Zukunftsforscher Dr. Manfred Kern stärkt Bauern den Rücken
Landwirtschaft hat Perspektiven

Brakel (WB). 300 Landwirte sind zum Kreisbauerntag in der Brakeler Stadthalle zusammengekommen. Der Mainzer Zukunftsforscher Dr. Manfred Kern stellte in seinem Vortrag die provokante Frage: Werden die Bauern im Kreis Höxter in Zukunft noch gebraucht?

Freitag, 01.02.2019, 17:45 Uhr aktualisiert: 01.02.2019, 17:50 Uhr
Dr. Manfred Kern (zweiter von links) wurde von WLV-Kreisgeschäftsführer Stefan Legge (von links), Bürgermeister Bernhard Temme, WLV-Kreisvorsitzendem Antonius Tillman, WLV-Geschäftsführer Hans-Josef Hanewinkel, Vize-WLV-Kreisvorsitzendem Udo Engemann und Landrat Friedhelm Spieker in der Stadthalle Brakel willkommen geheißen. Foto: Marius Thöne

Diese Frage stellen sich offenbar nicht nur Wissenschaftler, sondern auch die Bauern selbst, da angesichts gesellschaftlicher Debatten ihre Arbeit immer mehr in Frage gestellt und kritisiert wird.

Diese Einschätzung teilte auch Manfred Kern. In Deutschland sei die mediale Darstellung der Landwirtschaft oftmals negativ behaftet. Er beobachte sogar ein »Niederschreiben«, obwohl das Land die »beste Landwirtschaft der Welt« habe. Darüber hinaus arbeiteten die deutschen Bauern in einem »hochgradig wettbewerbsverzerrtem Umfeld«.

Auflagen, Kontrollen und mehr machen das Leben schwer

Dazu gehöre eine ungenügende zeitliche Umsetzung von Pflanzenschutzmittelzulassungen, so dass wichtige Produktionsmittel fehlten ebenso wie der EU-Bürokratismus um die Zuweisung von Fördermitteln. Stagnierende Getreide- und Rapserträge könnten die Kostensteigerungen in Deutschland nicht auffangen. Nationale Produktionsauflagen und Kontrollen sowie ein überzogener Pachtmarkt stünden im Widerspruch zu liberalisierten Märkten. In der Konsequenz würden Höfe aufgegeben.

Trotzdem, so Kern, werde die deutsche Landwirtschaft noch gebraucht – auch vor dem Hintergrund eines starken weltweiten Bevölkerungswachstums. »Die deutsche Landwirtschaft hat sehr gute Ressourcen und damit Perspektive«, machte Kern den Bauern Mut.

Er wies in diesem Zusammenhang auch auf gesellschaftliche Schieflagen hin. »Wenn ein Liter Katzenmilch 4,95 Euro kostet und normale Milch für 50 Cent zu haben ist, dann stimmt etwas nicht«, sagte Kern unter dem Beifall der anwesenden Landwirte.

Der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes, Antonius Tillmann aus Bonenburg, hatte zu Beginn des Kreisbauerntages noch einmal auf die derzeitigen Probleme der Landwirte hingewiesen. »Das Gezerre um die Ferkelkastration hat die Vorurteile gegen unsere Tierhaltung bei den Tierschützern verstärkt«, sagte Tillmann.

Die Fristverlängerung zur betäubungslosen Kastration sei notwendig für Ferkelerzeuger, aber Außenstehenden schwer erklärbar. Würden Eber gemästet, sei die Fettqualität für die Wurstherstellung nicht ausreichend, gleiches gelte bei Impfung der Schweine gegen die Geschlechtsreife. Eine Narkosegasanwendung sei zu teuer und berge hohe Kosten sowie Anwendungsrisiken für den Landwirt. Eine lokale Betäubung sei in Deutschland nicht zugelassen, weil mit dem angewendeten Mittel der Schmerz nicht komplett ausgeschaltet werden könne. Das fordere aber das Tierschutzgesetz. In Dänemark gebe es diese Möglichkeit.

Unterschiedliche Handhabung in der EU

»Für dieses relative Schmerzempfinden innerhalb der EU haben wir kein Verständnis«, sagte Tillmann. Er zeigte darum Verständnis für die fünf Prozent der Sauenhalter, die im vergangenen Jahr aufgegeben hätten, zumal es noch andere »Damoklesschwerter« gebe. Ungeklärt seien die Kastenstandfrage bei Sauen und der Kupierverzicht bei Ferkeln. »Momentan gibt es keine klaren Vorgaben, wie wir in Zukunft Schweine halten können, nur Meinungen, wie es vielleicht sein könnte«, so Tillmann.

Die Bauern seien bereit, auf ihre Mitbürger zuzugehen und Ängste und Sorgen um Tierwohl und Artenschutz ernst zu nehmen. Allerdings müsse auch klar werden, »wo die Prioritäten in unserem Land liegen«.

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