Seltene Greifvogelart ist in der Warburger Börde beheimatet und stark bedroht
Experten wollen Wiesenweihe schützen

Borgentreich (WB/ben). Bei Greifvögeln denken die meisten Menschen vielleicht an Rotmilan, Mäusebussard oder Turmfalke, doch kaum jemand hat hier schon mal etwas von Wiesen- oder Rohrweihe gehört. Doch auch diese beiden stark bedrohten Greifvogelarten, die man bei uns nur selten zu Gesicht bekommt, sind in der Warburger Börde beheimatet. Sie kommen im Kreis Höxter noch in mehr oder weniger stabilen Beständen vor, berichtet die Landschaftsstation im Kreis Höxter mit Sitz in Borgentreich.

Donnerstag, 01.10.2020, 23:23 Uhr aktualisiert: 01.10.2020, 23:30 Uhr
Ein Wiesenweihen-Männchen im Flug. Wiesen- oder Rohrweihe sieht man bei uns nur selten. Doch auch diese beiden stark bedrohten Greifvogelarten sind im Kreis Höxter beheimatet und kommen in mehr oder weniger stabilen Beständen vor. Foto: Christof Störmer

Insbesondere die bodenbrütende Wiesenweihe hat im Kreis Höxter eines ihrer letzten Rückzugsgebiete in Nordrhein-Westfalen. Diese Greifvogelart siedelte ursprünglich in grünlandgeprägten Flussniederungen, Heiden oder Mooren, allesamt Lebensräume, welche in NRW kaum noch zu finden sind. Infolgedessen legen die Wiesenweihen heutzutage ihre Nester bevorzugt in Getreidefeldern und Feldgrasbeständen an.

Ehrenamtliche Ornithologen helfen

Da die Weihen erst spät mit dem Brutgeschäft beginnen – in der Regel ab Mitte/Ende Mai – und die Aufzucht der Jungen sich bis in den August hineinziehen kann, kollidieren die Nutzungs- beziehungsweise Erntetermine der Landwirte häufig mit der Brut und Aufzucht der Tiere. Ohne spezifische Schutzmaßnahmen würden die Jungvögel Gefahr laufen, im Rahmen der Ernte beziehungsweise Mahd zu Tode zu kommen.

Die Landschaftsstation im Kreis Höxter bemüht sich daher bereits seit mehreren Jahren, zusammen mit der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises Höxter, der ABU Soest sowie mit vielen weiteren ehrenamtlichen Ornithologen aus der Region um den Schutz dieser seltenen Weihenart.

Zäune können helfen

Eine der wesentlichen Schutzmaßnahmen stellt der direkte Gelegeschutz dar. Hierzu müssen zuallererst die Brutplätze mittels Spezialequipment von Fachleuten lokalisiert werden. Nachdem die Nester ausfindig gemacht wurden, kann anschließend nach Rücksprache mit den Landnutzern beziehungsweise Eigentümern der betroffenen Fläche sowie der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises Höxter (UNB) das Gelege markiert und kleinräumig eingezäunt werden.

Mittels Einzäunung ist es möglich, das Gelege vor anderen Tieren (zum Beispiel Waschbär oder Fuchs) zu schützen. Je nach Möglichkeit werden hierfür einfache Elektrozäune oder zuvor angefertigte Aluminiumgitter eingesetzt. Bei anschließender Ernte des Getreides oder Mahd des Feldgrases wird dieser Bereich dann in einem entsprechenden Schutzradius ausgespart. Die dadurch anfallenden finanziellen Verluste für die Bauern werden anschließend aus öffentlichen Mitteln kompensiert.

Sensible Bodenbrüter

Eine weitere wichtige Schutzmaßnahme ist zum anderen die Jagd, etwa von Waschbären, in den betroffenen Bereichen. Hier arbeitet die Landschaftsstation bereits erfolgreich mit der örtlichen Jägerschaft zusammen und bemüht sich zudem um Aufklärung in der Bevölkerung. Denn nicht nur Waschbär, Fuchs und Co. können den Weihen erheblichen Schaden zufügen, auch frei laufende Hunde stellen eine ernste Bedrohung für die sensiblen Bodenbrüter dar.

Wiesenweihe sind vor allem in der Warburger Börde weit verbreitet. Die weitläufigen Getreide- und Feldgrasbestände stellen hier wichtige Brutgebiete für die Tiere dar. Aber auch die in der Region noch großflächig vorkommenden Feuchtgrünländer und Bruchlandschaften bieten der Art wertvolle Nahrungshabitate.

Waschbären jagen

Neben der Wiesenweihe kommt hier auch noch die etwas größer und kompakter wirkende Rohrweihe als regelmäßiger Brutvogel vor. Auch diese seltene Bodenbrüterart weicht mangels natürlicher Bruthabitate häufig auf Getreidefelder aus. Die genannten Schutzmaßnahmen kommen auch dieser bedrohten Weihenart zugute.

„Nur durch solch umfassende Schutzbemühungen wird es auch in Zukunft möglich sein, diese beiden seltenen Weihenarten in der heutigen intensiv genutzten Kulturlandschaft zu erhalten“, stellt die Landschaftsstation im Kreis Höxter fest.

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