Bauausschuss lehnt 750.000 Euro teure Variante für Haus des Gastes ab
Barrierefreiheit nicht um jeden Preis

Brakel(WB). Die Idee eines barrierefreien Umbaus des Haus des Gastes fällt bei den Mitgliedern des Bauausschusses Brakel grundsätzlich auf fruchtbaren Boden – allerdings nicht um jeden Preis. Die 750.000 Euro teure Konzeptplanung, die Carsten Scherhans vom Büro RSK in der jüngsten Sitzung vorstellte, fiel wegen der zu hohen Kosten durch. Gleichwohl sollen die Planungen weitergehen.

Freitag, 01.02.2019, 16:31 Uhr aktualisiert: 01.02.2019, 16:34 Uhr
Haus Gaentzsch und Alte Waage (links) sind barrierefrei, das Rathaus ist nach Verwaltungsansicht ungeeignet, jetzt ist das Haus des Gastes (rechts) im Gespräch. Foto: Frank Spiegel

»Angesichts der Kosten können wir die vorgestellte Planung nur ablehnen«, sagte Hans-Jörg Koch (SPD). Das sah auch Christdemokrat Michael Wulff so – auch wenn die Maßnahme bezuschusst wird und bei der Stadt ein Eigenanteil von 300.000 Euro verbliebe.

Ziel weiter verfolgen

Carsten Scherhans hatte zuvor die Planung und die sich ergebenden Herausforderungen erläutert. So sei es beim Haus des Gastes ähnlich wie beim Haus Gaentzsch so, dass es verschiedene Ebenen gebe, nämlich ein Vorderhaus und ein Hinterhaus. Wolle man nicht in Konflikt mit der Denkmalbehörde kommen, sei der Einbau eines Aufzuges allein durch einen Anbau an der Nordseite – das ist die Seite, auf der derzeit der Seiteneingang liegt – machbar. »Dort könnte ein gemeinsamer Eingang für Fußgänger und Rollstuhlfahrer entstehen. Das vorhandene Treppenhaus würde abgebrochen«, erläuterte der Planer.

Zu erreichen wären mit dieser Lösung alle Bereiche des Erdgeschosses, die Seminar- und Tagungsräume des Vorderhauses im ersten Geschoss des Vorderhauses sowie sie Galerie über dem Trauzimmer im Hinterhaus und das im zweiten Geschoss untergebrachte Stadtmuseum. Allein ein Archiv-Lagerraum im zweiten Geschoss des Hinterhauses wäre so für Rollstuhlfahrer nicht erreichbar.

Keine Antwort hatte Carsten Scherhans auf die Frage von Uwe Oeynhausen und anderen, was denn ein Ausbau des derzeit bis ins erste Obergeschoss reichenden vorhandenen Aufzuges bis ins zweite Obergeschoss kosten würde.

Alternativen im Gespräch

Das Haus besteht aus zwei Teilen. An die Seite zum Nebeneingang sollte ein Treppenhaus mit Aufzug angebaut werden.

Das Haus besteht aus zwei Teilen. An die Seite zum Nebeneingang sollte ein Treppenhaus mit Aufzug angebaut werden. Foto: Frank Spiegel

Michael Wulff brachte die Idee ins Spiel, das Stadtmuseum ins erste Obergeschoss umziehen zu lassen, um dieses Rollstuhlfahrern zugänglich zu machen. Die Seminarräume könnten dann ja in die obere Etage ziehen.

Einig waren sich alle, dass die 750.000 Euro teure Variante nicht in Frage kommt. »Da gibt es genug andere städtische Gebäude – auch in den Ortsteilen –, die erneuert werden müssten«, sagte Hartwig Menke. Eine Investitionssumme von 750.000 Euro stehe zudem in keiner Relation zur Zahl der Museumsbesucher insgesamt.

Der barrierefreie Umbau des Haus des Gastes ist Teil des Punktes neun im Integrierten Städtebaulichen Entwicklungskonzept. Der sähe an sich auch einen barrierefreien Umbau des Rathauses vor. Bei dessen Verwirklichung steht der Aufwand nach Ansicht der Verwaltung »in keinem vertretbaren Verhältnis zum Nutzen«. Verwaltungsintern habe man deshalb schon von weiteren Überlegungen in dieser Richtung Abstand genommen, heißt es in der Beratungsvorlage der Verwaltung.

 

KOMMENTAR

Jeder Mensch hat das Recht darauf, dabei zu sein« – so ist Inklusion kurz definiert. Und zur Inklusion gehört auch die Barrierefreiheit. Wie schon beim Besuch der NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer am Mittwoch deutlich wurde, heißt es in diesem Bereich aber auch für die Politik: Pragmatismus geht vor Ideologie.

Und genau so hat der Brakeler Bauausschuss das richtige Signal gesetzt mit der Aufforderung, eine preiswertere als die präsentierte Planung für das Haus des Gastes zu erarbeiten.

750.000 Euro für eine Anbindung des Stadtmuseums per Aufzug – das geht nicht. Wenn der Haushalt verabschiedet wird, werden sicher deutlich preiswertere Projekte abgelehnt werden müssen mit Blick auf die Kosten. Auch vor dem Hintergrund ließe sich eine derartige Investition kaum vermitteln – zumal die Stadt mit dem Haus Gaentzsch und der Alten Waage gezeigt hat, dass sie der Barrierefreiheit aufgeschlossen ist. Frank Spiegel

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