Betroffene schätzen Betreuung durch Kinder- und Jugendhospizdienst Paderborn-Höxter „Unser Auftrag ist die Familie“

Brakel (WB). Wenn Tina kommt, ist für die Geschwister ihres lebensbedrohlich erkrankten Bruders Spaß angesagt. Spaß, der aus Rücksicht auf den Bruder im Alltag oft zu kurz kommt. Tina heißt eigentlich Christina Pape. Die Brakelerin arbeitet ehrenamtlich im Ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienst Paderborn-Höxter mit. Einmal in der Woche besucht sie die Geschwister.

Von Frank Spiegel
Christina Pape (links) und Gabriele Leifeld engagieren sich im Ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienst Paderborn-Höxter.
Christina Pape (links) und Gabriele Leifeld engagieren sich im Ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienst Paderborn-Höxter. Foto: Frank Spiegel

Christina Pape ist eine von mehr als 50 ausgebildeten ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen, die 25 Familien in den Kreisen Höxter und Paderborn betreuen – zum Teil schon über Jahre hinweg. Zu fünf Familien besteht ein eher loser Kontakt.

Ehrenamtliche Arbeit

Allen gemeinsam ist, dass in den Familien ein Kind oder Jugendlicher an einer lebensverkürzenden oder einer lebensbedrohlichen Krankheit leidet. Das können Muskeldystrophien, Trisomie 18, verschiedene Gendefekte beziehungsweise Krebs oder Herzfehler sein.

Tag der Kinderhospizarbeit

Der Ambulante Kinder- und Jugendhospizdienst weist besonders auf Montag, 10. Februar, hin, den Tag der Kinderhospizarbeit. An diesem Tag macht der Deutsche Kinderhospizverein, dem der Ambulante Kinder- und Jugendhospizdienst Paderborn-Höxter angehört, bundesweit auf die Situation von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen aufmerksam, die lebensverkürzt erkrankt sind, aber auch auf die Situation der Eltern und Geschwister. Denn mit der Diagnosestellung einer lebensverkürzenden Erkrankung ändert sich die Lebenssituation für alle. Der Ambulante Kinder- und Jugendhospizdienst Paderborn-Höxter zeigt daher bereits am Sonntag, 9. Februar, um 11 Uhr im Kino in Bad Driburg den Film „Kleine Helden“.

Der Bruder, für dessen Geschwister Christina Pape da ist, hat ein Organ transplantiert bekommen. Um ihn kümmert sich eine andere Mitarbeiterin des Ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienstes. Christina Pape ist für die gesunden Kinder in der Familie da – einmal in der Woche für zweieinhalb Stunden.

„Wenn ich komme, stehen die Kinder immer schon gestiefelt und gespornt da“, berichtet Christina Pape. Die Unternehmungen sind nicht unbedingt aufwändig. Oft ist es ein Besuch auf dem Spielplatz, bei dem sich die Kleinen austoben können. Dass ihr Bruder sterben könnte, spielt bei den Besuchen von „Tina“ höchstens mal am Rande eine Rolle. „Die Kinder oder auch die Eltern fordern nichts. Sie sind schon zufrieden, wenn wir einfach miteinander rausgehen“, so die Brakelerin.

Zweieinhalb Stunden Zeit pro Woche

„‚Sie haben uns zwei Engel geschickt‘, haben die Eltern der Kinder zu mir gesagt“, berichtet Gabriele Leifeld, eine von drei Koordinatorinnen des Ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienstes. Diese seien sehr dankbar, dass sich zwei Menschen um ihre Kinder kümmern, ihnen so Erlebnisse ermöglichen, für die im Alltag, der die Betreuung eines schwer kranken Kindes beinhaltet, oft kein Platz ist.

So erinnert sich Christina Pape daran, als der Bruder ins Krankenhaus musste, eines seiner Geschwister aber Geburtstag hatte in dieser Zeit. „Schon dreimal musste eine Geburtstagsfeier ausfallen, weil der Bruder im Krankenhaus war“, erinnert sich Christina Pape. Jetzt war sie da und hat einen Kindergeburtstag ermöglicht.

Zweieinhalb Stunden ihrer Freizeit pro Woche investiert sie in die Betreuung der Kinder – und sie bekommt viel von ihnen zurück. „Das Leben wird bunter. Ich erfahre eine unfassbare Wärme und Wertschätzung“, nennt sie Beispiele.

Stärke und Achtsamkeit

Sie sei beeindruckt, welche Stärke und Achtsamkeit die Familie entwickele. „Man lernt schon das Kleine zu schätzen“, sagt sie. Neben den Einzelbetreuungen gibt es auch gemeinsame Unternehmungen wie Familientreffen, Elternfrühstücke oder Geschwisterangebote, etwa im Wald oder an anderen Orten. In diesem Jahr steht zum Beispiel ein gemeinsamer Ausflug zum Möhnesee an. Alle Familienmitglieder können daran teilnehmen, auch die erkrankten.

„Die Familien sind unsere Auftraggeber“, stellt Gabriele Leifeld klar. Der Ambulante Kinder- und Jugendhospizdienst biete Begleitung an, die Eltern sagte, was sie bräuchten. Die Koordinatorin: „Das können oft Dinge sein, die mit der Krankheit unmittelbar nichts zu tun haben, zum Beispiel wenn ein Kind in der Familie schwimmen lernen möchte. Dann kümmern wir uns darum.“

Auch Aufklärung gehöre zu den Aufgaben der Mitarbeiterinnen. „Wir sind dazu gut vernetzt, zum Beispiel mit dem Krankenhaus in Höxter“, nennt sie ein Beispiel.

Und sollte ein Kind sterben, endet die Begleitung nicht automatisch. „Wir sind für die Familien da, so lange sie das wüschen, auch nach der Beerdigung. Unser Auftrag ist die Familie.“

Um diesen Auftrag erfüllen zu können, sucht der Ambulante Kinder- und Jugendhospizdienst vor allem im Kreis Höxter Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren wollen in der Begleitung und Unterstützung von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit lebensverkürzenden oder lebensbedrohlichen Erkrankungen, ihren Eltern und Geschwistern.

Mitstreiter gesucht

Interessenten können sich an Gabriele Leifeld, Telefon 05251/3988798, E-Mail paderborn@deutscher-kinderhospizverein.de wenden.

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