Elmar Markus aus Brakel findet erst in Halle ärztliche Hilfe Odyssee eines Notfalls

Brakel (WB). Gut, dass es »nur« eine Augenverätzung und nichts noch Schlimmeres war. Elmar Markus aus Brakel im Kreis Höxter musste 110 Kilometer durch Ostwestfalen-Lippe irren, bis ihm eine Ärztin half.

Von Christian Althoff
Elmar Markus und seine Frau konnten die Zentrale des Ärztlichen Notdienstes nicht erreichen. Schließlich fuhren sie zur Apotheke.
Elmar Markus und seine Frau konnten die Zentrale des Ärztlichen Notdienstes nicht erreichen. Schließlich fuhren sie zur Apotheke. Foto: Christian Althoff

Die Chronik der Odyssee

20 Uhr . Beim Verputzen einer Fensterlaibung spritzt dem Maler und Förderlehrer Putz ins Auge. Elmar Markus wäscht es aus.

21 Uhr. »Die Schmerzen wurden immer stärker. Meine Frau und ich versuchten, den Ärztlichen Notdienst zu erreichen, aber niemand ging ans Telefon.«

Foto: 21.15 Uhr. Das Ehepaar fährt nach Bad Driburg zur »Neuen Apotheke«, die Notdienst hat. »Der Apotheker sah das Auge und sagte, ich müsse zum Arzt. Er versuchte, den Notdienst für mich zu erreichen, aber kam auch nicht durch. Er riet uns, zur Notfallambulanz Paderborn zu fahren.«

22 Uhr. Christiane Markus bringt ihren Mann nach Paderborn, aber die Notfallpraxis ist bereits geschlossen.

22.05 Uhr. Elmar Markus hofft, im Brüder-Krankenhaus Hilfe zu erhalten, doch er bekommt keinen Arzt zu Gesicht.  »Als mich die Frau an der Information sah, rief sie schon von Weitem, dass man uns hier nicht helfen würde und wir zur Augenklinik nach Bielefeld fahren sollten. Sie meinte, die Adresse könnten wir uns ja mit dem Handy raussuchen. Als ich sie mit meinem einen Auge böse ansah, hat sie das für uns getan.«

22.50 Uhr . Das Ehepaar trifft in der Bielefelder Augenklinik Rosenhöhe ein. »Der Mitarbeiter an der Information sagte, Notfälle würden erst nach Mitternacht behandelt, und auch nur, wenn die Überweisung des Notdienstes vorliege. Das wären die Vorschriften.« Der Mann habe ihm die Handynummer einer Augenärztin aus einer Praxis in Halle gegeben und gesagt, da könne er anrufen. »Ich war auf 180. Die Schmerzen waren so stark, dass ich kurz davor war, nach einem Arzt zu schreien. Aber dann haben wir doch die Augenärztin angerufen. Sie war sehr freundlich und sagte, sie könne es in einer halben Stunde in die Praxis schaffen.«

Foto: 23.45 Uhr . In der Praxis in Halle, die zur Augenklinik Bad Rothenfelde gehört, kümmert sich Augenärztin Inga Prinz um Elmar Markus und spült sein Auge mehrfach gründlich aus. »Dann verschrieb sie mir eine Salbe und sagte, die solle ich möglichst schnell anwenden.«

1.15 Uhr. Das Ehepaar klingelt erneut an der Apotheke in Bad Driburg und bekommt die Salbe. »Der Apotheker schüttelte nur den Kopf, als ich ihm sagte, warum wir jetzt erst kommen«, sagt Elmar Markus.

»Wer die 116 117 wählt, darf nicht auflegen«

Jens Flintrop, Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe, die den Notdienst organisiert: »Wir können den Fall im Moment nicht erklären. Vielleicht hat der Patient nicht die Notfallnummer 116 117 gewählt, sondern eine ältere Notfallnummer.« Elmar Markus weiß nicht mehr, wo er und seine Frau angerufen haben. »Aber der Apotheker ist ja auch nicht durchgekommen!«

Jens Flintrop von der Kassenärztlichen Vereinigung: »Wer die 116 117 wählt, darf nicht auflegen, auch wenn es mal zwei, drei Minuten dauern sollte. Denn wer auflegt und wieder anruft, stellt sich quasi wieder ganz hinten an.«

Elmar Markus wurmt vor allem, dass er in Paderborn und Bielefeld nicht einmal zu einem Arzt vorgelassen wurde und eine Kraft an der Information ihn abwies. Gerd Vieler, Sprecher des Brüderkrankenhaus St. Josef Paderborn: »Grundsätzlich entscheidet nicht die Besetzung der Information über den Behandlungsweg. Wenn aber offensichtlich nach einem Augenarzt gefragt wird, ist der Hinweis auf den augenärztlichen Notdienst korrekt.« Es sei ein Zeichen von Professionalität, wenn man keine Fälle behandele, für die man nicht kompetent sei. »Und unsere Notaufnahme ist nun Mal eine chirurgische Ambulanz.«

Elmar Markus überzeugt das nicht. Er hat inzwischen gelesen, dass nach einer Verätzung das Auge so schnell wie möglich gespült werden muss. »Und ich denke, dass das jeder Arzt kann.«

Kommentare

Hier gab es vor einigen Jahren einen Fall, bei dem einem Augenverletzten (Metallsplitter beim bohren in Stahlbeton ins Auge bekommen) die Behandlung im Krankenhaus verweigert wurde. Mit dem Auto(!) durfte der dann den diensthabenden Notarzt in OWL suchen fahren. Eine Odyssee über mehrere Stunden und zig Kilometer. Unfassbare Zustände.

Nur bei lebensbedrohlichen Notfällen 112

Stimmt, manche haben das System nicht verstanden...Die 112 ist für lebensbedrohliche Notfälle!...Kann dennoch kein Verständniss für das verhalten einer Klinik mit Augenfachabteilung aufbringen, solche Patienten abzuweisen...

Notfall

"Manche Leute haben das System in Deutschland nicht verstanden.
Bei Notfällen immer die 112 anrufen!"

Was ist die Definition von Notfall? Zum Auge ausspülen würde ich lieber zum Krankenhaus fahren zumal wenn man einen Fahrer hat. Unterschreibt den Notfall ein Arzt nämlich nicht zahlt man 700 € oder ähnlich für den Einsatz, Krankenwagen, Notarzt...Ist erst neulich einen Bekannten von mir passiert.

Geben Sie hier also nicht pauschal solche Ratschläge, das kann auch schnell nach hinten losgehen!

Ich als Notfall durfte neulich übrigens trotzdem am späten Abend mit 39,5 Fieber von Höxter nach Bevern zur Notfallapotheke fahren um mir mein Medikament zu holen. So sieh das hier aus!



Gesundheitssystem

War einmal in Höxter im Ansgarkrankenhaus nachts mit massiven Schmerzen hinter dem Brustbein (später stellte sich heraus Speiseröhrenentzündung) nach kurzer Standarduntersuchung meinte der Azrt das wäre wohl psychisch, Panikattacken... man schickte mich morgens um 4 Uhr dann unbehandelt wieder weg. Mit dem Spruch, in dem Sinne, ich hätte sie nicht mehr alle, anstatt Medikamenten.

Im Umkreis und auch bei mir gibt es viele Solcher Geschichten, es ist schlimm geworden!

Schaut man sich nur die Wartezeiten für Facharzttermine an dann sieht man was hier inzwischen los ist!
Es sind nicht nur die Weserbrücken die kaputt sind.

Direkt die 112 anrufen!

Manche Leute haben das System in Deutschland nicht verstanden.
Bei Notfällen immer die 112 anrufen!

Die an der Rezeption

Ich verspürte nach dem Genuss einer Pizza plötzlich ein Stechem im Hals, als habe ich Glassplitter verschluckt. Trotzdem legte ich mich erst einmal ins Bett. Morgens um 3 Uhr wachte ich auf und bekam im Liegen keine Luft mehr. Röchelnd weckte ich meine Mutter und wir rasten ins Krankenhaus. Die Dame an der Rezeption meinte, es sehe doch gar nicht so schlimm. Ich röchelte, dass es ja auch IM HALS sei.

30 Minuten verbrachte ich wartend, während es immer schlimmer zu werden schien. Dann endlich erschien ein Arzt, schaute mir in den Rachen, ging kurz raus und schrie die Dame zusammen, wieso sie nicht gesagt habe, wie ernst es sei oder dass es überhaupt um den Rachenraum gehe.
Ich erhielt sofort eine Cortisonspritze und konnte förmlich spüren, wie die Schwellung abklang.

Diese Angestellten können lebensgefährlich sein.

Man kann es nicht fassen

Es ist traurig was hier los ist! Was nutzt uns das beste Gesundheitssystem wenn einem im Notfall nicht sofort geholfen wird??? Nicht auszumalen was gewesen wäre wenn kein Auto vorhanden gewesen wäre. Ich wünsche den Herrschaften die das Gesundheitssystem zu Tode kürzen, dass sie selbst mal in eine Notlage kommen und ihnen auch nicht sofort geholfen wird! Aber das wird ja leider nicht passieren! *Ironie on*: Wenn Herr Markus ein sog. "Schutzsuchender" wäre, dann wäre wahrscheinlich sofort geholfen worden.....*Ironie off*

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