Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter besucht Biohof Jacobi in Körbecke
Biolandwirtschaft hat Zukunft

Borgentreich/Höxter (WB). Die Freiheiten, die die Kühe auf dem Biohof Jacobi genießen können, hat Bündnisgrüne aus Borgentreich, Warburg und Willebadessen beeindruckt. Sie waren zusammen mit Anton Hofreiter, dem Vorsitzenden der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, bei Familie Jacobi in Körbecke zu Besuch.

Mittwoch, 09.09.2020, 23:00 Uhr aktualisiert: 09.09.2020, 23:20 Uhr
Bündnisgrüne aus dem Altkreis waren zusammen mit Anton Hofreiter (5. von rechts), Vorsitzender der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, bei Familie Jacobi in Körbecke zu Besuch.

Der Melkroboter macht es dort möglich, dass die Bio-Kühe ganz nach ihren Bedürfnissen gemolken werden und nach Lust und Laune auf die Weide können.

Für den Gast aus Berlin nichts Neues, sondern ein Beispiel dafür, wie zukunftsfähig eine Landwirtschaft ist, die im Einklang mit den Tieren, der Natur und der Umwelt wirtschaftet.

Julius Jacobi führt durch den Betrieb

Julius Jacobi, der den Biohof jüngst von seinem Vater Josef übernommen hat, führte die Besuchergruppe mit jugendlicher Begeisterung und fachlicher Kompetenz durch den Betrieb.

Er erklärte das Prinzip der Verbrauchermilch, stellte das Konzept der Kälberaufzucht mit Ammenkühen vor und beantwortete die Fragen der Besucher, etwa zum Alter der Kühe oder auch zur genetisch hornlosen Kuh.

Zuvor hatte Heike Schäfer-Jacobi in die Kunst der Käserei eingeführt und den Hofladen gezeigt. Josef Jacobi erklärte die Sortieranlage für das Saatgut.

Hofreiter zieht politisches Fazit

„Der Biohof der Familie Jacobi zeigt, wie die Landwirtschaft der Zukunft funktionieren kann. Wir Grüne wollen, dass alle Betriebe nachhaltig wirtschaften und ihre eigenen Betriebsgrundlagen wie zum Beispiel die Fruchtbarkeit der Böden erhalten. Dazu braucht es faire Preise, aufgeklärte Verbraucher und klare Rahmenbedingungen durch die Politik. Gesellschaftlich erwünschte Leistungen wie eine artgerechte Tierhaltung, der Schutz der biologischen Vielfalt und von Boden und Wasser sollte die Gesellschaft auch finanziell honorieren“, zog Anton Hofreiter ein politisches Fazit seines Besuchs.

Fachgespräch mit Wissenschaftlern im Kreis Höxter

Zu einem Fachgespräch über das Artensterben und die Bewahrung der Artenvielfalt traf sich Anton Hofreiter auch mit Wissenschaftlern aus dem Kreis Höxter. Hofreiter, Doktor der Biologie, informierte sich über Erkenntnisse der heimischen Artenschutzexperten. „Besonders auffällig ist der extreme Rückgang bei Tierarten, die vor wenigen Jahren noch allgegenwärtig waren“, machte Dr. Mathias Lohr am Beispiel der Gefleckten Heidelibelle deutlich.

Die Bestände von „Allerweltsarten“ seien in den vergangenen zehn Jahren zum Teil dramatisch eingebrochen.

Neben einer intensiveren landwirtschaftlichen Nutzung habe die Klimaveränderung sowie das Zusammenwirken dieser Änderungen den Rückgang der Arten verursacht, berichteten die Wissenschaftler.

Positiv sei, dass es inzwischen zahlreiche Kooperationen der Wissenschaftler mit den Bewirtschaftern und Nutzern der Landschaft gebe. So konnte Professor Dr. Winfried Türk von der Zusammenarbeit mit der Stadt Höxter beim Ausbau der grünen Infrastruktur und der Landesgartenschau sowie mit dem Wasser- und Schifffahrtsamt berichten.

Und Dr. Burkhard Beinlich von der Landschaftsstation im Kreis Höxter erläuterte ein Bundesforschungsprojekt zur Artenvielfalt bei der Grünlandbewirtschaftung in Kooperation mit Landwirten.

Landwirte für Umweltschutzleistungen entlohnen

„Die Bewahrung der Artenvielfalt ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe“, sagte Hofreiter. „Es braucht die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft, den Bewirtschaftern der Landschaft, Politik und Öffentlichkeit. Wenn die wissenschaftlichen Erkenntnisse Zugang in die Gesellschaft finden, können daraus auch die notwendigen Konsequenzen gezogen werden.“

Als ein Beispiel nannte er, dass die Landwirtschaft für Umwelt- und Naturschutzleistungen entlohnt werden müsse.

Er forderte: „Bundesimmobilien sollen nicht mehr nach maximalem Gewinn und ohne sonstige Rücksichtnahme bewirtschaftet werden. Ökologische Aspekte müssen bei der Unterhaltung von Ufern und Auenbereichen, etwa entlang der Weser, entscheidend sein.“

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