Klus Eddessen: Hermann-Josef Sander schreibt Buch über Einsiedler Hermann Aufenanger Verzicht als Lebensideal

Borgentreich (WB). »Nur der Mensch wird glücklich, der auch andere Menschen glücklich machen will«, sagt Bruder Hermann Aufenanger. Der Pfarrer wohnte von 1969 bis 1981 als Einsiedler bei der Klus Eddessen auf dem Eichhagen, in einer kleinen Holzhütte. Das faszinierende Leben von Bruder Hermann hat der Dalhausener Hermann-Josef Sander nun zwischen zwei Buchdeckel gepackt.

Von Astrid E. Hoffmann
Vor der Klus Eddessen, der Wirkungsstätte des Einsiedlers Bruder Hermann (1901-1988): der Verleger (von links) Jörg Mitzkat, Manfred Aufenanger, Autor Hermann-Josef Sander und Gemeindereferent Matthias Hein.
Vor der Klus Eddessen, der Wirkungsstätte des Einsiedlers Bruder Hermann (1901-1988): der Verleger (von links) Jörg Mitzkat, Manfred Aufenanger, Autor Hermann-Josef Sander und Gemeindereferent Matthias Hein. Foto: Astrid E. Hoffmann

»Einfachheit und Verzicht als Lebensideal« ist der Titel des Buches und war das Motto von Hermann Aufenanger, der 1901 in Willegassen geboren wurde. Mit drei Brüdern und vier Schwestern wuchs er in Schweckhausen auf, legte 1920 sein Abitur am Gymnasium Marianum in Warburg ab, studierte dann Theologie und wurde 1926 in Paderborn zum Priester geweiht.

Bedingt durch eine schwere Erkrankung, ließ er sich bereits 1953 in den Ruhestand versetzen. Damit kam die Wende in sein Leben. Naturkost und Heilfasten brachten ihn wieder auf die Füße, so dass er von 1957 bis 1966 als Seelsorger in Erwitzen tätig sein konnte. Aber der Gedanke, mit wenig auszukommen, eine karge Lebensführung zu probieren, war längst in ihm gereift.

Einfache Kost, keine Möbel

Er baute sich eine kleine Holzhütte, die gerade ein Einzelbett aufnahm und in der man nicht einmal aufrecht stehen konnte. Diese Hütte stellte er 1966 in Nörde auf, wo er den dortigen Pfarrer bei der Arbeit unterstützte, dann ging es 1969 zum Eichhagen in die Nähe der Klus. Dort lebte er, gemäß seiner eigenen Gebote, von einfacher Kost, ohne Möbel und Haushälterin, er bestellte einen kleinen Garten und war stets in einfacher Arbeitskleidung unterwegs. Gesundheitsfasten und der Verzicht auf Alkohol und Tabak waren ihm wichtig. Selbst beim Schreiben legte er Wert auf Einfachheit, er schrieb alles klein und vermied griechische, lateinische, französische und englische Worte in seinen Texten.

Eifriger Briefeschreiber

Hermann Aufenanger verzichtete auf Radio, Fernsehen und Zeitungen, aber er war selbst ein eifriger Schreiber von Rundbriefen und kleinen Schriften, in denen er seine Anliegen kundtat. Den Hunger in der Welt wollte er bekämpfen. Seine Ansichten zur Lebensführung haben nichts an Aktualität verloren.

Akribische Arbeit

Dies alles hat Autor Hermann-Josef Sander mit Akribie zusammengetragen und aufgeschrieben. Dabei war ihm der Neffe von Bruder Hermann, Manfred Aufenanger (84 Jahre) aus Altenbeken eine große Hilfe. Der Sohn von August Aufenanger (1895 bis 1969, Hermanns ältester Bruder) öffnete sein Familienarchiv und stand Sander auch persönlich mit Erinnerungen Rede und Antwort.

Direkt geplant war das Buch über den durch das Leben in der der Holzhütte weltweit bekannt gewordenen Einsiedlers eigentlich nicht. »2015 hatte ich ein Gespräch mit Schwester Mechthild, die zu dem Zeitpunkt in der Klus wohnte. Sie regte an, doch einmal ein Buch über die Klus und ihre Eremiten zu verfassen«, berichtet der studierte Lehrer aus Dalhausen vom Projektbeginn.

Ansichten und Einsichten

Bei der Sichtung der zahlreichen Unterlagen wurde Hermann-Josef Sander, der vielen noch als Wetterfrosch der Wetterstation Drenke bekannt ist, klar, dass hier ein ganz anderes Thema schlummert. Nicht nur die Aufzeichnung von Wetterdaten, auch seine Tätigkeit als Redenschreiber für Stadtdirektoren und Bürgermeister und das Verfassen von Aufsätzen zur Heimatgeschichte halfen ihm, strukturiert zu arbeiten und spannend zu schreiben. Und so entstand ein Buch über einen Mann, der mit seinen Ansichten und Einsichten die Probleme von heute genau benannte und das eben schon vor 50 Jahren.

Lohnenswerte Lektüre

Mit Jörg Mitzkat vom gleichnamigen Verlag in Holzminden fand der Autor auch den passenden Verleger, denn »Bücher aus dem Weserbergland« ist der Untertitel des Verlages. Einfach, wie das Lebensmotto von Bruder Hermann, war die Aufgabe sicher nicht, aber sie ist eine lohnenswerte Lektüre. Die Ansichten des einfachen Bruders passen nach Verlagsangaben genau ins Zeitgeschehen und gehören auf den Gabentisch, der bei Hermann Aufenanger aus Nüssen und Obst bestanden hätte.

Im Buchhandel und beim Verlag Jörg Mitzkat (Allersheimer Straße 45, 37603 Holzminden) ist das Buch für 22 Euro erhältlich.

Kommentare

Ein wunderbares Buch über einen wunderbaren Menschen

Großes Kompliment und großer Dank an den Autor Hermannn-Josef Sander und den Verleger Jörg Mitzkat, die mit dieserm Buch dem weitsichtigen Einsiedler Bruder Hermann ein echtes Denkmal gesetzt haben. Hoffentlich hat das Buch den Erfolg, den es verdient. Ich wünsche es ihm.
Marilis Kurz-Lunkenbein, Augsburg, Bühne

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