestiegen, weil unter anderem das natürliche Saatgut für einige Arten fehle.

Wie gut sich die aufgeforsteten Bereiche in Zukunft entwickeln, hänge auch mit der Wilddichte zusammen. „Deswegen möchten wir zusammen mit den Jägern ein Konzept aufstellen, um die nötigen Schutzmaßnahmen so gering wie möglich zu halten“, erläuterte der Förster.

Die aufzuforstenden Flächen in Brakel sind mit speziellen Bodenfräsen vorbereitet worden. Dort soll die Zukunft des Waldes in Brakel und damit auch die Hoffnung keimen – „die Natur hat uns vor eine besondere Aufgabe gestellt, die nun auch Chancen für einen zukunftsfähigen Wald bietet. Wir wollen diese Herausforderung gemeinsam angehen“, lautet Gläsers Devise.

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