9. November 1989: Schabowski verkündet Freiheit und alte Gehrdener Kirchturmuhr läuft wieder
Pendel der Hoffnung beim Mauerfall

Brakel-Gehrden/Berlin (WB). Die Gehrdener schauen in jedem Jahr besonders interessiert auf den Jahrestag des Mauerfalls am 9. November – auch am bevorstehenden 30. Gedenktag. Just zu dem Zeitpunkt als SED-Politbüromitglied Günter Schabowski das Ende der Berliner Mauer verkündet, beginnt nur ein paar Kilometer weiter beim Westberliner Juwelier Lorenz das sanierte alte Turmuhrwerk der Gehrdener Klosterkirche wieder zu ticken. Was für ein grandioser Zufall.

Freitag, 08.11.2019, 03:22 Uhr aktualisiert: 08.11.2019, 05:01 Uhr

Als kleiner Nachbau, als Preis »Berliner Friedensuhr«, macht das Uhrwerk seit drei Jahrzehnten Weltkarriere. Mit goldenen Nachbildungen wurden Prominente ausgezeichnet, die sich um die Deutsche Einheit und die Wende verdient gemacht haben. Frühere Preisträger sind Michail Gorbatschow, Helmut Kohl, die US-Präsidenten Ronald Reagan und George Bush sen., Papst Johannes Paul II. und zuletzt die Gedenkstätte Hohenschönhausen und Bürgerrechtlerin Ulrike Poppe.

Gehrdener Kirchturmuhr wird zur Berliner Friedensuhr

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  • Gehrdener Kirchturmuhr wird zur  Berliner Friedensuhr
Foto: WB-Archiv, M. Robrecht, “Berliner Friedensuhr”
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  • Foto: WB-Archiv, M. Robrecht, “Berliner Friedensuhr”
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Die Originaluhr aus Gehrden steht saniert seit 1989 bei Lorenz im Laden und in unmittelbarer Nähe des Uhrenmuseums des Juweliers in Berlin-Friedenau. Drei Meter misst sie, über zwei Tonnen wiegt sie, alte Uhrtechnik bewegt sie, Marmorsäulen rahmen das Portal. Ihr schweres Ticken klingt für Liebhaber wie Musik.

Uhr nach dem Krieg ausrangiert

In Gehrden, wo sie ein Ferienhaus besitzt, hatte Familie Lorenz die nach dem Krieg ausrangierte Kirchturmuhr von 1879 gekauft. In West-Berlin wurde sie dann zu einem Stück Zeit-Geschichte. Just als am 9. November 1989 um 18.57 Uhr SED-Politbüromitglied Günter Schabowski bei seiner weltberühmten Pressekonferenz mit der Zettelnachricht das Signal zum Mauerfall gab, begann das restaurierte Uhrwerk während einer Feierstunde mit 250 Gästen beim Juwelier Lorenz in Friedenau zeitgleich zu ticken. »Ständige Ausreisen über alle Grenzübergangsstellen der DDR zur BRD« seien möglich – »unverzüglich«, sagte Schabowski. Ein TV-Gerät wurde herbeigeholt: Dort kündeten erste Bilder vom  Ende der Mauer. Ein ostwestfälisches Benediktinerinnen-Uhrwerk wurde für 250 Berliner Symbol der Freiheit – ein unvergesslicher Gänsehaut-Moment.

»In Erinnerung an jenen denkwürdigen Tag wurde der Uhrennachbau mehrfach als Friedenssymbol in Miniaturform an Menschen verliehen, die sich um die Deutsche Einheit und den Weltfrieden verdient gemacht haben«, erläuterte Ideengeber Jens Lorenz bei jeder Preisverleihung. Mit der Auszeichnung sollte Hoffnung auf ein Stück Frieden von Berlin aus in die Welt  getragen werden.

Gehrdener sind stolz

Die Gehrdener sind stolz auf ihre Friedensuhr, eine Replik steht im Ort. Ein Stückchen OWL beeindrucke die Welt, schwärmte Gerd Guse einmal von der Strahlkraft des Preises. Es war ein grandioser Zufall, dass Juwelier Lorenz genau am 9. November 1989 jenen Empfang zur Vorstellung der renovierten Gehrdener Uhr gab. Dass ein paar Kilometer weiter die Maueröffnung  Weltgeschichte markierte, konnte niemand ahnen, meinte Lorenz, der mit Wolfgang Dött aus Höxter die Preisverleihungen oft organisierte, einmal zum WESTFALEN-BLATT. So wurde die  Geburtsstunde der Friedensuhr zur Todesstunde der Berliner Mauer. »Zeit  sprengt alle Mauern« – was könnte die in die Uhr eingravierte Botschaft besser bestätigen?

Schnell hatte Lorenz die Idee, etwa 30 Zentimeter große, kostbare Nachbildungen herzustellen und an Menschen zu überreichen, die etwas für Deutschland tun oder getan haben.

Die Preisträger

Die durch das Berliner Komitee für UNESCO-Arbeit ausgezeichneten Preisträger sind der ehemalige israelische Botschafter Avi Primor (2003), die Atomenergiebehörde vertreten durch ihren Generaldirektor Mohammed El Baradei (2004), Prinz El Hassan bin Talal von Jordanien (2006), der US-Ökonom Dennis Meadows (2007), Ex-Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher (2009) und Willi Lemke, Sonderberater des UN-Generalsekretärs für Sport (2011). Davor haben Michail Gorbatschow, Ronald Reagan, Helmut Kohl (1992), Mutter Teresa (1993), Papst Johannes Paul II. (1996) und George Bush sen. (1999) die Uhr erhalten.

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