Altbauer Josef Jacobi übergibt seinen Hof an Junglandwirt und Sohn Julius
„Papa, ich mach’s“

Borgentreich-Körbecke (WB). Das Jahr 2020 ist für die Familie Jacobi aus Körbecke ein ganz besonderes. Denn Josef Jacobi (74) hat seinen landwirtschaftlichen Betrieb mit Beginn des Monats Juli an seinen Sohn Julius (26) übergeben. Ein Jahr lang hatten Vater und Sohn Zeit, die Übergabe des vielseitigen Biohofes am Mühlentor 23 vorzubereiten.

Freitag, 10.07.2020, 09:00 Uhr
Josef Jacobi (74) hat seinen Betrieb an seinen Sohn Julius (26) übergeben. Das Foto zeigt (von links) Heike Schäfer-Jacobi (betreibt Hofkäserei und Hofladen), Josef, Julius und Katharina Jacobi (kümmert sich um Homepage, Flyer und soziale Medien). Foto: Tanja Sauerland

Auch in Zukunft wird Josef Jacobi seinem Sohn als erfahrener Berater mit Rat und Tat zur Seite stehen. „Wir haben uns immer gewünscht, dass eines unserer Kinder mal unser Lebenswerk übernimmt. Aber Landwirtschaft kam für alle drei nicht in Frage“, erinnert sich Jacobi. Die Lust auf Landwirtschaft kam auch bei Julius erst ziemlich spät – dann aber richtig.

FSJ in Berlin

„Ich habe gerade ein Seminar während eines Freiwilligen Sozialen Jahres (FSJ) besucht, da rief meine Mutter an und meinte, ich solle mir doch überlegen, eine landwirtschaftliche Ausbildung zu machen“, berichtet Julius Jacobi. Eigentlich hatte er vor, Politikwissenschaften zu studieren. Drei Tage später klingelte das Telefon von Josef Jacobi. Am anderen Ende der Leitung war Sohnemann Julius mit folgenden Worten: „Papa, ich mach’s!“

Josef Jacobi strahlt: „Seitdem ist mein Sohn Bauer.“ Julius Jacobi kann sich nichts anderes mehr vorstellen: „Wenn ich draußen auf dem Schlepper sitze und am ackern bin, spüre ich, dass ich das Landleben und die Natur nie wieder missen möchte.“ Nach dem Abitur am Hüffertgymnasium in Warburg absolvierte er ein FSJ bei der Organisation „Gesicht zeigen – für ein weltoffenes Deutschland“ in Berlin.

Wertvolles Fachwissen

Danach begann er seine landwirtschaftliche Ausbildung auf dem Biohof Kinkelbur in Minden und in der Staatsdomäne Frankenhausen. Anschließend besuchte er die Ökofachschule in Kleve und schloss seinen beruflichen Werdegang im Jahr 2019 als Agrarbetriebswirt ab. Seit zwölf Monaten arbeiten Josef und Julius Jacobi eng zusammen, teilen sich ein Büro.

„Wenn jemand anruft, lasse ich das Telefon bewusst zweimal klingeln – und weiß, dass Julius das Gespräch annimmt“, sagt Josef Jacobi. Von den knapp 50 Jahren Berufserfahrung seines Vaters kann der junge Landwirt eine Menge lernen. Kerngeschäft des Biohofes ist die Saatgutvermehrung. Besonders bei der Vermarktung ist das Fachwissen von Josef Jacobi wertvoll.

40 Saatgutsorten

„Mein Vater kennt alle 40 Saatgutsorten und weiß, welche Getreidesorte auf welchen Acker passt“, sagt Julius Jacobi: „Er weiß immer alles, und ich bin froh, dass er mich teilhaben lässt an seinem Wissen. Das kann kein Lehrbuch und keine App auf dem Smartphone.“ Jugendliche Dynamik trifft auf jahrzehntelange Erfahrung: Das wird schnell deutlich. Auch die Ehefrauen der Männer bringen sich in den Betrieb ein.

Käserin Heike Schäfer-Jacobi (55) wird auch nach der Hofübergabe weiterhin wie gewohnt die Hofkäserei und den Hofladen führen. Und Katharina Jacobi (29), die Ehefrau von Julius, ist gelernte Grafikdesignerin und für die Gestaltung der Website und der Flyer sowie für die Veröffentlichungen bei Facebook und Instagram verantwortlich.

Der frische Wind auf dem Hof erfüllt Josef Jacobi mit Stolz. Und was ihn am meisten freut: „Die Zukunft des Hofes ist sicher.“ Auf dem Biohof in Körbecke leben außerdem 60 Kühe, 35 Rinder, 15 Kälber, 25 Schweine, Hühner, Laufenten und die Mischlingshündin Greta. Neben der Saatgutvermehrung und der Hofkäserei ist das dritte Standbein des landwirtschaftlichen Betriebes die Milcherzeugung. Diese drei Säulen greifen ineinander und spiegeln den Kreislauf der ökologischen Landwirtschaft wieder.

140 Hektar Land

Josef Jacobi hat den Hof zu dem gemacht, was er heute ist. Für ihn ging Landwirtschaft auch stets Hand in Hand mit politischen Aktionen. Das will die junge Generation fortleben. „Ich werde zunächst das Vorhandene, was mein Vater aufgebaut hat, übernehmen und im Zuge der Digitalisierung die Arbeit im Büro optimieren. So kann ich mir mehr Freiräume für die Arbeit draußen schaffen“, sagt Julius Jacobi.

Denn dort gilt es, 140 Hektar zu bewirtschaften. Auch in die Führung der vier Mitarbeiter und des Auszubildenden muss Julius Jacobi hineinwachsen. Josef Jacobi hatte die Betriebsleitung des Hofes von seinem Vater Alfred übernommen. Überraschend und ohne geplante Übergabe, denn dieser war im Alter von 66 Jahren bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen. Das war im Jahr 1972. Da war Josef Jacobi genau so alt wie sein Sohn Julius heute.

Julius Jacobi und seine Frau Katharina leben seit ihrer Hochzeit im vergangenen Jahr auf dem Hof und erwarten nun ihr erstes Kind. Tochter Hanna Jacobi (31) hat Kommunikationswissenschaften studiert und lebt mit Lebenspartner und Sohn in Leipzig. Tochter Lena Jacobi (29) hat Landwirtschaft studiert und ist Mitarbeiterin eines hessischen Landtagsabgeordneten in Witzenhausen.

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