Projekt »Wieherndes Klassenzimmer« in der Offenen Ganztagsschule
Unterricht mit Pony Paule

Borgentreich (WB). »Wir sind mutig und schlau wie ein Indianer. Hugh!« Dieser Spruch begleitet die Schüler des »Wiehernden Klassenzimmers« durch die Unterrichtsstunden – und diese Stunden sind etwas ganz Besonderes. Sie finden draußen statt und mit Pferd, besser gesagt mit Pony Paule und seiner Trainerin Sabrina Baumblüth-Hesse.

Freitag, 07.06.2019, 12:09 Uhr aktualisiert: 07.06.2019, 12:12 Uhr
Den Anweisungen von Trainerin Sabrina Baumblüth-Hesse (von links) lauschen die Grundschüler Thordis, Michael, Noel und Isabell sehr gespannt. Pony Paule kümmert sich derweil entspannt um die Rasenpflege. Foto: Astrid E. Hoffmann

In der Offenen Ganztagsschule (OGS), die zur katholischen Grundschule gehört, wurde jetzt die letzte Unterrichtseinheit des »Wiehernden Klassenzimmers – mit KKP zum Lernerfolg« von den Schülern Isabell, Michael, Noel und Thordis absolviert. Zur Gruppe gehörte auch noch Zoey, die am Abschlusstag aber nicht konnte.

Konzentrationstraining mit Pferden

KKP steht für Katzenbergersches Konzentrationstraining mit Pferden und wurde von Dr. Ruth Katzenberger-Schmelzer und Yvonne Katzenberger aus Burgheim (Bayern) entwickelt. Dahinter steht der Gedanke, dass die Pferde oder Ponys den Kindern helfen, Konzentrationsschwächen abzubauen. Es trainieren Kinder, die beispielsweise wenig Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten haben, Gelerntes schon nach kurzer Zeit vergessen. Das gezielte Herangehen an eine Aufgabe, das Erledigen einer Arbeit in einer angemessenen Zeit, den Fokus auf das Wesentliche zu richten, dies sind nur einige Dinge, die mit der KKP-Methode erreicht werden sollen – mit Pferd oder Pony.

Sabrina Baumblüth-Hesse aus Riesel ist als Diplom-Sozialarbeiterin bei der Arbeiterwohlfahrt (AWO) tätig. Sie hat auch eigene Pferde und ist Reitpädagogin. Im vergangenen September absolvierte sie bei den Katzenbergers in Bayern ihre Ausbildung zur KKP-Trainerin. Einen ersten Kursus gab sie bereits auf ihrem eigenen Hof in Riesel.

Die AWO ist Träger der OGS in Borgentreich und bot nun diesen besonderen Kursus erstmalig an. Schulleiterin Regina Fögen und ihr Team hatten sich fünf Schüler herausgepickt, die nun mit Pony Paule vier Einheiten zu jeweils etwa 90 Minuten absolvieren durften. »Ziel ist es, Kindern Selbstmotivation, Verantwortung für das eigene Handeln, einen reflexiven Arbeitsstil, einen vernünftigen Umgang mit Fehlern, eine Arbeitsstruktur und Arbeitsdisziplin sowie eine Erhöhung der Leistungsbereitschaft zu vermitteln«, erklärt Baumblüth-Hesse.

Die ausgebildete Trainerin hat dazu einen fest strukturierten Ablaufplan zur Hand. Jede Einheit umfasst dabei fünf Phasen, die spielerisch in eine Geschichte vom Indianer mit seinem Pferd eingebettet sind.

Auf der Wiese draußen vor der Schule in Borgentreich schnappen sich die Schüler im Alter von sieben bis zehn Jahren die Poolnudeln und bauen nach Anweisung den Parcours auf. Dann kommt Pony Paule dazu. Er freut sich über das saftig grüne Gras und kaut munter. »So oft wie das Pony kaut, so oft atmen wir«, sagt die KKP-Trainerin. Das hilft bei Phase zwei, dem leisen Lauschen. Eine Indianergeschichte wird erzählt. Die Kinder sind dabei in dieser letzten Schulstunde mit Pony Paule sehr aufmerksam. Das war am Anfang des Projekts nicht immer der Fall. Anschließend werden Fragen zur Geschichte beantwortet.

Leckerli für Paule

Nach jeder Phase geht es an den Tisch, wo jedes Kind eine Mappe hat und bei der Übung erzielte Punkte auf einem Blatt ausmalt. Dies sind kleine Belohnungen und halten die Stimmung hoch, denn schließlich haben alle ihre Aufgabe gut erledigt – vor allem Paule, der munter weiter frisst. Mit einem Massagegriff dürfen die Kinder dann auch Paule mit Streicheleinheiten belohnen.

»Schwing den Stift«, heißt eine Anweisung für die Kinder, genau zuzuhören und das Gehörte dann auf dem Papier darzustellen. Nicht leicht, aber auch das klappt. Dann geht es mit dem schon 32 Jahre alten Pony in den Parcours.

Jedes Kind hat zwei Indianerbilder in der Hand. Ein Kind beschreibt mit Paule an seiner Seite sein Bild, wer von den Schülern dieses Bild auch hat, zeigt auf. Dann wird Paule am Zügel übergeben. Alles läuft ruhig ab, und auch wenn manchmal noch andere Dinge die Kinder ablenken, so sind alle doch wieder viel schneller bei der Sache als vor den Übungen. Eine Gelbe oder eine Rote Karte musste Sabrina Baumblüth-Hesse als Verwarnung in diesem Kursus nicht ziehen. Für die vielen ausgemalten Punkte dürfen sich die Kinder noch ein kleines Spielzeug aus den Wunschboxen aussuchen, dann schließt das »Wiehernde Klassenzimmer« seine Pforte.

»Wir würden dieses Konzentrationstraining gern wieder anbieten«, berichtet OGS-Leiterin Regina Fögen. Diesmal hat die AWO die Kosten übernommen. Ein Trainer unterrichtet maximal fünf Schüler, pro Kind fallen 80 Euro an Kosten an. »Vielleicht möchte jemand einmal einen Kursus spenden«, hofft Fögen, »nächstes Schuljahr feiern wir unser Zehnjähriges, dass wäre ein guter Anlass.« Derzeit besuchen 42 Schüler die OGS und werden dabei von zwei Erziehern, zwei Betreuern und zwei FSJlern begleitet.

Informationen und Kontakt

Den Kindern hat der Unterricht mit Pony Paule viel Spaß gemacht. Zum Schluss bedankten sich die Kinder bei Paule mit einem Leckerli für seine Arbeit. Auskunft zum Projekt gibt es bei der Geschäftsstelle der AWO in Bad Driburg, Informationen finden sich auch unter www.wieherndes-klassenzimmer.com im Internet.

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