Rückkehrer auf Burg im Ostharz: Kunstgüter der Brakeler Grafenfamilie bleiben in Sachsen-Anhalt Burg Falkenstein: Asseburger bestaunen Familienschätze

Brakel/Falkenstein (WB). Wenn Preziosen reden könnten, dann hätte der bei Bauarbeiten in der Burg Falkenstein im Harz gehobene Schatz aus dem Besitz der in Brakel (Kreis Höxter) ansässigen Adelsfamilie von der Asseburg viel zu erzählen. Kunstgegenstände schweigen aber wie ein Grab. Trotzdem lassen sie Rückschlüsse zu. So auch die 25 Stücke, die Louis Graf von der Asseburg (14), der heutige Chef der traditionsreichen Adelsfamilie, jetzt gemeinsam mit seiner Zwillingsschwester Florence und seiner Mutter Selena Gräfin von der Asseburg Falkenstein Rothkirch in Augenschein genommen hat

Von Sabine Robrecht
Louis Graf von der Asseburg aus Brakel ist von den Hinterlassenschaften der Vorfahren auf Burg Falkenstein im Harz beeindruckt.
Louis Graf von der Asseburg aus Brakel ist von den Hinterlassenschaften der Vorfahren auf Burg Falkenstein im Harz beeindruckt.

In Hohlräumen einer Decke der als Museum genutzten Burg im Landkreis Mansfeld-Südharz in Sachsen-Anhalt führten die Kunstgüter bis vor kurzem ein Schattendasein. Es handelt sich vorwiegend um Meißner Porzellan aus dem 19. Jahrhundert. Hinzu kommen ein großer Prunkkelch von 1912 und ein dreipassiges Prunkglas. Der Kelch war, was eine Inschrift verrät, ein Geschenk zur Silberhochzeit Graf Friedrichs von der Asseburg-Falkenstein (1861-1940) und seiner Frau Margarethe (1867-1945). Neben der Fundstelle traten 18 Gefäße, manche noch verkorkt und versiegelt, aus der Familienapotheke zutage.

Das Auftauchen des Schatzes »war für uns eine sehr schöne Überraschung«, sagte Selena Gräfin von der Asseburg dem WESTFALEN-BLATT. Der Vater ihres im August 2013 gestorbenen Mannes Friedrich Graf von der Asseburg Falkenstein Rothkirch war der letzte Eigentümer der Burg Falkenstein. Dann markierte die Enteignung durch die DDR eine Zäsur. »Mein Mann und ich sind mit unseren Kindern oft nach Falkenstein gefahren«, berichtet die Witwe. »Auch jetzt schauen wir uns die Burg immer wieder gerne an.«

Die Zwillinge bewegten sich also auf bekanntem Terrain, als sie die entdeckten Kunstgegenstände in ihren Händen hielten. »Wir haben entschieden, die Sachen als Leihgabe an ihrem angestammten Platz zu lassen«, berichtet Selena Gräfin von der Asseburg. »Im Museum kann jeder sie anschauen.« Deshalb seien sie dort besser aufgehoben als im privaten Schrank. Der Schatz wird also nicht in die familieneigene Hinnenburg bei Brakel einziehen.

Das Porzellan und der Prunkkelch müssen nach dem Zweiten Weltkrieg versteckt worden sein – wahrscheinlich um zu verhindern, dass sie inventarisiert oder weggebracht wurden. »Vermutlich war beabsichtigt, sie irgendwann den ehemaligen Eigentümern zurückzugeben«, erläutert Museumsdirektor Joachim Schymalla. Diesen Rückschluss lasse der Prunkkelch zu, der ein Geschenk der Kinder an ihre Eltern war.

Eine zeitliche Verbindung zum Versteck »Magdeburg«, das im April 1945 angelegt wurde, besteht nicht. Die gräfliche Familie hatte dort hunderte Haushalts- und Kunstgegenstände vor den anrückenden Alliierten versteckt. 1992 wurde dieser Schatz gehoben. Er gilt als einer der spektakulärsten Funde in Sachsen-Anhalt.

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