Corona-Lage im Seniorenzentrum Borgentreich: In der Einrichtung soll schnellstens geimpft werden
Bundeswehr und DRK helfen aus

Borgentreich -

Hilfe für das Hesena-Seniorenzentrum in Borgentreich ist unterwegs: Bereits an diesem Wochenende werden dort Helfer des DRK mitarbeiten. Ab Montag packt auch die Bundeswehr in der Einrichtung mit an. Es ist der erste Corona-Hilfseinsatz des Militärs in einem Heim im Kreis Höxter.

Freitag, 15.01.2021, 21:12 Uhr aktualisiert: 15.01.2021, 21:16 Uhr
Im Hesena-Seniorenzentrum in Borgentreich sind mehrere Bewohner und Mitarbeiter an Corona erkrankt. Nun werden das DRK und die Bundeswehr in der Einrichtung mithelfen. Foto: Daniel Lüns

Wie berichtet, hat das Seniorenzentrum damit zu kämpfen, dass dort Bewohner und Mitarbeiter an Corona erkrankt sind. Drei Tote Menschen, 26 infizierte Bewohner, 15 erkrankte Mitarbeiter, akuter Personalmangel: So sah nach Informationen des WESTFALEN-BLATTES zuletzt die Corona-Bilanz im Heim aus.

Das sagt der Kreis Höxter

„Das Seniorenzentrum Borgentreich hatte sich wegen coronabedingter Personalausfälle mit einem Hilfeersuchen an den Kreis Höxter gewendet“, erklärt Silja Polzin, Pressesprecherin des Kreises Höxter. Der Hilferuf sei über mehrere Instanzen weitergeleitet worden.

Über das Kreisverbindungskommando habe man einen Antrag auf Hilfe durch die Bundeswehr an das Landeskommando NRW in Düsseldorf gestellt. Das Landeskommando habe dem Antrag am Freitag zugestimmt. Ab Montagmorgen werden nun 15 Soldaten des ABC-Abwehrbataillons 7 aus Höxter im Heim mitarbeiten. Sie sollen die Pflegekräfte mit Tätigkeiten außerhalb der Pflege entlasten.

Landrat Michael Stickeln dankt DRK und Bundeswehr für die schnelle Hilfe. „Es zeigt einmal mehr, dass wir uns auf unsere Hilfsorganisationen und auf die Bundeswehr jederzeit verlassen können“, betont der Landrat.

Das sagt die Angehörige

Luise Morschel, Angehörige einer Heimbewohnerin, hatte sich wegen der Situation im Heim an diese Zeitung gewandt. Morschels Tenor: Die Mitarbeiter im Heim kämpften für die Erkrankten, benötigten dabei aber mehr Hilfe.

Aufgrund der corona-positiv getesteten Mitarbeiter habe die Pflegedienstleitung nicht mehr gewusst, wie sie die Pflege aufrecht erhalten solle. „Seit Silvester weiß ich, dass im Pflegeheim in Borgentreich Corona ausgebrochen ist“, sagt die Frau. Nach Auskunft des Pflegepersonals sei ihre Mutter nach wie vor corona-negativ. Morschel irritiere, dass bisher weder Personal noch Bewohner gegen Corona geimpft worden seien.

Das Gesundheitsamt habe mitgeteilt, dass zunächst eine Quarantäne abgewartet werden müsse. Sie und die Pflegedienstleitung hätten sich das nicht erklären können. Morschel: „Auch wenn man Bedenken haben sollte, in das Haus zu kommen, könnten die Mitarbeiter ja irgendwo außerhalb geimpft werden.“

Die Hausleitung des Seniorenzentrums war am Freitag nicht zu erreichen.

Das sagt der Impf-Experte

Dr. Jens Grothues aus Beverungen ist der ärztliche Leiter des Impfzentrums für den Kreis Höxter in der Stadthalle in Brakel. Er organisiert die Impfungen im Kreis mit. Dass im Borgen­treicher Heim bisher nicht geimpft wurde, stimmt und wurde in Absprache mit dem Gesundheitsamt entschieden, erklärt Grothues.

„Ich kann die Angehörigen verstehen“, betont der Mediziner. Aber zum einen handle es sich um einen neuen Impfstoff. Man wisse nicht, wie der Körper darauf reagiere, wenn er vor der Impfung bereits eine gewisse Menge Corona-Viren beinhalte. Das Risiko sei zu groß. Zum anderen wirke die Impfung langsamer als das Virus. Wer das Vakzin zum Beispiel am Tag seiner Infektion bekomme, erkranke trotzdem. „Bei Hepatitis zum Beispiel ist das nicht so“, erklärt der Mediziner.

Montag werde, als eine der letzten Einrichtungen im Kreis, im HPZ in Warburg geimpft. Dann sei der Kreis Höxter in allen Heimen mit der Erstimpfung durch – bis auf das Heim in Borgen­treich. Mitarbeiter dieses Hauses könnten auch nicht woanders geimpft werden. Das habe mehrere Gründe.

So sei der Impfstoff nicht gut transportierbar und sehr knapp. Heime meldeten ihren Eigenbedarf an, darüber hinaus gebe es zurzeit keine Impfungen. „Wir werden die Bewohner und Mitarbeiter schnellstmöglich impfen, sobald wir wissen, dass es im Heim keine aktiven Fälle mehr gibt“, sagt Grothues. Den Mitarbeitern sei es auch möglich, sich im Impfzentrum spritzen zu lassen, das am 1. Februar öffne. „Diese Mitarbeiter würden wir dort auch bevorzugt behandeln.“

Das sagt die KVWL

Wie kann man der Einrichtung derweil sonst noch helfen? „Das ist zunächst Sache des Trägers“, sagt Dr. Ulrich Polenz, Leiter der Bezirksstelle Paderborn der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL). „Ich erlebe häufig, dass Heime, die in Verbünden organisiert sind, in so einem Fall Personal von anderen Heimen beordern.“ Das nächste Heim der Hesena-Gruppe, zu der das Borgen­treicher Haus gehört, ist das „Domizil an der Werre“ in Detmold. Die Heime sind etwa eine Autostunde voneinander entfernt.

Polenz habe auch erlebt, dass sich Heime in so einer Situation trägerübergreifend aushelfen. In der Branche wisse man nämlich genau, dass ein Corona-Ausbruch für ein Heim schlimm verlaufen könne und für die Mitarbeiter belastend sei. Die KVWL hingegen könne die Personaldecke nicht verstärken: „Es gibt keine ‚stille Reserve‘ der Kassenärztlichen Vereinigung, keine Pfleger, die für solche Fälle auf Abruf bereitstehen.“

Ein Kommentar von Daniel Lüns

Die Hilfszusagen sind gute Nachrichten für die Bewohner des Heims, aber auch für die Mitarbeiter. Wer einen Viren-Ausbruch in einem Heim mitverfolgt hat, weiß, wie viel Arbeit dies für das Personal ist – fallen dann Pfleger aus, gehen die übrigen schnell auf dem Zahnfleisch. Das Coronavirus ist noch mal eine ganz andere Hausnummer: Dass die Bundeswehr kommt, lässt erahnen, wie schlimm die Lage sein muss.

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