Pflegestudium im Kreis Höxter: Runder Tisch in Vorbereitung Hochschule für Pflege geplant

Brakel (WB). Die Idee, die bisherige  Fachhochschule für Finanzen in Brakel am Kaiserbrunnen in eine Hochschule für Pflegeberufe umzuwandeln, soll massiver und wirkungsvoller als bisher an das Land NRW herangetragen werden. Dazu wird es einen Runden Tisch geben.

Von Michael Robrecht
Erst Justizausbildungsstätte, dann Fachhochschule für Finanzen NRW und bald Hochschule für Pflege? Ab 2017 wäre das Gebäude am Kaiserbrunnen in Brakel frei.
Erst Justizausbildungsstätte, dann Fachhochschule für Finanzen NRW und bald Hochschule für Pflege? Ab 2017 wäre das Gebäude am Kaiserbrunnen in Brakel frei.

Beim Besuch des CDU-Bundestagsabgeordneten Christian Haase bei der Führungsspitze der Katholischen Hospitalvereinigung Weser-Egge wurde festgelegt, dass in Kürze alle an dem Projekt interessierten Stellen eingeladen werden, um einen konkreten Antrag an das Land zu formulieren und die Vorzüge des Standortes Brakel herauszuarbeiten. Reinhard Spieß (Geschäftsführer der KHWE) und Personalleiter Ralf Schaum berichteten, dass ein erster Vorstoß im Wissenschaftsministerium in Düsseldorf auf wenig Gegenliebe gestoßen sei, weil es anderswo schon genug Pflegestudiengänge im Lande gebe. Die Hospitalvereinigung will sich aber durch diese erste Einschätzung  von ihrem Vorhaben nicht abbringen lassen und sucht jetzt breit gestreut Unterstützer.

Schließung wirtschaftlicher als Sanierung

Das Aus für die Fachhochschule für Finanzen in Brakel ab 2017 ist beschlossen, weil das Land sagt, die Schließung sei wirtschaftlicher sei als eine Sanierung des PCB-belasteten Gebäudes. Jährlich kommen  4000 Finanzbeamte aus ganz NRW zu Fortbildungen und sorgten für Umsatz in Hotels, Restaurants und Geschäften.
KHWE-Personalchef Ralf Schaum sieht mit Blick auf die ausgeprägte Gesundheitsregion Kreis Höxter mit den vielen Kliniken,  Kranken- und Seniorenhäusern sowie den außergewöhnlich zahlreichen  an Pflegeberufen interessierten Menschen viel Potenzial für die  Pflegehochschule.

Den Auszubildenden in der Kranken- und Altenpflege werde seit Jahren die Möglichkeit gegeben, parallel zur dreijährigen Ausbildung bei der KHWE ein siebensemestriges Pflegestudium an der FH der Diakonie Bielefeld zu absolvieren. Durch die Entfernung nach Bielefeld und die Notwendigkeit einer standortübergreifenden Abstimmung der Lerninhalte, sei dieses Konzept aber nur noch mäßig erfolgreich, schilderte  Schaum. Der Personalchef: »Hier stellt sich die Frage, ob die Hospitalvereinigung nicht selbst in der Lage ist als Hochschulstandort ein integriertes Modellprojekt zu initiieren, das pflegerische Ausbildung und akademischen Abschluss aus einem Guss vermittelt.« Die KHWE habe viele Professoren und hoch spezialisiertes Personal als mögliche Dozenten in ihren Einrichtungen. Eine ganz neue Bedeutung bekomme alles, wenn die bislang getrennten Ausbildungszweige Kranken- und Altenpflege in einem einheitlichen Pflegeberuf verschmolzen würden. Hier sollten, so unterstrich  Geschäftsführer Reinhard Spieß, frühzeitig die Weichen gestellt werden, um nicht zu einem Systembruch zu kommen. Spieß hofft auf Unterstützung durch die Politik in Kreis und Land und  die anderen Kliniken im Kreis.

Neue Chancen für Träger

Zurzeit laufen die Diskussionen auf politischer Ebene zur Verschmelzung der pflegerischen Ausbildungen zu einem Beruf. In dieser Entwicklung liegen vor allem für Schulen (auch im Kreis), die bisher nur Alten- oder Krankenpflegeausbildung angeboten haben, erhebliche Existenzrisiken. Auf der anderen Seite, so Ralf Schaum, böten sich auch neue Chancen für die Träger wie die KHWE, die auch heute schon Ausbildungszweige in ihren Pflegeschulen vorhalten.

Reinhard Spieß und Christian Haase sehen einen Sinn, weitere Anläufe beim Land für eine Pflege-Nachfolgenutzung der bisherigen Finanzschule Brakel aktiv anzugehen und die Politik in Düsseldorf zu überzeugen. Brakels Bürgermeister Hermann Temme unterstützt die Hochschulidee, zumal die Bildungsregion Kreis Höxter durch die Finanzschulschließung fühlbar geschwächt würde

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