IHK bietet Zusatzqualifikation an Azubis sollen nicht nur feilen

Gütersloh/Brakel (WB). Das Thema Industrie 4.0 ist in der Ausbildung angekommen. Bundesweit Vorreiter sind die Industrie- und Handelskammern (IHK) in Bielefeld und Münster mit der Zusatzqualifikation »Digitale Fertigungsprozesse« für Lehrlinge der Metall-, Maschinenbau- und Elektrobranche.

Von Bernhard Hertlein
Symbolbild.
Symbolbild. Foto: dpa

In Mai werden die ersten 33 Absolventen an zwei Berufskollegs des Kreises Höxter in Brakel und Carl Miele in Gütersloh ihre Prüfungen abschließen. Darunter sind auch drei aus dem IHK-Bezirk Nord-Westfalen. Vor kurzem starteten bereits 42 neue Auszubildende mit dem Zusatzlehrgang, der sie nach Angaben der beiden IHK-Geschäftsführer Swen Binner (Bielefeld) und Carsten Taudt (Münster) in 15 Monaten und 200 Unterrichtsstunden für die maßgeblichen Digitalisierungsfelder fitmachen wird: Konstruktion, Produktion, Kundenservice und Instandhaltung mit den Möglichkeiten von Industrie 4.0, Datensicherheit, 3-D-Druck und ökonomische Zusammenhänge.

Lob von Dr. Reinhold Festge

Dr. Reinhold Festge, ehemaliger VDMA-Präsident und Unternehmer in Oelde, lobte gestern in Bielefeld, dass die beiden Kammern vorangingen, während im Hintergrund an der Neugestaltung der Ausbildungsordnungen gearbeitet werde. Doch das brauche Zeit. »Azubis, die zu Hause die VR-Brille nutzen, wollen aber nicht nur lernen, wie man ordentlich feilt.«

Von 20.000 Azubis in den Metall- und Elektroberufen in NRW arbeitet jeder Vierte bei einem Unternehmen in Ostwestfalen oder Nord-Westfalen. Einer von ihnen ist der 21-jährige Lars Wittke vom Griffehersteller FSB in Brakel. Nach der Zusatzausbildung wurde er von seinem Arbeitgeber sogleich in das Projektteam zur Umsetzung einer neuen Firmenstrategie berufen.

IHK Bielefeld nutzt die Chance

Zusatzqualifikationen können von den Berufsbildungsausschüssen der Kammern, in denen auch Berufsschulen und Gewerkschaften vertreten sind, selbstständig für die jeweilige Region eingeführt werden. Die IHK in Bielefeld hat diese Möglichkeit in der Vergangenheit unter anderem für eine Zusatzausbildung EU-Kompetenz genutzt. Entwickelt wurde das neue Projekt in Zusammenarbeit mit der Nachwuchsstiftung Maschinenbau des VDW und VDMA. Interesse, das Modell Zusatzqualifikation »Digitale Fertigungsprozesse« zu übernehmen, haben das Berufskolleg in Beckum sowie die Wirtschaft in Köln und Dortmund.

Regional bedeutsam ist die Neugründung der Fachschule für Technik in Brakel Anfang 2018. Bundesweit sollen Aspekte von Industrie 4.0 wie 3-D-Druck von diesem Sommer an in einige Ausbildungsordnungen der Metall- und Elektroberufe einfließen. Der Einzelhandel ist bereits mit der neuen Ausbildung zu Kaufleuten für den E-Commerce vorangegangen.

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