SPD und Grüne sprechen sich gegen Öffnung der Fußgängerzone für Autos aus
»Vorhaben wird auf Unverständnis stoßen«

Brakel (WB). »Keine Autos in der Fußgängerzone« – diese Forderung erheben die Fraktionen der SPD und der Grünen im Brakel Stadtrat. »Nach nur mehr als einem Jahr nach der feierlichen Eröffnungsfeier stellt die CDU nun fest, dass der fehlende Autoverkehr für die Verödung der Innenstadt Brakel ursächlich ist und eine Belebung nur dadurch zu erreichen sei, indem man den Autoverkehr wieder zulässt«, heißt es in einer Stellungnahme.

Montag, 08.07.2019, 19:00 Uhr
Ein Auto fährt am Nachmittag über den Marktplatz. Offenbar hat der auswärtige Fahrzeugführer die Beschilderung für die Fußgängerzone nicht wahrgenommen. Foto: Jürgen Köster

Die Neugestaltung dieses relativ kurzen Straßenabschnittes (etwa 283 Meter) sei im April 2018 abgeschlossen worden. Die Gesamtkosten hätten 760.000 Euro betragen mit einem Zuschuss aus Fördermitteln in Höhe von 60 Prozent.

Einbahnstraßenregelung

Nun stelle die CDU den Antrag, den Verkehr wieder freizugeben, um den Kunden ein bequemes Erreichen der Geschäfte zu ermöglichen. Die Straße solle zu einem verkehrsberuhigten Bereich umgewidmet werden. Durch eine Einbahnstraßenregelung solle der Verkehr jeweils nur in eine Richtung laufen.

Verkehrsberuhigter Bereich bedeute in der Theorie, dass unter anderem jedes Fahrzeug nur mit Schrittgeschwindigkeit, also mit vier bis sieben Stundenkilometer unterwegs sein dürfe. Fußgänger dürften nicht behindert werden. Fahrzeuge müssten notfalls warten.

»Fußgänger dürfen die Fahrzeuge nicht unnötig behindern, sie dürfen die Straße in ihrer ganzen Breite nutzen. Kinder dürfen überall spielen. Parken ist nur auf gekennzeichneten Flächen erlaubt«, beschreiben die Fraktionen die rechtliche Lage. Sie weisen darauf hin, dass noch neue Spielgeräte aufgestellt werden sollen. »Wie sieht es aber praktisch in einem verkehrsberuhigten Bereich aus?«, fragen die SPD und die Grünen. »Die schwächeren Verkehrsteilnehmer können ihre Rechte in keiner Weise wahrnehmen. Sie werden nach rechts oder links abgedrängt. Schrittgeschwindigkeit ist für die meisten Fahrzeugführer ein Fremdwort. Die Geschwindigkeiten betragen in der Regel zwischen 20 und 30 Stundenkilometer. Für die Fußgänger bedeutet nicht nur der fließende, sondern auch der ruhende Verkehr eine erhebliche Beeinträchtigung ihrer Bewegungsfreiheit und Sicherheit in diesem Bereich. Kinder und Ältere können die Straße zwischen den parkenden Autos nicht mehr gefahrlos überqueren.«

Weiterhin werde durch das Installieren neuer Spielgeräte (durch Beschluss entschieden) weiteres Gefahrenpotenzial geschaffen. Die Geschäfte könnten im Außenbereich ihre Ware nicht mehr ausstellen.

Entspannt shoppen

Von einem entspannten »Flanieren« und »Shoppen«, wie Bürgermeister Hermann Temme bei der feierlichen Eröffnung im April 2018 formuliert habe, könne bei einer Öffnung der Straße für den Fahrzeugverkehr keine Rede mehr sein.

Die Fraktionen stellen fest: »Was die Öffnung für die schöne Pflasterung bedeutet, wird man sehen. Es ist zu erwarten, dass das Aussehen erheblich leidet, wenn Tag und Nacht unterschiedlich schwere Fahrzeuge diesen Bereich befahren. Vom hellen Cheopspflaster wird bald sicher nichts mehr zu sehen sein. Der Verkehr wird aber sicher nicht die von den Antragstellern gewünschte Wirkung erzielen. Er wird weder der Verödung entgegenwirken, noch wird er zu einer positiven Belebung der Innenstadt führen. Diejenigen, die in die Innenstadt kommen, wollen in entspannter Atmosphäre ihre Einkäufe tätigen oder auch in einem der Cafés ein Getränk oder ähnliches genießen und das ganz ohne Belästigung durch Straßenlärm und ohne schädliche Abgase einatmen zu müssen.«

200 Parkplätze

Dafür seien die Kunden sicher bereit, die Parkplätze in der nahen Umgebung in Anspruch zu nehmen. Immerhin befänden sich etwa 200 in der Nähe. »In dieser Zeit, in der auch Entscheidungen auf ihre Umwelt- und Klimafreundlichkeit überprüft werden, ist das sicher keine gute Idee, in der Fußgängerzone wieder Kraftfahrzeuge zuzulassen. Bei vielen Bürgern wird dieses Vorhaben auf Unverständnis stoßen«, heißt es in der Stellungnahme der beiden Ratsfraktionen abschließend.

Kommentare

Stefan Müller  wrote: 09.07.2019 16:19
Ein Versuch der Öde entgegenzutreten
Man kann über den Vorschlag der CDU in Brakel sicher trefflich streiten. Eine Fussgängerzone ohne Geschäfte ist schon eher ein Schildbürgerstreich. Denn es sind ja fast keine Geschäfte mehr vorhanden. Man hätte dies schon bei der Erneuerung berücksichtigen müssen und eine Nutzung durch Fahrzeuge vorsehen sollen - wie das auch immer aussehen mag. Das würde der Trostlosigkeit etwas entgegen wirken.
Ein Brakeler  wrote: 09.07.2019 07:50
Schildbürgerstreich
Was sich die Brakeler CDU da wieder ausgedacht hat, ist ein böser Witz.
Die Herren im Stadtrat sollen sich doch mal bewußt machen, was für Geschäfte dort sind. Kleine Betriebe, die davon leben, dass Tische und Waren vor der Tür stehen. Wer möchte denn noch vor der Eisdiele oder der Wunderbar sitzen, wenn da ständig Autos vorbei fahren? Welches Kind kann dann denn noch sicher an der Eisdiele oder im benachbarten Kriegerehrungspark spielen?
Schrittgeschwindigkeit??? Wie lange würde es wohl dauern, bis die brakeler Autokreiser und Poser mit ihren Karren immer in der Runde knattern?
Der Wochenmarkt zieht sich in der Strasse hoch, neben dem Annentag die best besuchte Veranstaltung in Brakel! Viele Brakeler wünschen sich sogar, dass er ganz in den Hanekamp verlegt wird. Soll der Markt dann ausfallen, wenn der Stadtstrand aufgebaut ist? In Brakel ist so viel mittlerweile auf die Fußgängerzone ausgerichtet, dass die Idee absurd ist, das wieder zu ändern.

Und letztlich mal ganz ehrlich, liebe CDU, welches Geschäft dort verkauft so schwere Sachen, dass man direkt davor parken muss und nicht die wenigen Meter bis zum nächsten Parkplatz laufen kann?

In der Idee der CDU sehe ich weder sinnvolles noch nachhaltiges Handeln für die anliegenden Geschäfte.
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