Realschule der Brede soll zweizügig werden
»Elternwille ist entscheidend«

Brakel ( WB). »Ich habe gut zugehört und nehme die Eindrücke, die ich heute gewonnen habe, mit über die Egge, um sie der Bistumsleitung vorzutragen«: Dieses Versprechen hat Eva Jansen, Leiterin der Abteilung Katholische Schulen im Erzbistum Paderborn, am Ende des Diskussionsforums zur Realschule Brede gegeben. Etwa 200 Eltern honorierten dies mit kräftigem Applaus.

Freitag, 08.11.2019, 04:00 Uhr aktualisiert: 08.11.2019, 05:01 Uhr
Auf drei Säulen ruht das Schulsystem der Brede: Gymnasium, Realschule und Berufskolleg. Die Eltern wünschen sich, dass die Realschule zweizügig wird. Der Bedarf sei vorhanden. Jedes Jahr müssten 50 Anfragen abgelehnt werden. Foto: Frank Spiegel

Sie unterstrichen damit deutlich den Elternwunsch, an der Brede die Realschule künftig zweizügig zu führen. Und genau um diesen Elternwunsch ging es bei der Podiumsrunde im Wesentlichen.

Mit der Zweizügigkeit soll vermieden werden, dass Kinder nicht angenommen werden können, die gern die Realschule an der Brede besuchen möchten. Etwa 50 Kinder treffe eine solche Absage in jedem Jahr, wie der Schulleiter der Brede, Matthias Koch, und die Abteilungsleiterin der Realschule, Elisabeth Zurhove, verdeutlichten. »Und wir möchten die Tradition der Brede nicht gefährden, dass Geschwisterkinder immer aufgenommen werden. Auch eine Aufnahme aus anderen sozialen Gründen sollte stets möglich sein«, sagte Zurhove.

Mehr Sicherheit

Die stellvertretende Schulleiterin Bärbel Lüttig führte das höhere Maß an Sicherheit für die Schüler ins Feld, falls diese die Schulform wechseln wollten oder müssten. Dies sei an Realschule und Gymnasium an der Brede in beide Richtungen möglich, ohne das Schulgebäude wechseln zu müssen. Eine zweizügig geführte Realschule biete bessere Differenzierungs- und Wahlmöglichkeiten, waren sich die Lehrkräfte zudem einig.

Alte Zahlen

Schulleiter Koch monierte, dass in der Politik immer noch die Zahlen aus dem Rösner-Gutachten zugrunde gelegt würden. Statt des dort prognostizierten Rückgangs seien jedoch Steigerungszahlen von bis zu 20 Prozent auszumachen. »Es gibt daher keine nachvollziehbaren Gründe gegen eine Zweizügigkeit«, betonte der Schulleiter.

Anders sahen dies zum Teil die eingeladenen Bürgermeister Hubertus Grimm (Beverungen), Alexander Fischer (Höxter) und Hermann Temme. Das Brakeler Stadtoberhaupt betonte aber auch, dass mit Blick auf die Gesamtschule in seiner Brust zwei Herzen schlügen, »aber das höchste Gut ist der Elternwille«, sagte Temme. Eine zweizügige Realschule würde seiner Kenntnis nach an der Fünfzügigkeit der Gesamtschule »knabbern«. Bei den Übergängen zu weiterführenden Schulen in Brakel betrage der Anteil der Schüler, die sich für die Realschule entschieden, derzeit zwölf Prozent. »Bei einer zweizügigen Realschule würden daraus 21 Prozent. Rein rechnerisch würden damit 12 bis 15 Schüler fehlen, die sonst zur Gesamtschule gingen«, erklärte Temme.

Keine existenzielle Frage

Das sei keine existenzielle Frage für die Gesamtschule, und es würde damit nicht an ihren Grundpfeilern gerüttelt. Aber es habe Auswirkungen auf die finanzielle Situation der Schule. Für ihn sei jedoch der Wille der Eltern ausschlaggebend. »Und das Pendel geht in dieser Angelegenheit ganz deutlich in Richtung Elternwille«, betonte der Brakeler Bürgermeister, wofür er donnernden Applaus erntete.

Ganz anders bewerteten seine Amtskollegen aus Höxter und Beverungen die Lage. »Der Elternwille zählt – aber eben auch für diejenigen Eltern, die sich eine andere Schulform für ihre Kinder wünschen«, verdeutlichte Alexander Fischer seine Position. Er trat für eine vielfältige Schullandschaft ein und verwies auch auf den Schulentwicklungsplan, der vor drei Jahren auf den Weg gebracht worden sei. Fischer war sich sicher, dass eine zweizügige Realschule in Brakel zur Folge haben werde, dass Schüler an anderen Schulen fehlen würden, was deren Schließung zur Folge haben könne.

Zwei »gelbe Karten«

Ähnlich bewertete Hubertus Grimm die Situation für Beverungen. Hier seien die Schulentwicklung und das Entgegenwirken gegen den demografisch bedingten Wandel das Kernthema schlechthin. Zweimal habe die Stadt von der Bezirksregierung die »gelbe Karte« bekommen, weil die Anmeldezahlen für die Sekundarschule nicht ausgereicht hätten. »Es ist in dieser Hinsicht so knapp, dass wir jedes Mal zitternd auf die Anmeldezahlen warten«, räumte Grimm ein. Er verwies auf weitere Schulen im Umfeld Beverungens, wo es Schüler hinziehe wie etwa Bad Karlshafen.

Wenn eine Schule in Beverungen geschlossen werden müsse, bedeute dies, dass man Anstrengungen wie Stadtentwicklung eigentlich nicht mehr zu betreiben brauche. Auch in Borgen-treich sei die Situation ähnlich problematisch.

Nur ein Schüler pro Klasse

Nur jeweils ein Schüler pro Klasse komme aus Beverungen, wusste demgegenüber Elisabeth Zurhove von der Realschule Brede zu berichten. Dass es sehr viele »Wechsler« zwischen Gymnasium und Realschule Brede gebe, wusste Schülersprecher Jonas Hostmann. Sie hätten keinerlei Schwierigkeiten sich zurechtzufinden.

Dass in möglichst allen Regionen des Kreises die Ansprüche der Eltern und Kinder erfüllt werden, wünsche sich die Kreishandwerkerschaft, erklärte deren Verwaltungsmitarbeiter Kai de Buhr. »Die Schule ist für die Kinder da, nicht die Kinder für das Schulsystem«, bezog Thomas Oesselke als Vater zweier Kinder an den Bredenschulen klare Position.

Das Schulsystem der Brede ruhe auf drei Säulen, betonte Schulleiter Matthias Koch, von denen mit der Realschule eine quantitativ nicht ausreichend groß sei. Einer möglichen Dreizügigkeit in ferner Zukunft erteilte er auf Nachfrage aus der Zuhörerschaft eine klare Absage.

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