Oumar Fofana flüchtete aus Guinea – Nun hat er sein Abitur bestanden
»Ich bin unglaublich dankbar«

Brakel (WB). Man kann es mit einem Märchen vergleichen: Um bessere Bildung zu erhalten, ist Oumar Fofana 2013 nach Deutschland gekommen und hat eine schwierige Zeit bewältigt. Nun hat er sein Abitur bestanden – mit der Note 2,7.

Montag, 08.07.2019, 05:00 Uhr aktualisiert: 08.07.2019, 10:38 Uhr

Der 23-Jährige sitzt in seinem kleinen gemütlichen Zimmer und sieht fröhlich aus. »Ich habe es geschafft«, sagt er immer wieder und strahlt. Dass er diesen langwierigen Weg ging und alle Herausforderungen meisterte, war alles andere als selbstverständlich.

Vor sechs Jahren kam der Abiturient aus Guinea im Westen Afrikas nach Deutschland. Über zwei Jahre dauerte seine Reise, bis er sein endgültiges Ziel, die Stadt Brakel, wo er jetzt lebt, erreichte. Auf seinem Weg von Marokko, über Spanien (wo er zeitweise auch gelebt hat) und Frankreich nach Deutschland hat er viel erlebt und gesehen. Zunächst wurde er in Hamburg aufgenommen, dann nach Dortmund gebracht. Schließlich kam er in den Kreis Höxter.

Schwierige Zeit

In den ersten Wochen in Deutschland durchlebte er eine schwierige Zeit. »Ich habe kein Wort verstanden und durfte nur einmal pro Woche zur Schule, wo ich Deutsch gelernt habe«, schildert Oumar Fofana die vergangene Zeit. Mittlerweile beherrscht er die deutsche Sprache nahezu perfekt. Das Erlernen der neuen und fremden Sprache war für ihn allerdings sehr schwierig.

Aber nicht nur mit der Sprache gab es Komplikationen. Auch das Einleben in die neue Kultur und die Schulzeit waren nicht einfach. Zeitweise war er in einem Flüchtlingsheim untergebracht, wo die Betreuer zwar nett waren, er sich aber nicht wohlfühlte.

Oumar ging aus seinem Heimatland Guinea fort, um bessere Bildungschancen zu haben. In Afrika habe er keine weiterführende Schule besuchen dürfen, berichtet er. Der 23-Jährige besuchte also in der fünften Klasse das letzte Mal eine Schule.

Nicht gern zur Schule

Als Kind sei er überhaupt nicht gern in die Schule gegangen, da das Fußballspielen für ihn viel wichtiger gewesen sei. Sein Vater, der den Lehrerberuf ausübte, sei bei dem Thema Schule sehr streng gewesen und habe sich für die Bildung seines Sohnes eingesetzt. Oumar verstand dieses Anliegen erst mit dreizehn Jahren und floh gemeinsam mit einem Freund.

In Deutschland absolvierte er die neunte und zehnte Klasse in Paderborn und wollte daraufhin eine Ausbildung anfangen, was allerdings nicht klappte. Abitur zu machen, kam für ihn eigentlich gar nicht infrage. »Ich habe meine Mitschüler gesehen, die Abitur machen wollten und wie schwierig das ist. Da hab ich mir gedacht, dass ich das sowieso nicht kann«, erinnert sich der Geflüchtete. Allerdings hätte er ohne Ausbildungs- oder Schulplatz nicht in Deutschland bleiben dürfen. Somit bewarb er sich bei einigen Schulen, bis er am beruflichen Gymnasium der Brede in Brakel gelandet war.

»Du schaffst das«

Oumar war damals nicht sonderlich zuversichtlich, das Abitur zu bestehen, aber die Lehrer sprachen ihm Mut zu. »›Du schaffst das‹«, sagten sie immer wieder. »Ohne die Lehrer und Schwester Diethold, die sich immer um mich gekümmert hat, auch im finanziellen Sinne, hätte ich es niemals geschafft«, meint Oumar rückblickend.

Auch seine Schwester, die noch in Afrika lebt, motivierte ihn immer wieder, »dranzubleiben«.

In der elften Klasse verstand Oumar in der Schule nicht viel. Sein Abitur hatte einen wirtschaftlichem Schwerpunkt: Er musste sich also mit völlig neuen Fächern und Begriffen auskennen. Oumar: »Ich musste unglaublich viel lernen und habe in der zwölften Klasse so schlechte Noten gehabt, dass ich abbrechen wollte. Ich dachte immer, dass ich keine Chance habe.«

Die Noten wurden besser

Aber dann wendete sich das Blatt: Die Noten wurden wesentlich besser – das Lernen lohnte sich. Das Abitur rückte näher. Im April und Mai schrieb er seine bisher wichtigsten Prüfungen. Jetzt wurden die Noten vergeben, und Oumar hatte endlich Gewissheit, dass die nervenaufreibende Zeit ein positives Ende gefunden hat: Das Abitur war bestanden – mit der Note 2,7. »Ein unglaubliches Ergebnis, wenn man bedenkt, dass er zu Anfang nicht einmal Deutsch sprechen konnte«, meinen seine Lehrer.

Viele Hürden überwunden

Ein großer Schritt ist gemacht, viele Hürden sind überwunden. Nun steht die Frage im Raum, wie es weitergeht, denn auch der Asylantrag ist endlich angenommen worden. Zweimal war der Antrag zuvor abgelehnt worden. »Ich habe mich immer gefragt, warum ich nicht hierbleiben darf«, berichtet der gebürtige Afrikaner. Schließlich habe Schwester Diethold ihn zum Landtag nach Düsseldorf gebracht, wo er seine Geschichte vorgetragen und endlich die Genehmigung erhalten habe, in Deutschland bleiben zu dürfen.

Studium nächster Schritt

Der nächste Abschnitt soll für ihn ein Studium im wirtschaftlichen Bereich sein. Auch wenn seine Zukunftspläne noch nicht ganz sicher sind, so weiß er jetzt schon eines: »Mein größtes Ziel für die Zukunft ist glücklich und nett zu anderen zu sein. Ich möchte vielen Menschen helfen, so wie mir geholfen wurde. Ich bin unglaublich dankbar.«

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