Corona-Ausbruch: Wegen akuten Personalmangels unterstützt die Bundeswehr die Einrichtung in Borgentreich
Soldaten helfen im Seniorenzentrum

Borgentreich/Warburg -

15 Soldatinnen und Soldaten des ABC-Abwehrbataillons 7 aus Höxter haben am Montag in Schutzanzügen ihre Arbeit im Seniorenzentrum Borgen­treich aufgenommen. Sie unterstützen in den nächsten 14 Tagen im Drei-Schicht-System die Pflegekräfte bei ihrer Arbeit. Es ist der erste Corona-Hilfseinsatz des Militärs in einem Heim im Kreis Höxter.

Montag, 18.01.2021, 21:30 Uhr aktualisiert: 20.01.2021, 18:20 Uhr
Die Heimleitung mit Silvia Wehrhahn (rechts, Bereich Pflege) und Kerstin Minuth (links, Bereich Verwaltung) ist der Bundeswehr und dem DRK sehr dankbar für die Unterstützung in der coronabedingten Krisensituation. Foto: Silvia Schonheim

Nach dem Corona-Ausbruch mit 26 infizierten Bewohnern, 15 erkrankten Mitarbeitern und, nach unbestätigten Informationen, mittlerweile vier Todesfällen in der Hesena-Einrichtung, hatte die Heimleitung beim Kreis Höxter um Hilfe gebeten, um die Versorgung der Senioren sicherstellen zu können.

„Helfende Hände“, sagt Oberstleutnant Jens Markus, würden gebraucht. Und die sind jetzt zum Glück da – nach der Bewilligung des Hilfeleistungsantrags durch das Landeskommando NRW in Düsseldorf. „Dafür sind wir der Bundeswehr und den Soldaten sehr dankbar“, betont Silvia Wehrhahn, Hausleitung Pflege, im Gespräch mit dem WESTFALEN-BLATT.

„Natürlich sind unsere Soldaten keine Pflegefachkräfte. Deshalb üben sie auch keine pflegerischen Tätigkeiten aus“, betont Jens Markus als Leiter des Kreisverbindungskommandos.

„Die Soldaten können aber Essen an die Bewohner verteilen, das Geschirr einsammeln und unsere Mitarbeiter bei der Abdeckung der Zimmerklingeln unterstützen“, erklärt Heimleiterin Silvia Wehrhahn. Ob diese Hilfe der Bundeswehr ausreichend sein wird, könne sie noch nicht beurteilen. Und wie die Situation in 14 Tagen aussieht, sei auch noch unklar. „Falls dann weitere Unterstützung nötig ist, muss ein neuer Antrag gestellt werden“, sagt Oberstleutnant und Reservist Jens Markus.

Organisieren den Hilfseinsatz der Soldatinnen und Soldaten im Seniorenzentrum: Leiter des Kreisverbindungskommandos, Oberstleutnant Jens Markus (rechts), sowie Major Thomas Walther, Vertreter des ABC-Abwehrbataillons 7 aus Höxter.

Organisieren den Hilfseinsatz der Soldatinnen und Soldaten im Seniorenzentrum: Leiter des Kreisverbindungskommandos, Oberstleutnant Jens Markus (rechts), sowie Major Thomas Walther, Vertreter des ABC-Abwehrbataillons 7 aus Höxter. Foto: Silvia Schonheim

Mitarbeiter aus anderen Hesena-Einrichtungen – etwa aus Detmold – nach Borgentreich zu holen, sei keine Option, um den coronabedingten Personalmangel aufzufangen, sagt Hesena-Geschäftsführerin Kirsten Fränzel: „Keine Einrichtung hat Personal übrig, das war schon vor Corona so.“ Zu aktuellen Corona-Fallzahlen in Borgentreich wollte sie keine Informationen geben.

Bevor am Montag die Bundeswehr ihre Arbeit aufnehmen konnte, hatte das Team des Seniorenzentrums bereits am Wochenende Unterstützung bekommen. Mitglieder des DRK Warburg packten kurzerhand am Samstag und Sonntag in der Einrichtung mit an. Diese unbürokratische, einmalige Überbrückungshilfe hatte der Krisenstab des Kreises Höxter vermittelt.

Das Seniorenzentrum Borgentreich stehe vorerst bis zum 14. Februar unter Quarantäne, erklärt die Heimleitung. Besuche seien derzeit nicht möglich. Welche Besuchsregeln nach dem 14. Februar gelten, sei noch nicht absehbar. Jetzt wartet die Heimleitung händeringend darauf, dass Mitarbeiter und Bewohner der Einrichtung geimpft werden.

Alle Mitarbeiter und Bewohner sind nach Angaben der Heimleitung am Montag auf das Coronavirus getestet worden. Das Ergebnis dieser PCR-Tests werde am heutigen Dienstag erwartet. Sobald sicher ist, dass es im Heim keine aktiven Fälle mehr gibt, sollen Bewohner und Mitarbeiter schnellstmöglich geimpft werden, erklärt Dr. Jens Grothues, ärztlicher Leiter des Impfzentrums für den Kreis Höxter.

Das Helios-Klinikum in Warburg konnte am Montag mit dem Impfen beginnen: 100 Dosen des Vakzins waren, genau wie geplant, geliefert worden. „Wir sind gerade beim Impfen“, konnte Klinikgeschäftsführer Tobias Hindermann am Vormittag verkünden.

78 Personen bekamen am Montag ihre Spritze, die übrigen Dosen sollen am heutigen Dienstag verabreicht werden. Beim Impfen wurde die vorgegebene Priorisierung eingehalten, erklärt der Geschäftsführer. Das heißt auch: Etliche Mitarbeiter des Hauses gehen leer aus und kriegen vorerst keine Spritze – darunter auch Hindermann. „Die Verwaltung ist erst Priorisierungsgruppe vier“, erklärte der Klinikgeschäftsführer.

Damit meinte er die sechs Kategorien, welche die Ständige Impfkommission des Robert-Koch-Institutes geschaffen hatte, um festzulegen, wann wer geimpft werden soll. Den Anfang hatte die Gruppe eins gemacht, zu der unter anderem Heimbewohner, Pflegekräfte und der Rettungsdienst zählten.

Am Montag wurde auch, als eine der letzten Einrichtungen im Kreis Höxter, im HPZ in Warburg geimpft. Nach Informationen des WESTFALEN-BLATTES erhielten auch Bewohner eine Impfung. Sprecher und die Geschäftsführung waren am Montag nicht für ein Statement erreichbar.

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