NRW-Literaturprojekt Stadt.Land.Text – Yannic Federer vier Monate zu Gast
OWL hat einen Regionalschreiber

Brakel (WB). Ostwestfalen-Lippe hat einen Regionalschreiber. Für vier Monate lebt Yannic Han Biao Federer (34) an vier verschiedenen Orten in OWL und verfasst Texte. Seit Dienstag wohnt der Autor aus dem Kölner Raum in Brakel-Bellersen im Kreis Höxter und erkundet die Gegend.

Mittwoch, 04.03.2020, 11:00 Uhr aktualisiert: 05.03.2020, 10:38 Uhr
Yannic Federer (34) schreibt seit Dienstag über Ostwestfalen-Lippe. Seine erste Station ist Brakel im Kreis Höxter. Foto: Max Grönert

Das Literaturprojekt des NRW-Kulturministeriums heißt Stadt.Land.Text und schickt zehn Autorinnen und Autoren in zehn Regionen Nordrhein-Westfalens. Dort sollen sie ihren ganz eigenen Blick auf Land und Leute werfen und ihre Eindrücke mit sprachlichen Mitteln verarbeiten – und vor allem auf der Internetseite www.stadt-land-text. de veröffentlichen.

Yannic Federer gesteht ganz offen, dass OWL nicht seine erste oder zweite Wahl war. „Bei der Bewerbung habe ich Rheinschiene und Bergisches Land als Präferenz angegeben, und zwar aus einem einfachen Grund. Ich wohne bei Köln und habe im Literaturhaus Köln gearbeitet. Die Anstellung wollte ich eigentlich nicht aufgeben“, sagt der 34-Jährige. Aber als ihn die Zusage der Jury mit OWL als Ziel erreichte, dachte er darüber nach und entschloss sich, den Job aufzugeben und für vier Monate nach Ostwestfalen-Lippe zu gehen. Die Autoren erhalten jeweils 7200 Euro in Form eines Stipendiums.

„Der Paderborner Dom hat mich überwältigt”

Nach dieser Entscheidung fuhr Federer zwischen den Jahren in die Region und schaute sich einige Städte an. „Paderborn hat mich total überrascht, ich kannte die Stadt nur vom Namen und vom Dosenbier an der Tankstelle. Der wunderschöne Dom und die Innenstadt haben mich ziemlich überwältigt.“

Yannic Federer ist ein durchaus schon bekannter Schriftsteller. Sein Debütroman „Und alles wie aus Pappmaché“ ist 2019 bei Suhrkamp erschienen. Und beim renommierten Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt hat er im vorigen Jahr den Preis des TV-Senders 3sat gewonnen .

Aufgewachsen auf dem Dorf im Südbadischen beschäftigt ihn die Provinz schon immer. Das zeigt sich auch in seinem ersten Roman. „Das Spannungsfeld zwischen hochverdichteter Urbanisierung auf der einen Seite und ländlichem Raum auf der anderen Seite ist literarisch reizvoll. In meinem Buch geht es auch um Jugend in dörflicher Struktur und die Verstreuung des Freundeskreises in aller Herren Länder“, sagt Federer und erkennt auch den zunehmenden Stadt-Land-Konflikt: „Ich wohne jetzt schon länger in Städten und sehe, dass es da eine Spaltung gibt, die zu einseitigen Blickwinkeln führt. Das ist nicht immer gerechtfertigt und auch nicht hilfreich.“

Marienmünster wird seine zweite Station

Nach dem März in Brakel-Bellersen ist Marienmünster im April die zweite Station. Den Mai möchte er sich etwas freier gestalten, und im Juni ist Herford sein temporärer Wohnsitz. Untergebracht wird er in Pensionen, in einer Klosterkammer und in einem WG-Zimmer. Zu Fuß („Da sieht man am meisten“) und mit Bus und Bahn bewegt er sich fort. „Die Verbindungen auf dem Land sind nicht so gut, das wird vielleicht ein bisschen abenteuerlich.“

Seine Texte plant er wöchentlich im Netz zu veröffentlichen. Dabei soll der Ansatz möglichst frei sein. „Ich bevorzuge literarische Produktion ohne enges Korsett. Wenn ich mit offenen Augen und Ohren unterwegs bin, sehe ich mehr, als wenn ich mir vorher vornehme, wie ich zu gucken habe.“ Begleitet werden die wöchentlichen Blog-Berichte mit Fotoserien bei Instagram. „Damit kann ich vor Veröffentlichung der Texte auf den Termin hinweisen.“ Kann aus den vier Monaten in OWL ein Buch entstehen? Da ist sich Federer nicht sicher. Zuerst wolle er seinen zweiten Roman abschließen.

Sicher ist er sich allerdings bei den Sehenswürdigkeiten, die er besuchen möchte. „Vom Hermannsdenkmal und den Externsteinen habe ich viel gehört.“

Mehr Informationen über das Projekt gibt es hier.

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