Passionsfrömmigkeit am Karfreitag: In Gehrden ist uralte Tradition weiter sehr lebendig – mit Video Hunderte Gläubige bei Kreuztracht in Gehrden

Brakel-Gehrden (WB/rob). Hunderte von Gläubigen haben am Karfreitag an der traditionellen Kreuztracht in Gehrden teilgenommen. Bei sommerlichem Wetter folgten die Menschen der Kreuzigungsgruppe durch den Ort auf den Katharinenberg.

Kreuztracht in Gehrden: Der Christus-Darsteller mit dem schweren Holzkreuz an einer der Kreuzwegstationen. Hunderte Gläubige ziehen den Katharinenberg hinauf.
Kreuztracht in Gehrden: Der Christus-Darsteller mit dem schweren Holzkreuz an einer der Kreuzwegstationen. Hunderte Gläubige ziehen den Katharinenberg hinauf. Foto: Michael Robrecht

Die Gehrdener Kreuztracht ist in der Passionsfrömmigkeit des Mittelalters verwurzelt und geht auf ein Erstärken des Glaubenslebens nach den Wirren der Reformation in Deutschland zurück. Ein als Jesus verkleideter Büßer, begleitet von einem ebenfalls verkleideten Simon von Cyrene, zog mit den Gläubigen den Katharinenberg hinauf.

Am Karfreitag wurde am Vormittag ab 9.30 Uhr in der ehemaligen Klosterkirche Gehrden (Stadt Brakel) die Leidensgeschichte nach Johannes gelesen, bevor sich die Kreuzträger mit dem etwa 30 Kilogramm schweren Holzkreuz auf den Weg machten und mit dem betenden Volk zur Katharinenkapelle zogen.

Zur Geschichte

Am Karfreitag gedenkt die Kirche des Todes Jesu und erwartet die Feier der Auferstehung. Zum Karfreitagsgeschehen im Erzbistum Paderborn gehören seit dem 17. Jahrhundert die so genannten großen Kreuztrachten. Anonym, in entsprechender Verkleidung oder Maskierung, tragen Jesus-Darsteller schwere Holzkreuze auf den Schultern. Auf diese Weise gedenken zahlreiche Gläubige der Passion Jesu Christi und seines Wegs durch Jerusalem, bevor er auf dem Berg Golgota gekreuzigt wurde. Folgende Orte in Westfalen kennen die Tradition der Kreuztracht: Bad Driburg-Pömbsen, Brakel-Gehrden, Delbrück, Menden, Sundern-Stockum, Wiedenbrück, Coesfeld, Hörstel-Bevergern.

Auf die Passionsfrömmigkeit in Gehrden können die seit 1142 bezeugte Benediktinerabtei und ein Schmerzenskruzifixus aus der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts hinweisen. Das Kruzifixus beherbergte in der Brust eine Partikel des Heiligen Kreuzes und wird bis auf den heutigen Tag zur Kreuzverehrung am Karfreitag den Gläubigen gezeigt. Anschließend wird die Kreuzpartikel, die sich heute in einem gesondertem Reliquiar befindet, von den Gläubigen verehrt. Zuvor wird jedoch in der Pfarrkirche die Leidensgeschichte gelesen, bevor sich die Kreuzträger mit dem schweren Holzkreuz auf den Weg machen. Alle Gläubigen sind eingeladen, am Todestag des Herrn Jesus Christus seinen Leidensweg nachzugehen und der Leiden des Menschengeschlechtes zu gedenken, die er in unendlicher Solidarität auf sich genommen hat.

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