Orgelflügel von Johann Georg Rudolphi werden zu Ostern wieder geöffnet Farbenpracht verdrängt Tristesse

Brakel (WB). Mit dem Beginn des Osterfestes werden die Orgeltüren in der St. Michael-Kirche wieder geöffnet. Farbige Darstellungen lösen die eher bedrückende schwarz-weiße Malerei wieder ab. Die Töne der Orgel klingen nun nicht mehr so gedämpft. Die Türen sind das Werk eines der berühmten Söhne der Stadt: Johann Georg Rudolphi. Am 30. April ist sein 325. Todestag. Dieses ist eines der geschichtsträchtigen Ereignisse, die der Pastorale Raum in diesem Jahr in den Blickpunkt rückt.

Von Jürgen Köster
Küsterin Karin Oesselke öffnet die Orgeltüren. Sie zeigen in geöffnetem Zustand die Verkündigung Mariens und die Anbetung durch die Hirten in Farbe. Geschlossen sind die vier Evangelisten (in schwarz-weiß-grauer Darstellung) zu sehen.
Küsterin Karin Oesselke öffnet die Orgeltüren. Sie zeigen in geöffnetem Zustand die Verkündigung Mariens und die Anbetung durch die Hirten in Farbe. Geschlossen sind die vier Evangelisten (in schwarz-weiß-grauer Darstellung) zu sehen. Foto: Jürgen Köster

»Die Orgeltüren Rudolphis sind die einzigen in Nordrhein-Westfalen noch erhaltenen«, berichtet Pfarrer Willi Koch. Die Flügel sind klappbar, was man sich für die Fastenzeit zunutze macht. Sie zeigen in geöffnetem Zustand auf farbigen Gemälden die Verkündigung Mariens und die Anbetung durch die Hirten. In geschlossenem Zustand sind in trister Grisaillemalerei die vier Evangelisten zu sehen.

Mehr als 40 Gemälde

Mehr als 40 Gemälde werden dem Brakeler Barockmaler Rudolphi zugeschrieben. Der größere Teil von ihnen ist nicht signiert. Werke von ihm finden sich unter anderem in Kirchen in Altenbeken, Paderborn, Höxter, Vinsebeck, Brenkhausen, Gehrden oder Natzungen und Borgentreich.

Rudolphi (1633 bis 1693) gilt als der bedeutendste Barockmaler des Paderborner Landes und darüber hinaus. Seine Familie stammte ursprünglich aus Höxter. Ein späterer Zweig siedelte nach Bad Driburg, sein Vater nach Brakel, wo er 1624 in der Bürgerschaft aufgenommen wurde.

Bruder wurde Bürgermeister

Johann Georg Rudolphi war eines von vier Kindern. Sein Vater starb, als er neun Jahre alt war. Sein ältester Bruder Daniel trat in das Benediktinerkloster Corvey ein, sein jüngster Bruder Hermann Jürgen wurde später Bürgermeister in Brakel.

Einer Tradition folgend wurden die Söhne in die höhere Schule geschickt. Johann Georg kam als 13-Jähriger in die Jesuitenschule, das Gymnasium Theodorianum, in Paderborn. »Dort blieb er bis zu seinem 16. Lebenjahr und besuchte von da an bereits die Paderborner Universität. Seine Studien betrieb er in der Klasse der Logiker und Physiker. Nicht bekannt ist, ob er sein Studium abgeschlossen hat«, hat Pfarrer Koch herausgefunden. Er hat sich auch anlässlich des bevorstehenden Jubiläumstages noch einmal intensiv mit Rudolphi befasst.

Wurzeln zu späteren Verbindungen

Dieser habe die Universität verlassen, um sich ganz dem Malen und Zeichnen widmen zu können. Sein Talent sei aber sicher schon an der Jesuitenschule aufgefallen. Pfarrer Koch vermutet, dass dort bereits die Wurzeln zu den späteren Verbindungen und Beziehungen Rudolphis zu Klerus und Adel gelegen haben.

Rudolphi hat unter anderem in der Malerwerkstatt von Anton Willemsen gearbeitet. Diesen hatte der Paderborner Fürstbischof Dietrich Adolf von der Reck aus Antwerpen in die Domstadt geholt. Willemsen war Rubens-Schüler. Unter den Malern seiner Zeit galt Rudolphi als ein begnadeter Künstler. Seine Förderer und Auftraggeber sind die Fürstbischöfe Ferdinand von Fürstenberg und Hermann Werner Wolff-Metternich. In deren Sitz, dem Neuhäuser Schloss, soll Rudolphi eine Malereistube besessen haben.

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