Rekommandeure heizen mit flotten Sprüchen und verrückten Geräuschen ein
Entertainment aus dem Bauch heraus

Brakel (WB). Man sieht sie nicht, trotzdem sind sie allgegenwärtig: die Rekommandeure auf den Volksfesten. Auch beim Brakeler Annentag fehlen sie nicht, Sprüche wie »Das etwas andere Gefühl der Schwerelosigkeit«, »Jetzt noch Bordkarten lösen« oder auch »Und jetzt geht’s eine Runde rückwärts«.

Sonntag, 04.08.2019, 21:02 Uhr aktualisiert: 05.08.2019, 06:24 Uhr
Patrick Schneider an seinem Arbeitsplatz im Musik-Express am Feuerteich. Ins Mikrofon spricht er die flotten Sprüche, allerlei verrückte Geräusche und Liedfragmente spielt er mit Hilfe eines Computerprogramms ab. Foto: Frank Spiegel

Annentag in Brakel

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Letzterer ist ein Klassiker und als solcher in aller Munde – zu Unrecht, findet Patrick Schneider. »Wir haben noch jede Menge andere Sprüche«, verrät er, und er muss es wissen: Seit 1956 ist seine Familie Stammgast auf dem Annentag, seit 1971 mit dem Musik-Express, wie er aktuell wieder am Feuerteich steht.

Tief Luft holen

»Von meinem Vater habe ich gelernt, dass man zum Rekommandieren aus dem Bauch heraus sprechen muss, tief Luft holen, um eine kräftige Stimme zu haben«, verrät der Inhaber des Fahrgeschäftes ein Berufsgeheimnis.

Das »Kommen Sie näher, kommen Sie ran«, mit dem sein Vater und dessen Vater Volksfest-Besucher noch zur rasanten Fahrt animieren wollten, gebe es heute nicht mehr.

»Für uns ist die persönliche Ansprache wichtiger. Nachmittags sind das Familien, und abends vor allem junge Leute«, berichtet Schneider. Deshalb wechsele man bei Einbruch der Dunkelheit auch zum »Du« beim rekommandieren.

Computerunterstützung

»Was ich dann sage, dafür gibt es keine Regeln, da habe ich auch keine Liste. Ich bin überzeugt: Das liegt in den Genen«, meint der Schausteller aus Leidenschaft.

Unterstützt wird er inzwischen aber auch von moderner Technik. Computergesteuert kann er Geräusche und Liedfragmente einspielen.

»Wenn es bei uns schneller geht, spielen wir zum Beispiel immer die ersten Sekunden von ›Heidi‹, nennt er ein Beispiel. Da genügt ein Knopfdruck. Gleiches gilt für eine Sequenz aus dem Ententanz oder auch das Anlassen einer Harley-Davidson.

Verantwortung

Karl-Heinz Wendler aus Unna nutzt ebenfalls die Soundanlage seines Fahrgeschäftes – allerdings deutlich anders. Seit 52 Jahren steht seine Familie mit einem Kinderkarussell in Brakel, in diesem Jahr am Feuerteich.

»Wir brauchen nicht die reißerischen Sprüche der Kollegen mit den moderneren Fahrgeschäften«, verrät er. Beim Kinderkarussell gehe es vielmehr ums Aufpassen. »Schließlich tragen wir bei einem voll besetzten Karussell die Verantwortung für 20 Kinder«, sagt Wendler.

Da werde das Mikrofon dann genutzt, um zum Beispiel dazu aufzufordern, sitzen zu bleiben. »Meist reicht das schon. Wenn nicht, springt ein Mitarbeiter auf und kümmert sich«, berichtet der Schausteller.

Geräusche, die eingespielt werden, gibt es übrigens im Kinderkarussell auch. Betätigt werden die aber nicht von Karl-Heinz Wendler, sondern von den Kindern selbst. Der Schausteller geht auf den Polizeiwagen zu, drückt einen Knopf im Armaturenbrett und schon ertönt ein Martinshorn. Gleiches gibt es auch bei der Feuerwehr und vielen anderen Fahrzeugen.

Träumt man nicht nachts von den Geräuschen? »Nein, da gewöhnt man sich dran«, versichert Wendler.

Stimmung

»Coole Sprüche«, antwortet Johannes Peeters auf die Frage, was denn das Geheimnis des guten Rekommandierens ist. Er ist Schausteller in sechster Generation, und wie fast in allen Betrieben sitzt auch beim Alpha 1 der Chef am Mikrofon.

Wobei das in diesem Fall eine Ausnahme ist. »Unser Rekommandeur ist leider erkrankt«, berichtet Peeters.

Aber auch er weiß, um was es geht. »Mein Vater und mein Großvater haben eine zusätzliche Runde einfach angekündigt. Das geht heute nicht mehr. Da fragt man ›Wollt Ihr eine Zugabe?‹ und dann fragt man noch einmal nach ›Ich kann Euch nicht hören. Wollt Ihr eine Zugabe?‹ und dann schreien und jubeln alle, das bringt Stimmung«, beschreibt er die Entwicklung des Rekommandeurs zum Entertainer.

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