Die heiligen drei Könige spielen in der Natzunger Kirche eine ganz besondere Rolle
Kunst für 18 Groschen Stempelgeld

Borgentreich -

In diesem Jahr können die als heilige drei Könige verkleideten Sternsinger nicht von Haus zu Haus gehen, nicht den Segen bringen und für Kinder in Not sammeln. Das geschieht in der Pandemiezeit auf andere Weise. Doch in der St.-Nikolaus-Pfarrkirche zu Borgentreich-Natzungen hat man die Weisen aus dem Morgenland bei jedem Besuch des Gotteshauses vor Augen.

Mittwoch, 06.01.2021, 03:41 Uhr aktualisiert: 06.01.2021, 03:50 Uhr
Seit 1807 ziert dieses Gemälde des bedeutenden westfälischen Malers Johann Georg Rudolphi als Altarbild die Natzunger Kirche. Foto: August Wilhelms

„Die Anbetung der Heiligen Drei Könige“ des Malers Johann Georg Rudolphi aus Brakel ist das Prunkstück des dortigen Altares. Auf dem Gemälde hat sich Rudolphi vermutlich selbst in der Reihe hinter den drei Weisen, rechts hinter Caspar zurücktretend porträtiert.

Sowohl das Altarbild wie auch der von dem aus Geseke stammenden Bildhauer Philipp Georg Brüll geschaffene Barockaltar wurden 1692 für das Abdinghofkloster in Paderborn angefertigt. Der Altar zählt zu den schönsten Hochaltären des Hochstifts und ist als Meisterwerk der Barockkunst heute ein Anziehungspunkt für Kunstfreunde.

Wie der bedeutende Barockaltar mit dem Rudolphi-Gemälde vom Dreikönigstag, dem Fest der Erscheinung des Herrn, den Weg in die Kirche des kleinen Dorfes Natzungen gefunden hat, ist in der von Gerhard Sendler recherchierten Chronik nachzulesen. Darin steht: „Als dieser (Anm.: der Paderborner Bauinspektor Ganzer) die fast fertiggestellte Kirche im März 1807 besichtigte, trugen die Gemeindevorsteher Conrad Aufenanger und Johannes Mikes ihm vor, der Natzunger Gemeinde doch bei der Beschaffung eines neuen Hochaltares behilflich zu sein.

Gemeinde bittet um Schenkung

Wegen seines völligen Zerfalls könne der Hauptaltar aus der alten Kirche nicht mehr verwendet werden. Da die Gemeinde durch den Kirchenbau schon finanziell stark beansprucht sei, könne sie unmöglich auch noch für einen neuen Hochaltar aufkommen.

Hieraus kann entnommen werden, dass die Hauptkosten für den Neubau der Kirche von der politischen Gemeinde getragen worden sind, ohne aber dass sich daraus Rückschlüsse auf eine Baulastverpflichtung ergeben. Denn es war festzustellen, dass die Pfarrei Natzungen die Mittel allein nicht aufbringen hätte können.

Auf Hinweis von Bauinspektor Ganzer wenden sich am 2. April 1807 die Gemeindevorsteher an den Kriegs- und Domänenrat von Hartmann in Paderborn mit der Bitte, der Gemeinde Natzungen für die neue Kirche den Hauptaltar der säkularisierten Abdinghofkirche zu schenken.

Generalvikar befürwortet Anliegen

Von Generalvikar Dammers wird das Bittgesuch Natzungens befürwortet, soweit in Abdinghof der Altar überhaupt noch vorhanden sei. Bauinspektor Ganzer wird von Kriegsrat Hartmann am 2. Mai 1807 aufgefordert anzuzeigen, ob ein entsprechender Altar in der Abdinghofkirche vorhanden sei.

Ganzer gibt am 10. Mai 1807 Antwort und verweist darauf, dass der in der Abdinghofkirche von der protestantischen Gemeinde nicht benutzte Hochaltar noch stehe und dieser, wenn man von der Höhe etwas abnehme, in die Natzunger Kirche völlig passe.

Obgleich der Altar veräußert werden soll, um mit dem erzielten Betrag zur weiteren Einrichtung der protestantischen Kirche abzutragen, hat Ganzer geschickt vermerkt, dass die Gemeinde Natzungen ca. 2300 Reichstaler für den Bau ihrer neuen Kirche beigesteuert habe und keine weiteren Kosten für einen neuen Altar übernehmen könne. In diesem Zusammenhang wird der ungefähre Betrag, den die Gemeinde für den Kirchenneubau leistete, bekannt.

Vorfahren sichern Kleinod

Nach Aufforderung durch Hartmann gibt Ganzer am 25. Mai 1807 den ungefähren Wert des Altares mit 30 Reichstalern an, weil das Holzwerk schon sehr wurmstichig ist und lediglich das Gemälde des Altares noch von einigem Wert sei.

Am 30. Mai 1807 überlässt Hartmann den Altar der Gemeinde Natzungen unentgeltlich und erteilt dem Verwalter des Klosteramtes Abdinghof Ziegenhayn den Auftrag, den Altar den beauftragten Natzungern zu übergeben.

Die Vorsteher Aufenanger und Mikes holen den Altar am 10. Juni 1807 von Paderborn ab. Lediglich ein Stempelgeld von 18 Groschen hat die Gemeinde zu hinterlegen.“ So haben die Natzunger Dank der Bemühungen ihrer Vorfahren und dem Einsatz des damaligen Kirchenbauleiters Ganzer ein wertvolles Kleinod für ihre Kirche erhalten.

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