Verfahren nach Pilotbetrieb geeignet – Verwaltung soll Alternative prüfen
Enthärtung bringt nicht nur Vorteile

Brakel (WB). Weniger problemlos als von manchen erhofft ist der Pilotversuch zur Verringerung der Härte im Trinkwasser in Brakel verlaufen. Dr. Dieter Stetter, IWW Rheinisch-Westfälisches Institut für Wasser Beratungs- und Entwicklungsgesellschaft, hatte im Betriebsausschuss die Ergebnisse vorgestellt.

Samstag, 06.04.2019, 06:00 Uhr
Das Trinkwasser in Brakel ist derzeit sehr kalkhaltig. Daher hatte die CDU angeregt, eine zentrale Enthärtungsanlage zu bauen. Bei einer Befragung waren 64 Prozent der abgegebenen Stimmen für diesen Plan. Foto: dpa

Dieser hat anschließend beschlossen, neben der bisher favorisierten Umkehrosmose-Filtration nun auch die so genannte Carix-Methode in Betracht zu ziehen. Die Verwaltung soll nun ein verbindliches Angebot des Herstellers einholen. Ein Wirtschaftsprüfer soll anschließend feststellen, um wie viel teurer das Trinkwasser in Brakel mit der alternativen Methode würde. Bei der acht Monate getesteten Umkehrosmose-Filtration wären das 68 Cent pro Kubikmeter.

Sudheimer Brunnen zu hart

Die als Alternative in Frage kommende Carix-Methode etabliert sich nach Angaben der Verwaltung derzeit am Markt. Sie biete in Bezug auf den Energieverbrauch Vorteile und könne ohne den Einsatz von chemischen Hilfsstoffen betrieben werden.

Ursprünglich war für den Versuch geplant, das Wasser aus vier Brunnen aus Ostheim und dem Sudheimer Brunnen mit der Umkehr-Osmoseanlage zu behandeln.

»In der Testphase stellte sich allerdings heraus, dass die Wasserhärte des Sudheimer Brunnens im Laufe der Zeit immer weiter zunahm«, berichtete der Fachmann. Für einen stabilen Betrieb sei das nicht gut.

Die Ostheimer Brunnen haben nach den Ausführungen des Experten eine Wasserhärte von 22. Nach der Behandlung läge diese bei acht bis zehn. Die Untersuchungen hätten ergeben, dass die Umkehrosmose-Filtration für das Brakeler Wasser hervorragend geeignet sei. Auch funktioniere diese einwandfrei, wenn man sich auf die vier Ostheimer Brunnen beschränke.

Wie Dr. Dieter Stetter ausführte, bringt die Enthärtung zunächst nicht nur Vorteile mit sich. Über einen Zeitraum von bis zu einem Dreivierteljahr könne es zu Rostwasser in den Leitungen kommen. Das Wasserwerk müsse dann vermehrt Rohrleitungsspülungen vornehmen.

Die korrosionschemische Untersuchung des Wassers habe zudem ergeben, dass es mit einer geringen Wahrscheinlichkeit zudem passieren könne, dass alte Kupferleitungen undicht würden, da sich durch das plötzlich weichere Wasser die so genannten Deckschichten innerhalb der Rohre veränderten und es so passieren könne, dass ursprünglich verschlossene Löcher wieder durchlässig würden. »Reaktivierung von Lochstellen« nennt der Fachmann das.

Effekt minimieren

Eine Möglichkeit, diesen Effekt zu minimieren, sei es, die Härte nicht gleich auch acht bis zehn zurückzufahren, sondern zunächst auf 13, was immer noch einer mittleren Härte entspreche. Langsam könne man dann die Härte weiter absenken, um so die Veränderungen der Deckschichten im Inneren der Rohre behutsamer vor sich gehen zu lassen.

Um zu verhindern, dass sich der Kalk in den Membranen der Anlage absetze, müsse das Wasser vor der Einleitung zudem chemisch behandelt werden.

»In den Ausführungen gab es viele Sachen, die mich sehr nachdenklich gemacht haben«, erklärte Ulrich Disse (CDU). Dass nun nur noch die Ostheimer Brunnen nutzbar seien, zählte er ebenso dazu wie die »gewissen Unsicherheiten« etwa in Sachen »Reaktivierung von Lochstellen«.

Dirk Multhaupt merkte an, dass es für den Bürger bei den 68 Cent Preiserhöhung pro Kubikmeter nicht bleibe. Unabhängig von der Wasserenthärtung gebe es unter anderem den Bau des Hochbehälters, der ebenfalls auf den Wasserpreis umgelegt werden müsse und diesen ebenfalls erhöhe.

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